Gruppentherapie gegen den Bundesliga-Frust - Kühler Empfang in Mallorca - Alle einsatzbereit: Völler setzt auf Selbstheilungskräfte

Gruppentherapie gegen den Bundesliga-Frust - Kühler Empfang in Mallorca - Alle einsatzbereit
Völler setzt auf Selbstheilungskräfte

Dunkle Regenwolken, viel Wind und Temperaturen von nur acht Grad empfingen den Vizeweltmeister in Mallorca. Das Grau in Grau über der Ferieninsel passte zum Stimmungsbild in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Testspiel gegen Spanien. Das Gros des 18-köpfigen Aufgebotes hatte den Wochenend-Frust aus der Bundesliga noch lange nicht verdaut, als die Condor-Sondermaschine DE 9126 am Montag pünktlich um 11.53 Uhr auf dem Flughafen in Palma de Mallorca aufsetzte und geknickte Dortmunder, deprimierte Leverkusener sowie die gleichfalls psychisch angeschlagenen Miroslav Klose und Jörg Böhme entließ.

HB/dpa PALMA DE MALLORCA. "Es gibt immer mal frustrierte Spieler. Schwierig wird es aber, wenn es zu viele werden", sagte Teamchef Rudi Völler nachdenklich beim Blick auf die vielen hängenden Köpfe in seinem Personal. In Einzelgesprächen will der 42-Jährige seine Problemfälle bis zum Anstoß am Mittwoch (21.30 Uhr/ARD) wieder aufrichten. Vor allem aber setzt Völler auf die Selbstheilungskräfte in der durch die Erfolgserlebnisse bei der Weltmeisterschaft zur Solidargemeinschaft gewordenen DFB-Auswahl. "Für frustrierte Spieler kann die Nationalmannschaft auch eine Art Auffangbecken sein", sagte Völler und verweist auf eigene Erfahrungen. 1988 kam er im Trikot des AS Rom einfach nicht in Tritt, der damalige DFB-Teamchef Franz Beckenbauer aber hielt an ihm fest und verhalf ihm aus der Sinnkrise: "Ich bin also das lebende Beispiel dafür, dass man sich das verlorene Selbstvertrauen in der Nationalmannschaft zurückholen kann."

Bayer Leverkusens Mittelfeldspieler Bernd Schneider pflichtet dem Teamchef bei und macht deutlich, wie sehr er die Ausflüge mit der DFB-Reisegesellschaft als Zufluchtsstätte schätzt. "Es tut gut, wenn Bayer mal drei, vier Tage lang nicht das Hauptthema ist, man mal sich ma ganz woanders befindet und etwas anderes sieht und hört. Da besteht die Möglichkeit, wieder individuelles Selbstvertrauen zu tanken", sagte der 29-Jährige. Und Kaiserslauterns Miroslav Klose ergänzte: "Ich bin überzeugt, dass mich die Tage bei der Nationalelf wieder einen Schritt weiterbringen."

Bei der Gruppentherapie auf Mallorca aber stehen den vielen Problemfällen nur Wenige mit breiter Brust entgegen, nachdem der einstmals zahlenmäßig starke Block des Branchenführers FC Bayern München auf Kapitän Oliver Kahn und Mittelfeldspieler Jens Jeremies geschrumpft ist. So wird die Fraktion der Selbstbewussten ausgerechnet von den "Frischlingen" getragen: Die Debütanten Benjamin Lauth und Tobias Rau fiebern ihren Debüts entgegen, die ihnen Völler zumindest als Einwechselspieler in Aussicht gestellt hat. Die Chance auf eine Bewährungschance sei sehr gut, erklärte der Teamchef.

Zwei Tage vor dem Anpfiff im 23 000 Zuschauer fassenden, aber bei weitem noch nicht ausverkauften Stadion "Son Moix", machte Völler noch keine Hinweise auf die Mannschaftsaufstellung. Probleme bereitet nach den Ausfällen von Michael Ballack, Dietmar Hamann und Sebastian Kehl vor allem die Besetzung des zentralen Mittelfelds. Dort könnte der Dortmunder Torsten Frings, zuletzt meist als Ideal-Notlösung auf der rechten Seite eingesetzt, endlich einmal in seinem bevorzugten Revier eine Bewährungschance erhalten.

Im Angriff setzt Völler weiterhin auf Klose. Der Lauterer, einer der pflegebedürftigsten Spieler im aktuellen Aufgebot, liegt dem Teamchef ganz besonders am Herzen: "Er ist einer extremen Doppelbelastung ausgesetzt. Einerseits soll er in Kaiserslautern der Messias und Heilsbringer sein. Andererseits muss er die Entscheidung über seine sportliche Zukunft fällen." Zumindest im letzten Punkt hat Völler für den zwischen München und Dortmund hin und her gerissenen Torjäger einen guten Rat parat: "Ich rate ihm, nicht in die schönste Stadt zu gehen, sondern dorthin zu wechseln, wo er sportlich die größten Perspektiven sieht."

Mögliche Aufstellung: Kahn - Wörns, Ramelow, Metzelder - Friedrich, Frings, Jeremies, Böhme (Rau) - Schneider - Klose, Bobic

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