Gujerat-Krise verstärkt die Unlust der indischen Anleger
Indiens Börsen spüren politischen Gegenwind

Indiens Wirtschaft und Börsen bleiben von den politischen Entwicklungen abhängig. Die Börsenindizes folgten seit Anfang März den Ausschlägen der politischen Krise. Dem raschen Fall nach Ausbruch der schweren Unruhen im zweitwichtigsten Industriestaat Gujerat folgte eine kurzfristige Erholung.

bi DELHI. Inzwischen hat sich der Sensex der Börse Bombay auf einem niedrigen Niveau bei knapp 3 400 Punkten stabilisiert. Die Gujerat-Krise fiel zeitlich mit der Haushalts-Diskussion zusammen. Der Budgetentwurf von Finanzminister Sinha, der eine weitere Rationalisierung des Steuersystems und bescheidene Kürzungen von Subventionen vorsah, wurde ebenfalls Opfer der politischen Umstände. Die Regierungspartei selbst zwang Sinha, eine Reihe von Maßnahmen rückgängig zu machen.

Am indischen Aktienmarkt litten darunter vor allem die Staatsunternehmen im Erdölbereich (HPCL, BPCL), der Grundstoffchemie (IPCL) und der Metallindustrie (Nalco). Die Titel hatten nach Ankündigung einer (Teil)-Privatisierung zugelegt. Anleger fürchteten jedoch eine Verschiebung des Fahrplans durch die Gujerat-Krise.

Gefragt waren auch Pharma- und Technologie-Werte. Letztere gaben aber markant nach als Infosys, Wipro und Satyam ihre Erfolgsprognosen im Durchschnitt von 30 auf 20 % senkten. Trotzdem sind die Analystenurteile recht positiv. HSBC und UBS Warburg empfehlen bei Infosys "aufstocken" bzw. "kaufen". Auch bei Wipro rät UBS zum Kauf; bei Satyam Computer lautet der Rat auf "halten".

Gegen den Trend der indischen Börsen stemmten sich Reliance Industries. Die Gesellschaft hatte vor zwei Monaten den Zusammenschluss mit Reliance Petroleum und damit zur umsatzstärksten Privatfirma Indiens angekündigt. HSBC Securities rät auch hier "aufstocken"; UBS Warburg würde "kaufen".

Die Unlust der Börsen wurde aber auch durch andere Industrieunternehmen geschürt, die die Erwartungen der Analysten mit ihren Quartalszahlen enttäuscht hatten. Allerdings verlieren die Börsen immer mehr ihre Fähigkeit als Gradmesser der wirtschaftlichen Entwicklung. Ein wachsendes Gewicht kommt auch in Indien dem Dienstleistungsbereich zu. Doch ist die Mehrzahl der Firmen nicht börsennotiert. Das Bild wird zudem durch eine Übergewichtung der Grundstoff- und verarbeitenden Industrien in den Börsenindizes verzerrt. Diese stehen noch immer in einem kostspieligen Anpassungsprozess an die Globalisierung.

Quelle: Handelsblatt

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