Gutachter Immenga kritisiert Monopolkommission
BP will sich von Ruhrgas auf jeden Fall trennen

Der britische Mineralölkonzern BP will sich offenbar unabhängig vom Ausgang des Genehmigungsverfahrens für die Ruhrgas-Übernahme durch Eon von seinem Ruhrgas-Anteil trennen. Aus dem Umfeld der BP ist zu hören, dass das 25-prozentige Anteilspaket an Deutschlands größter Ferngasgesellschaft in jedem Fall verkauft werden soll.

jsn/juf DÜSSELDORF. Die Beteiligungsholding Gelsenberg AG, die BP 1978 von der Eon-Vorgängerin Veba erworben hatte und die den Ruhrgas-Anteil hält, habe sich als reine Finanzbeteiligung ohne unternehmerische Durchgriffsmöglichkeiten erwiesen, hieß es. Da Gelsenberg als Firma verkauft werde, bestehe kein Vorkaufsrecht der übrigen Ruhrgas-Aktionäre, betonten unternehmensnahe Kreise von BP und ihrer Tochter Veba Oel in Gelsenkirchen gegenüber dem Handelsblatt. Wer am meisten biete, komme zum Zug.

BP hatte im vergangenen Jahr von Eon die Mehrheit an Veba Oel und deren Tankstellentochter Aral übernommen und im Gegenzug ihre Anteile an der Gelsenberg AG inklusive Ruhrgas-Paket abgegeben. Die von Eon angestrebte Ruhrgas-Übernahme steht aber inzwischen auf der Kippe. Nach dem Bundeskartellamt hat sich in der vergangenen Woche auch die Mehrheit der vierköpfigen Monopolkommission gegen die Fusion ausgesprochen - und zwar unerwartet scharf. Mitte Juli wird Staatssekretär Alfred Tacke in Vertretung von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller über die von Eon gewünschte Ministererlaubnis befinden. Morgen will sich Tacke die Argumente der Gegner und Befürworter der Fusion in Berlin nochmals anhören.

Der BP-Konzern geht nach jüngsten Aussagen aber noch immer von einem positiven Votum aus Berlin aus. Auch der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Ulrich Immenga, der im Auftrag von BP im Vorfeld ein Gutachten erstellt hatte, sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Der Minister muss seine Entscheidung auf Grund der von ihm selbst gewonnen Einschätzung treffen. Ihm verbleibt ein weiter Entscheidungsspielraum". Die Schärfe mit der die Monopolkommission die Fusion zurückweise, werde der Problemlage nicht gerecht. Immenga kritisierte, dass die Monopolkommission mögliche Auflagen, die eine Genehmigung ermöglichen würden, "ohne umfassende Prüfung und Begründung" abgelehnt habe.

Den Vorwurf der Monopolkommission, durch die Übernahme werde der Absatzmarkt gegen Konkurrenten der Ruhrgas abgeschottet, weil Eon an Stadtwerken und Regionalversorgern beteiligt sei, hält Immenga für "nicht überzeugend". So habe die Kommission in ihrer Argumentation mögliche neue Wettbewerber "praktisch nicht berücksichtigt". Dabei habe beispielsweise BP mehrfach angekündigt, nach Verkauf des Ruhrgas-Anteils, in Deutschland als Gasversorger aktiv zu werden.

Auch der Präsident des Münchner Ifo-Institutes, Professor Hans-Werner Sinn, der für Eon ein Gutachten zu den Auswirkungen der Ruhrgas-Übernahme angefertigt hat, kritisierte im Gespräch mit dem Handelsblatt die strikte Haltung der Monopolkommission: "Bei der Gewichtung von Wettbewerbshandicaps geht mir die Mehrheit der Monopolkommission allzu weit; dies sieht fast schon nach Willkür aus."

Quelle: Handelsblatt

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