Güterverkehr liegt auch unter Plan
Bahn will mit Sonderangeboten locken

Angesichts von Einbrüchen im Personenverkehr will die Deutsche Bahn nach Angaben aus Unternehmenskreisen unter anderem mit Sonderangeboten verlorene Kunden vor allem von Billigfliegern zurückgewinnen.

Reuters BERLIN. Für 2002 wies die Bahn auf Grund der Konjunkturflaute mit fast 500 Millionen Euro einen mehr als verdoppelten Betriebsverlust aus, schnitt aber besser ab als geplant. Zu den neuen Angeboten sagte Bahn-Vorstand Christoph Franz am Mittwoch in Berlin, im zweiten Halbjahr würden Aktionspreise auf bestimmten Strecken angeboten. Zudem sollten Kosten gesenkt werden, in dem man etwa auf der Strecke Köln-Rhein/Main die Züge zu bestimmten Zeiten verkürze. In den ersten beiden Monaten 2003 hätten die Passagierzahlen rund sieben Prozent unter Plan gelegen. Dies liege an den Billigfliegern, aber auch am Wetter und der noch zu geringen Akzeptanz des neuen Preissystems.

Die Bahn reagiert Franz zufolge damit auf die anhaltend schlechte Konjunktur in Deutschland, von der man sich auch keine schnelle Besserung verspreche. Für neue Angebote will die Bahn verstärkt mit Partnern aus der Reise- und Tourismusbranche kooperieren, aber auch die Neubau-Strecke Frankfurt-Köln stärker bewerben. Zudem soll die Pünktlichkeit verbessert werden.

Kreise: Bereits Ende 2002 Einbrüche bei Personenverkehr

In Firmenkreisen hieß es, schon in den letzten Monaten 2002 habe es im Personenverkehr einen Einbruch gegeben, der Anfang 2003 noch deutlicher ausgefallen sei. Einbrüche habe es etwa auf der Strecke Berlin-Köln gegeben. Köln ist für Billigflieger ein wichtiger Flughafen. Weitere Schwachstelle im Personenverkehr sei der neue Fahrplan, der nicht kundenfreundlich genug sei.

Nach Angaben aus den Kreisen könnten sich die geringen Passagierzahlen auf das Gesamtjahr hochgerechnet zu einem Verlust von 500 Millionen Euro im Personenverkehr summieren. Die Eisenbahnergewerkschaft GDBA warnte die Bahn davor, nur die Konjunktur für die Lage im Personenverkehr verantwortlich zu machen. Greife das neue Preissystem nicht, müsse es Änderungen geben. "So lange der Vorstand gegen die Kunden arbeitet, wird die Deutsche Bahn Verluste machen, weil ihr die Fahrgäste scharenweise davon laufen", hieß es. Bahn Mehdorn-Chef sagte indes, angesichts der Konjunktur laufe das Geschäft in den ersten beiden Monaten 2003 nicht schlecht. In den ersten beiden Monaten lag der Konzernumsatz den Angaben zufolge bereinigt etwa ein Prozent über dem Vorjahrswert.

Die Bahn hält trotz der aktuell schwierigen Lage an ihrer Mittelfristplanung bis 2007 fest. Diese sieht unter anderem vor, 2004 einen Gewinn von 400 Millionen Euro zu erwirtschaften. Die Mittelfristplanung war vor allem von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat als zu optimistisch kritisiert worden, weil sie unter anderem ein Wirtschaftswachstum für 2003 von zwei Prozent und in den Folgejahren von 2,5 Prozent voraussetzt. Die Bundesregierung rechnet 2003 nur mit einem Wachstum von einem Prozent. Für das Jahr 2005 strebt die Bahn einen Börsengang an.

Für 2002 nannte die Bahn am Mittwoch einen nach Zinsen auf 493 Millionen Euro gestiegenen Betriebsverlust, nach einem Minus von gut 200 Millionen Euro im Vorjahr. Durch Sanierungsmaßnahmen habe das Defizit aber nicht die ursprünglich erwarteten 550 Millionen Euro erreicht. 2004 soll nach bisherigen Planungen ein Betriebsgewinn von 400 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Der Umsatz stieg 2002 um 0,2 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro.

Im Personenverkehr sank die Verkehrsleistung 2002 den Angaben zufolge um 6,2 Prozent auf 69.848 Millionen Personenkilometer und im Güterverkehr um 2,9 Prozent auf 77 981 Tonnenkilometer. Dafür seieunter anderem auch das Hochwasser in Ostdeutschland verantwortlich.

Die Bahn bestätigte zudem, 51 Prozent der Immobilientochter Aurelis an ein Bankenkonsortium unter Führung der Westdeutschen Landesbank zu verkaufen. Einen Verkaufspreis nannte die Bahn nicht. Reuters hatte bereits vor einigen Tagen unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, die Bahn erhalte für den Anteil 2,26 Milliarden Euro, müsse Aurelis aber unter anderem ein zinsloses Darlehen von 500 Millionen Euro gewähren.

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