Archiv
Güttler: Wiederaufbau der Frauenkirche ist erreichte Einigkeit

Dresden (dpa) - Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist für Ludwig Güttler mehr als ein Symbol gelebter Einheit.

Dresden (dpa) - Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist für Ludwig Güttler mehr als ein Symbol gelebter Einheit.

«Er ist nicht nur die verwirklichte Einheit, sondern bereits erreichte Einigkeit», sagte der Präsident der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden in einem dpa-Gespräch. «Ich habe gehofft, dass es geschafft wird. Dass es so schnell geht, habe ich nicht zu hoffen gewagt», erinnerte er sich 15 Jahre nach dem «Ruf aus Dresden» der Bürgerinitiative. «Wir haben mit Null angefangen: null Hoffnung, null D-Mark, null Unterstützung.»

Sie hätten Menschen überzeugen und sie zu Mitstreitern machen müssen. «1990 waren ja 90 Prozent dagegen, unser Aufruf hat die Gesellschaft polarisiert und erst einmal gespalten.» Hoffnung auf ein Gelingen habe die erste weihnachtliche Vesper vor der Ruine 1991 mit zehntausenden Menschen genährt. «Da wusste ich, wer jetzt noch zweifelt, ist nicht zu überzeugen», sagte der Trompeter, der für die Idee seinen Lehrstuhl an der Musikhochschule und damit seine sichere Rente aufgegeben hat.

Mit jeder Erfolgsnachricht sei klarer geworden, dass der Wiederaufbau unumkehrbar sei. Das Projekt sei aus kleinen Stücken zu einem weltweit einmaligen Akt gewachsen, der lange nicht zu Ende sei. «Die wichtigste Aufgabe steht noch bevor», sagte er. «Ich weiß nicht, inwieweit alle begriffen haben, dass jede einzelne Spende als Verpflichtung im Sinne einer Botschaft geleistet wurde.» Güttler hat Sorge, dass der Wiederaufbau in wohlgefälliger Inbesitznahme gipfelt. «Ich fürchte, dass nur das Zählbare, Wägbare, Messbare registriert, die ursächlichen Aspekte weniger wahrgenommen, geschätzt und gepflegt werden.»

Viele glaubten, dass diese Spendenbereitschaft einer glücklichen Fügung, der Bedeutung Dresdens oder der Frauenkirche zuzuschreiben sei. «Es wäre schön, wenn Lehren daraus gezogen werden, dass man mit Unbeirrbarkeit, Sympathie und unter Zurückdrängung des Trennenden wirkliche Berge versetzen kann.» Brücken bauen und Versöhnung leben, wenn man davon überzeugen könnte, finde man auch Mitmacher. «Die christliche Botschaft ist nicht kaputt, weil es so viele Atheisten, sondern weil es zu viele Egoisten und zu wenig Christen gibt.»

Güttler sieht im Wiederaufbau der Frauenkirche unglaubliches Potenzial. «Das ist ein gesellschaftliches Modell, aus dem nicht nur die Kirche Motivation und Zuversicht schöpfen könnte.»

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%