Günter Herz fordert eine Entscheidung
Bei Tchibo haben Schlichter keine Chance

Im Konflikt der Eigentümerfamilie Herz über die Ausrichtung des Tchibo-Konzerns hat ein Schlichter keine Chance. Dies stellte Günter Herz in einem Gespräch mit dem Handelsblatt klar.

HAMBURG. Günter Herz hält zusammen mit Schwester Daniela 40 % der Anteile der Tchibo-Holding AG. Die Brüder Joachim, Michael und Wolfgang Herz besitzen dagegen zusammen etwas mehr als 50 % der Tchibo-Aktien. Sie sind im Gegensatz zu Günter Herz im Aufsichtsrat vertreten. Als mögliche Schlichter waren in der Vergangenheit der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher sowie der Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel ins Gespräch gebracht worden.

"Ich halte den Einsatz eines Schlichters für eine absolute Torheit.Von mir kommt dieser Gedanke nicht. Ich weiß nicht, was er schlichten soll", sagte Günter Herz. Die Arbeit eines Schlichters hält er bei einem Streit um Inhalte für sinnvoll. Den gebe es aber nicht. Das Thema "Der große Bruder muss aus der Firma" habe sich ohnehin erledigt, so der 61-jährige Herz. Seine Brüder hätten seinem Rückzug vom Vorstandsvorsitz der Holding und den Ausschluss aus allen Tchibo-Gremien durchgesetzt. Jetzt gehe es um die künftige Ausrichtung des Tchibo-Konzerns, der mit Kaffee (Tchibo/Eduscho), Zigaretten (Reemtsma) und der Beteiligung an der Beiersdorf AG von knapp 28 % sein Geld verdient.

Seine Strategievorschläge habe er vorgelegt, sagte Herz. Sie sehen entweder einen Börsengang der operativen Gesellschaften oder "eine Verkürzung der Frontlinie" vor. Darunter fiele wohl der Verkauf der Zigarettensparte Reemtsma. Trotz seines wiederholten Drängens habe es von seinen Brüdern keine Vorstellungen zum Unternehmenskonzept gegeben. Herz: "Den Börsengang fürchten sie wegen der damit verbundenen Transparenz, beim anderen wissen sie nicht genau, was sie wollen." Und er sattelt noch eins drauf: "Bevor ich einen neuen Holding-Vorstand suche, muss ich wissen, was ich organisieren will."

Günter Herz, der bis zu seinem Ausscheiden aus dem Vorstand 38 Jahre lang bei Tchibo tätig war, denkt nicht daran, seine Anteile zu verkaufen. Entsprechende Meldungen nennt er "ziemlichen Schwachsinn" und "ein reines Windei". Vielmehr kündigt er Druck auf seine Brüder an, ihr Verhalten zu erklären. Vorstand und Aufsichtsrat hätten Pflichten, und die seien nicht beliebig, sagte Günter Herz. "Wenn es jetzt nicht besser wird, gibt es noch einen drauf!"

Mittlerweile werden auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat unruhig. Sie wollen notfalls in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung die Brüder Joachim, Wolfgang und Michael Herz zwingen, Farbe zu bekennen.

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