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Gutachten: Deutsche Microsoft haftet für Schäden durch Virus

vwd KARLSRUHE. Microsoft Corp, Redmond, haftet für Schäden durch das Computervirus "I love you". Forderungen können an die deutsche Niederlassung des Softwareunternehmens gestellt werden. Zu diesem Ergebnis kommt nach einem Bericht der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Informationweek" ein Gutachten des Karlsruher Professors und Rechtsanwalts Michael Bartsch. Das Computervirus namens "I love you" hat weltweit Schäden angerichtet, deren Höhe auf mehrere Mrd $ geschätzt werden.

In Deutschland waren Tausende Anwender betroffen, unter anderem 260 Server beim Medienkonzern Bertelsmann AG, Gütersloh, aber auch Großunternehmen wie die Siemens AG, München, und die Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt. Bekannt wurden Störungen auch von der Nachrichtenagentur dpa, den Fernsehsendern ARD, DSF und Pro 7. Fünf Zeitungen erschienen nur als Notausgabe. Microsoft Deutschland könne für diese Schäden haftbar gemacht werden, sofern deutsche Anwender betroffen sind. Dies besagt ein Gutachten des Karlsruher Professors und Rechtsanwalts Michael Bartsch. Der Aufsatz Bartschs soll in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Computer und Recht" erscheinen.

Ein Rezensions-Exemplar des Aufsatzes liege "Informationweek" vor, hieß es am Montag. Gutachter Bartsch stützt seine Rechtsauffassung auf das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die BSI-Experten hatten Microsoft bereits mehrfach kritisiert, weil die Software dieses Herstellers als System nicht ausreichend sicher sei, mit unsicheren Grundeinstellungen ausgeliefert werde und ein Teil der Sicherheits-Einstellungen für den Benutzer verdeckt sei. Bartsch kommt anhand der BSI-Kritik an Microsoft zum Schluss, dass Produkte dieses Herstellers ein "hohes Defizit an Sicherheit" aufwiesen. Den Einwand Microsofts, die Benutzer hätten Virenschäden durch unvorsichtiges Verhalten selbst provoziert, lässt der Gutachter nicht gelten.

"Gewisse auf Sicherheit bedachte Institutionen" wie das Pentagon seien von der Virus-Attacke durch "I love you" getroffen worden. Dies sei ein Indiz für "deutliche Unterschreitung des Stands der Technik". Auf Grund der Produkthaftung des Händlers könne Microsoft in Deutschland auch nicht die Einrede geltend machen, es gebe keinen ausreichenden Einfluss der deutschen Niederlassung auf die Gestaltung des Produkts. Bartsch kommt vielmehr zum Ergebnis, dass ein Händler - als solcher sei Microsoft Deutschland anzusehen - die Pflicht habe, nur technisch einwandfreie Produkte in Verkehr zu bringen.

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