Gut versorgt ist halb gewonnen
Deutsche Nationalelf hat Heinzelmännchen im Gepäck

Es ist wie im Schlaraffenland, was die deutschen Spieler gerade in Portugal erleben. Jeder, aber auch jeder Wunsch wird ihnen von den Lippen abgelesen. Dabei ist es unerheblich, ob die Leistung auf dem Platz stimmt, die Rundumversorgung funktioniert. Verantwortlich dafür sind zum Beispiel der prominente Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, aber auch der hinter den Kulissen nicht müde werdende Flavio Battisti.

HB LISSABON . "Es ist schon wichtig, dass die Spieler sich ganz auf ihren Job konzentrieren können, gut Fußball zu spielen. Man kann sagen, sie leben auf hohem Niveau, aber man sollte ihnen doch die Nebensächlichkeiten abnehmen", beschrieb der 61-Jährige seine Aufgabe als "Mädchen für alles". Neben Battisti, der die rechte Hand von DFB-Direktor Bernd Pfaff ist, kümmern sich in erster Linie drei Ärzte, vier Physiotherapeuten, zwei Köche, vier Mann aus der Pressestelle sowie drei Service-Leute für Trikots, Bälle und Schuhe rund um die Uhr um die 23 deutschen EM- Kicker und den Trainerstab um Rudi Völler. "Jeder weiß genau, was er zu tun hat", sagte Organisations-Chef Pfaff und wies auf den besonderen Vorteil hin, dass das Team hinter dem Team schon seit Jahren praktisch in der gleichen Zusammensetzung arbeitet. "Man verliert dadurch keine Zeit mit langen Gesprächen und ermüdenden Sitzungen. Alles hat nur einem Zweck zu dienen, dass die sportliche Führung und die Spieler optimale Bedingungen antreffen."

So knetete der 69-jährige Adi Katzenmeier schon Ehrenspielführer Fritz Walter die Muskeln, und der ehemalige Profi Manfred Drexler stellte als adidas-Mann bereits Franz Beckenbauers Weltmeistern von 1990 die Fußballschuhe hin. Der gebürtige Italiener Battisti, im normalen Leben stellvertretender Geschäftsführer eines Unternehmens, opfert seit drei Jahrzehnten fast den gesamten Jahresurlaub, um bei Länderspielen und Turnieren für die Nationalspieler da zu sein. "Ich mache hier eine völlig andere Aufgabe als im Beruf", sagte Battisti über seinen Aktivurlaub: "Ich komme zurück mit einem freien Kopf."

Er bucht Fahrten und Flüge, kümmert sich sogar um die Spesenabrechnung der Spieler und weiß vor allem um die speziellen Wünsche und Vorlieben der Nationalkicker zum Beispiel bei der Zimmerbelegung. Oliver KAHN wolle "ein großes und helles Zimmer", befreundete Spieler möchten gerne Tür an Tür wohnen. Der Umgang mit den Millionären sei aber nichts Außergewöhnliches. "Die Spieler sind völlig normale Menschen, die die gleichen Probleme haben wie wir alle", meinte der Organisator, der auch Portugiesisch spricht. Schon einen Tag vor der Mannschaft flog er zum Vorrunden-Finale der DFB-Auswahl gegen Tschechien nach Lissabon, um im dort angemieteten Hotel mögliche unliebsame Überraschungen auszuschließen. "Kein Spieler darf neben dem Aufzug wohnen", bemerkte Battisti. Und wenn es doch etwas schlechtere Zimmer gibt, müssen dort die jüngeren Spieler logieren. Vor dem WM-Finale 2002 in Yokohama machte es Battisti sogar möglich, dass die Nationalelf in zwei höher gelegene Etagen umziehen konnte, um dem Lärm und dem tristen Ausblick auf Klimaanlagen zu entgehen.

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