Gutachten kritisiert Telekom-Internetpreise
Regulierungsbehörde will Großhandelsflatrate prüfen

Im Streit zwischen der Deutschen Telekom AG und dem Online-Anbieter AOL um Pauschaltarife (Flatrates) für den schmalbandigen Internetzugang kritisiert ein aktuelles Gutachten den Preis der von der Telekom angebotenen Großhandelspauschale als zu hoch.

tnt FRANKFURT/M. Das von AOL in Auftrag gegebene Gutachten des Duisburger Universitätsprofessors Torsten Gerpott untersucht dabei die Kosten, die der Telekom bei der Bereitstellung eines Internetzugangs ohne zeitliche Begrenzung und einer Bandbreite von 64 Kbit/s entstehen.

Die Telekom verlangt von Wiederverkäufern wie AOL für 30 solcher Zugänge einen Pauschalpreis von 4 800 DM pro Monat. Dieser Preis ist laut dem Duisburger Gutachten mehr als doppelt so hoch wie die Kosten, die der Telekom bei der Bereitstellung entstehen. Laut Telekommunikationsgesetz ist die Telekom jedoch verpflichtet, sich bei den Preisen für Vorleistungen an den Kosten der "effizienten Leistungserstellung" zu orientieren. Das Gutachten unterstellt, dass sich Telekom und Internet-Provider das Auslastungsrisiko für die Internetzugänge je zur Hälfte teilen.

"Das Gutachten belegt, dass die Telekom bei der Großhandelspauschale mit kräftigen Gewinnen arbeitet", sagt AOL-Sprecher Jens Nordlohne. Daher habe man bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation (RegTP) beantragt, die Höhe der Großhandelspauschale zu überprüfen. Die RegTP bestätigte den Erhalt des Gutachtens, das heute den RegTP-Experten präsentiert wird: "Wir werden die Studie prüfen und gegebenenfalls fließen die Ergebnisse in ein Prüfungsverfahren ein", sagte ein RegTP-Sprecher.

Ein Sprecher der Telekom kündigte an, dass das Unternehmen keine Preissenkung bei der Großhandelsflatrate in Betracht zieht. Zum einen sei das Angebot bis zur endgültigen gerichtlichen Klärung des Streits freiwillig. "Zum anderen sind die in dem Gutachten angenommen Größen über den Internetverkehr unrealistisch", kritisierte ein Telekom-Sprecher. Im Zeitraum 2000 bis Ende 2001 investiere die Telekom 6 Mrd. DM, um größere Kapazitäten für den Datenverkehr zu schaffen. Rund 2,2 Mrd. DM fließen in den Ausbau des schmalbandigen Telefon-Netzes, in dem AOL eine Flatrate als kostengünstige Alternative zu den Hochgeschwindigkeits- DSL-Zugängen anbieten will. Höhere Investitionen müssten durch langfristige Verträge mit den Providern gerechtfertigt werden. Doch in diesem Punkt halte sich AOL merkwürdigerweise zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%