Gutachten sollen Mobilcom-Gründer entlasten
Schmid erwartet bei Mobilcom keine Insolvenz

Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat sich zuversichtlich geäußert, dass der von ihm gegründete Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern den Streit zwischen ihm und der France Telecom finanziell überstehen wird.

Reuters HAMBURG. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine Insolvenz geben wird", sagte Schmid, der sich um eine Ausbezahlung seiner Firmenanteile durch France Telecom bemüht. Zugleich warf er der mit 28,5 % an Mobilcom beteiligten France Telecom am Donnerstag in Hamburg vor, den Konflikt mit ihm zugespitzt zu haben, um sich möglichst unbeschadet aus der Beteiligung zurückziehen zu können. Entsprechende Pläne von France-Telecom-Chef Michel Bon seien offenbar durch den mehrheitlich an dem Unternehmen beteiligten französischen Staat gestoppt worden. Unterdessen erhielten in Frankreich Spekulationen weitere Nahrung, Bon könne als Vorstandschef von France Telecom abgelöst werden. Der Mobilcom-Vorstand legte den 17. Oktober als Termin für eine von Großaktionärin Millennium beantragte Hauptversammlung fest.

Schmid, der zusammen mit seiner Ehefrau über die Millennium GmbH direkt und indirekt knapp die Hälfte der Mobilcom-Anteile hält, warf dem Mobilcom-Vorstand vor, sich von France Telecom in dem Streit instrumentalisieren zu lassen. Der frühere Finanzvorstand, Thorsten Grenz, der Mobilcom seit Schmids Abberufung Mitte Juni führt, sei bereits früh über ein Aktienoptionsprogramm informiert worden, mit dem nun eine Schadensersatzklage gegen ihn begründet werde, sagte Schmid. Schmid legte Journalisten Auszüge mehrerer Gutachten von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vor, die zu dem Ergebnis kommen, dass dieses Aktiengeschäft rechtmäßig sei.

Mobilcom hatte die Millennium GmbH Ende August verklagt, um die Rückzahlung von knapp 71 Mill. Euro im Zusammenhang mit dem umstrittenen Aktienoptionsprogramm zu erzwingen. Begründet wurde die Klage damit, dass die von Schmids Ehefrau kontrollierte Firma ebenso wie Gerhard Schmid bei dem Aktienoptionsplan gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen habe. Es bestehe der Verdacht, dass sich die Firma unberechtigt bereichert habe. Schmid hatte mit der Millennium GmbH vereinbart, dass die Firma gegen eine Prämie Aktien aus ihrem Besitz an Mobilfunkhändler liefern sollte, die mit den Mobilcom-Papieren für erfolgreiche Vermarktung belohnt werden sollten. Der Forderung des Mobilcom-Aufsichtsrats nach Rückabwicklung des Geschäfts kam die Firma von Schmid den Angaben bislang nicht nach.

Ein Vorwurf in der Auseinandersetzung über das Optionsgeschäft war, Schmid habe Finanzvorstand Grenz nicht ausreichend in die Transaktion eingebunden. Dem hielt der Ex-Vorstand entgegen, Grenz sei im Juni 2001 und damit knapp sechs Monate vor Abschluss des Optionsvertrages informiert worden. Im August 2001 habe sich zudem der Aufsichtsrat mit dem Thema befasst.

Schadensersatzforderung gegen Schmitz

Der Mobilcom-Vorstand erweiterte derweil die Tagesordnung der außerordentlichen Aktionärsversammlung um einen Tagesordnungspunkt, an dem über die Schadensersatzforderung gegen Schmid diskutiert werden soll.

In französischen Medien kursierten unterdessen Spekulationen, die Regierung könne die Geduld mit der nach einem scharfen Expansionskurs hoch verschuldeten France Telecom verlieren und deren Vorstandschef Bon ablösen. Der Verwaltungsrat will am 12. September über die Zukunft seiner mit hohem Abschreibungsbedarf verbundenen Beteiligung an Mobilcom entscheiden.

Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Unterstützung von France Telecom für 8,4 Mrd. Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Zum Streit zwischen den beiden Partnern kam es wegen des von Schmid angestrebten hohen Investitionstempos beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks, bei dem sich der damaligen MobilCom-Chef auf Finanzierungszusagen von France Telecom von weiteren zehn Mrd. Euro berief. Im Juni 2002 kündigte France Telecom das Kooperationsabkommen und setzte kurze Zeit später im Mobilcom-Aufsichtsrat Schmids Abberufung durch. Seitdem versorgt France Telecom die mit über sechs Mrd. Euro verschuldete Mobilcom mit Liquidität, schließt aber auch eine Insolvenz weiterhin nicht aus.

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