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Günstige Internet-Flatrates sollen E-Commerce beflügeln

Günstige Pauschaltarife für das Surfen im Internet könnten nach Einschätzung von Experten positive Auswirkungen auf den elektronischen Handel (E-Commerce) haben. Mit solchen Flatrates würden mittelfristig mehr Menschen länger im Internet verweilen, sagte Jörg Forthmann von der Unternehmensberatung Mummert+Partner am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Wie beim längeren Flanieren in einer Einkaufspassage entdecken die Leute dann mehr Dinge, die sie gern kaufen möchten." Die Deutsche Telekom muss künftig Online-Diensten zeitunabhängige Netz-Tarife anbieten, die für Kunden zu günstigeren Internet-Flatrates führen könnten.

rtr HAMBURG. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hatte die Deutsche Telekom am Donnerstag verpflichtet, Internet-Service-Providern (ISPs) von Februar 2001 an "Großhandels-Flatrates", also zeitunabhängige Tarife für die Nutzung der Telekom-Netze für Internet-Verbindungen, anzubieten. Bisher rechnet die Deutsche Telekom mit ISPs wie AOL die Netz-Tarife minutenweise ab. Dadurch kann es bei Langzeit- Surfern dazu kommen, dass die ISPs mehr an die Telekom für die Netz-Nutzung bezahlen müssen, als sie von ihren Kunden über die Pauschaltarife einnehmen. Bislang kostet die AOL-Flatrate 78 Mark, der Pauschaltarif der Telekom-Tochter T-Online 79 Mark. Verbraucher können nun voraussichtlich mit niedrigeren Internet-Pauschaltarifen rechnen.

Die auf E-Commerce-Fragen spezialisierte Beratungsfirma Mummert+Partner sieht durch günstigere Flatrates für Internet-Nutzer jedoch noch keine kurzfristigen Auswirkungen auf das E-Commerce-Volumen. "Auch mit billigeren Flatrates werden sich die Leute nicht plötzlich in den E-Shops drängeln", sagte Forthmann. Dafür sei noch nicht genug Vertrauen in den Online-Einkauf vorhanden. Jüngsten Studien zufolge zweifelten viele Internet-Nutzer daran, dass sie beispielsweise in der unübersichtlichen Fülle der Web-Angebote die richtigen Weihnachtsgeschenke finden könnten. Die meisten Nutzer rechneten zudem mit technischen Probleme beim Weihnachts-Einkauf im Internet und Engpässen bei der Lieferung.

Dem Marktforschungsinstitut MMXI Europe zufolge gibt es derzeit knapp neun Mill. deutsche Internet-Nutzer, von denen etwas weniger als die Hälfte auch E-Commerce-Sites besuchen. Wieviele davon tatsächlich online einkaufen, ist nicht bekannt. Dem Forschungsinstitut Forrester Research zufolge werden aber in Deutschland im Online-Handel jährlich rund 2,3 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Nach bisherigen Vorhersagen wird dieses Volumen bis zum Jahr 2005 auf 46 Mrd. US-Dollar ansteigen. Auch Commerzbank-Analyst Axel Hotze sieht mittelfristig einen positiven Einfluss günstigerer Internet-Flatrates auf den Online-Handel. "Der potenzielle Käufer kann länger Informationen sammeln - beispielsweise im Travel-Bereich - und dadurch animiert werden, später auch eine Reise zu buchen", sagte Hotze, der sich auf E-Commerce spezialisiert hat. Die Quote, mit der aus Surfern Käufer gemacht werden, könne sich also erhöhen. Das brauche aber eine gewisse Zeit: "Nur weil die Leute länger surfen, wird sich die Zahl der Käufer nicht schnell erhöhen." Zudem müssten die E-Commerce-Unternehmen auch mehr Service anbieten, wie beispielsweise Video-Konferenzen mit Beratern.



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