Günther Beckstein verliert auf seinem Langen Weg zur Macht an Glanz
Begeisterung sieht anders aus

Günther Becksteins Stern strahlte schon mal heller am weiß-blauen Himmel. In jener Nacht in Wildbad Kreuth, als er sich mit seinem Erzrivalen Erwin Huber über die vorzeitige Ablösung von Edmund Stoiber einigte, fiel vielen in der CSU ein Stein vom Herzen. Mittlerweile ist daraus für Bayerns Innenminister fast schon ein Klotz am Bein geworden.

CHAMERAU-LEDERDORN. Der Auftritt scheint der künftigen Rolle angemessen: Gleich zwei dunkelgraue gepanzerte BMW-Limousinen fahren vor der Fabrikhalle im tiefsten Bayerischen Wald vor. Heraus aus dem ersten Wagen springt, umgeben von mehreren Bodyguards, der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU). Als "designierter Ministerpräsident" des weißblauen Freistaats ist der Ehrengast vom Fürther Sportbrillenhersteller uvex, der an diesem Tag sein neues Werk in Chamerau-Lederhorn in der Oberpfalz eröffnet, voll fränkischem Nationalstolz angekündigt worden.

Es ist ein Besuch bei Freunden. Man kennt sich schon lange, und der Nürnberger Beckstein hat uvex-Seniorchef Rainer Winter schon oft mit seiner Anwesenheit bei diversen Feierlichkeiten beglückt. Das schmückt den Firmenchef und den Politiker gleichermaßen, denn das Familienunternehmen mit seinen 2 000 Mitarbeitern zählt zu den Aushängeschildern der fränkischen Wirtschaft. Auch diesmal lässt sich der Minister artig mit einem Produkt des Hauses ablichten, bevor er zur Eröffnungszeremonie schreitet. Der künftige bayerische Politkönig besuche eine seiner Burgen, schwärmt Moderator Christian Murauer vom örtlichen Radiosender, gilt doch der Landkreis Cham seit jeher als eine Hochburg der CSU. Die SPD ist in Ostbayern ebenso wenig gefragt wie rote Zahlen bei uvex.

Der warme Applaus der 200 Gäste kann indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass Becksteins Stern in Bayern schon mal heller strahlte. In jener Nacht in Wildbad Kreuth, als er sich mit seinem Erzrivalen Erwin Huber im Hinterzimmer über die vorzeitige Ablösung von Edmund Stoiber einigte, fiel fast allen in der CSU ein Stein vom Herzen. Mittlerweile ist daraus für Beckstein fast schon ein Klotz am Bein geworden.

"Das Tandem kommt nicht mehr recht vom Fleck", sorgt sich ein CSU-Grande in München. "Vorne ist ein Achter drin und hinten hat es einen Platten." Das mag vielleicht übertrieben sein, denn in seiner fränkischen Heimat ist Beckstein nach wie vor ein Politgott. Aber die jüngsten Etappen auf dem langen Weg zur Macht in Bayern sind eindeutig an den gegangen, der Ende September seine Laufbahn offiziell beenden will: An Edmund Stoiber. Der tourt auf einer Woge der Begeisterung durch den Freistaat. "So jemand wie Sie kriegen wir nie wieder", schmeicheln ihm seine Fans, so auch kürzlich bei einem Empfang der Stadt Kaufbeuren in Bayerisch-Schwaben. Fast 1 500 von ihnen haben die Partei aus Enttäuschung schon verlassen. Und auch in der CSU-Landtagsfraktion bedauerten schon viele Abgeordnete Stoibers Sturz, wie CSU-Generalsekretär Markus Söder jetzt bekannte.

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