Guido Westerwelle auf Reisen
Möchtegern-Außenminister entdeckt die weite Welt

Es war, wie er es nennt, seine erste "Lernreise", die Reise in die chinesische Hauptstadt. Vielleicht sollte FDP-Chef Guido Westerwelle lieber Testreise sagen - als Möchtegern-Außenminister. Schließlich macht sich die FDP für die nächsten Bundestagswahlen Hoffnungen auf Teilhabe an der Macht.

PEKING. Als die Bundesrepublik vor 35 Jahren diplomatische Beziehungen mit China aufnahm, hieß der deutsche Außenminister Walter Scheel. Der FDP-Politiker flog 1972 zur feierlichen Vertragsunterzeichnung ins noch wenig glitzernde Peking ein. Da war Guido Westerwelle ein zehnjähriger Schulbub. Und China war ebenso wenig sein Traumziel wie das deutsche Außenministerium.

Jetzt ist alles anders. Westerwelle führt die FDP an, und als deren Partei- und Fraktionschef war der 45-Jährige in die chinesische Hauptstadt gekommen. Vielleicht sollte er lieber Testreise sagen - als Möchtegern-Außenminister. Denn Westerwelle bekam ungewöhnlich hohe politische Ehrungen in Peking, unter anderem eine Audienz beim chinesischen Außenminister Yang Yiechi. Auftritt, Abgang, Händedruck - alles schon mal ein bisschen zur Probe?

Die Chinesen hätten das sicher nicht ohne Hintergedanken gemacht, sagt ein selbstbewusster Westerwelle danach: "Hier hält man es offenbar nicht für ausgeschlossen, dass ich noch mal in anderer Funktion kommen werde." Schließlich macht sich die FDP für die nächsten Bundestagswahlen Hoffnungen auf Teilhabe an der Macht. Das hat irgendwie auch die Führung in Peking mitbekommen. Hier möchte man auf Veränderungen in Berlin künftig besser vorbereitet sein. Zu tief sitzt offenbar der Merkel-Schock. Als die in China bis dahin völlig unbekannte CDU-Frau in Berlin das Ruder übernahm, brach in Peking Ratlosigkeit aus.

Obwohl man Zehnprozent-Parteien und Oppositionsreden in China weder kennt noch schätzt, wurde Westerwelle eingeladen. Und es ist sicher auch kein Zufall, dass die FDP-Delegation nur wenige Tage vor dem China-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel zu Gast war. Eine deutsch-chinesische Annäherung passt da gut ins Konzept. China und die FDP, das war bislang kein Friede, Freude, Eierkuchen. Nach dem Rauswurf der Friedrich-Naumann-Stiftung Mitte der neunziger Jahre aus der Volksrepublik waren die Beziehungen regelrecht zerstört. Damals hatte eine von der der FDP in Bonn organisierte Tibet-Konferenz mit dem Dalai Lama für den Eklat gesorgt.

Der Streit ist keineswegs beigelegt. Die FDP, die sich für freie Meinungsäußerung einsetzt, wetterte gerade noch gegen die Aufhebung des EU-Waffenembargos, gegen Arbeitslager und gegen deutsche Entwicklungshilfe für China. Allen voran Parteichef Westerwelle. Doch jetzt erlebt der FDP-Mann in Peking plötzlich eine "atmosphärische Aufhellung". "Wenn man eine Lösung will, geht dies nur im Gespräch", verkauft Westerwelle in China alte Weisheiten als frischen, neuen Kurs.

Die FDP gebe ihre kritischen Positionen zum kommunistischen China nicht auf, versichert Westerwelle. Irgendwie ahnt der Politprofi, dass der kommunistisch-liberale Schulterschluss ein waghalsiger Pakt werden kann. Bei allen Ehren für den Gast bleibt es dabei: Die Friedrich-Naumann-Stiftung darf nicht im Reich der Mitte aktiv werden. Das stehe "nicht in absehbarer Zeit" an, so Westerwelles nüchternes Reisefazit.

Er setze bei China künftig auf Tauwetter, wird Westerwelle fast schon philosophisch. "Man kann so ein Land wie China einfach nicht mehr ausblenden", erklärt der FDP-Chef seine Sicht der Weltpolitik Die große Außenpolitik ist noch fern. Aber 2009? Vielleicht kommt der FDP-Chef dann wieder nach Peking und trifft Chinas Außenminister zum Bruderkuss. Wie einst Walter Scheel.

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