Gruppen trafen sich - aber nicht alle
Wie sich die Opposition den Irak der Zukunft vorstellt

Führende Gruppierungen der Opposition haben erstmals miteinander beraten und einen 13-Punkte-Plan verabschiedet. Allerdings war das Treffen heftig umstritten.

dpa NASIRIJA/WASHINGTON. Eine Woche nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein haben führende Oppositionsgruppen erstmals im Irak über die Zukunft ihres Landes beraten und dabei einen 13-Punkte- Katalog verabschiedet. Darin wird unter anderem betont, dass die neue Regierung nicht von außen bestimmt werden dürfe, sondern die Iraker ihre neue Regierung selbst bestimmen müssten.

Nach einem Pool-Report, der vom amerikanischen Zentralkommando am Dienstag veröffentlicht wurde, betonte der US-Sonderbeauftrage Zalmay Khalilzad, die USA hätten kein Interesse, den Irak zu regieren. Sie hofften auf die schnelle Bildung einer Übergangsregierung. Bei dem Treffen nahe Nasirija im Südirak hatten den Angaben zufolge rund 80 irakische Exil-Politiker, Stammeschefs und Religionsführer mit dem künftigen US-Verwalter Jay Garner beraten.

In den 13 Punkten, die nach dem Treffen verabschiedet wurden, wird unter anderem betont, dass der Irak künftig demokratisch regiert werden muss und Stammeszugehörigkeit bei der Bildung einer neuen Regierung keine Rolle spielen dürfe. Weiter verurteilten die Delegationsteilnehmer Plünderungen. Die nächste Konferenz soll in zehn Tagen stattfinden.

Mehr als 20 000 Menschen demonstrierten gegen das Treffen, das von dem Boykott der einflussreichsten Schiiten-Gruppe sowie der Absage zahlreicher Exil-Politiker überschattet wurde. Auch der Vorsitzendende des Irakischen Nationalkongresses (INC), Ahmed Chalabi, der als erste Wahl des US-Verteidigungsministeriums für eine Führungsrolle im Irak gilt, entsandte nur einen Vertreter.

Chalabi sagte dem arabischen Fernsehsender Abu Dhabi TV, es sei bei dem Treffen in Nasirija darum gegangen, dass die US-Vertreter ihre Vorstellung von einer Übergangsregierung darlegen könnten. Ein weiteres Treffen von irakischen Oppositionsgruppen unter Ausschluss von US-Vertretern werde in Kürze folgen.

Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe, der im iranischen Exil beheimatete Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), hatte seine Teilnahme sogar ganz abgesagt. Als Grund gab die Gruppe an, dass die USA den Nachkriegs-Irak dominieren wollten. Unabhängigkeit sei von Anfang an das Prinzip gewesen, die Konferenz diene deshalb nicht dem irakischen Volk.

Auch eine andere Schiiten-Gruppe, die "el Dawa", entschied sich am Dienstag gegen eine Teilnahme. Schon die Tatsache, dass dieses Treffen auf einem Luftwaffenstützpunkt stattfinde und von US-Militärs organisiert werde, sei negativ, sagte der Sprecher Ibrahim el Dschafari in einem Fernsehinterview. Die Muslime schiitischer Glaubensrichtung stellen sowohl im Irak als auch im Iran die Bevölkerungsmehrheit.

Nach der Konferenz riefen Teilnehmer zu einem Ende des Boykotts und zum Aufbau eines säkularen Iraks auf, in dem Staat und Religion getrennt sind. Scherif Ali Bin Hussein von der "Bewegung für die konstitutionelle Monarchie" sagte dem arabischen Sender El Dschasira, man müsse mit den US-Amerikanern und Briten verhandeln. Die irakischen Gruppen hätten nur zwei Möglichkeiten: "Mit ihnen verhandeln oder sie bekämpfen." Verhandeln sei aus seiner Sicht die bessere Option.

Der britische Außenminister Jack Straw sagte in Katar, das Oppositionstreffen sei ein Zeichen dafür, dass nach Jahrzehnten der Diktatur im Irak jetzt die Politik am Zuge sei. "Die Zukunft des Iraks wird auf jeden Fall besser sein als die schreckliche Vergangenheit, unter der die Iraker so lange Zeit gelitten haben."

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