Gute Anlagechancen
Strategen schwärmen von Russland

Die Wirtschaft scheint zu genesen, die Aktien sind extrem billig: Das reizt Portfolioexperten an Engagements im Lande Putins. Griffin Capital Partners und die Raiffeisen-Anlagegesellschaft setzen unter anderem auf die Titel von MTS, Norilsk Nickel, Surgutneftegaz und Lukoil.

HB FRANKFURT/M. In Osteuropa bietet der russische Aktienmarkt die besten Anlagechancen, zumindest nach Meinung von Jürgen Kirsch. Der von ihm gemanagte Griffin/Partners Eastern European Fund kann sich gut halten. Das Produkt liegt dank eines moderaten Zwölfmonats-Wertverlustes von 15,93 % noch auf Rang vier unter 49 Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Mittel- und Osteuropa.

Satte 34 % des Fondsvermögens sind laut Kirsch in Russland investiert. Auf Polen und Ungarn entfielen jeweils weitere 20 % der Gelder. In tschechischen Unternehmen steckten 4 % der Mittel. "Russland ist derzeit der attraktivste Markt unter allen Schwellenländern. Ich habe dort dramatische makroökonomische und politische Verbesserungen gesehen", begründet Kirsch von der Londoner Griffin Capital Management sein starkes Engagement. So seien beispielsweise die Währungsreserven des Landes binnen zwei Jahren von 8 Mrd. $ auf 32 Mrd. $ gestiegen. Der Leistungsbilanzüberschuss liege mittlerweile bei 20 % und das Land weise einen Haushaltsüberschuss aus. Zusätzlich sei bei der Inflation von immer noch rund 20 % eine fallende Tendenz auszumachen.

Aussicht auf sinkende Zinsen in Polen

Demgegenüber halte sich die Geldentwertung in Ungarn hartnäckig bei über 10 %. Das liege in der traditionell expansiven Geldpolitik der ungarischen Notenbank begründet, die sich einen Realzins von nahezu 0 % leiste. "Zinssenkungspotenzial gibt es kaum. Deshalb muss man auf die Entwicklung Ungarns immer ein wachsames Auge haben", so Kirsch. In Polen hielten ihn noch die nominalen Zinssätze von 16 bis 17 % (real 11 %) von einem stärkeren Engagement ab: "Ich glaube aber, dass es in Polen ein ausgeprägtes Zinssenkungspotenzial von mindestens drei bis 5 Prozentpunkten in den nächsten sechs bis neun Monaten gibt."

Zu seinen russischen Favoriten zähle der Mobilfunkbetreiber MTS, mit über 9% Anteil am Fondsvermögen größtes Investment. Der Marktanteil des Unternehmens in Moskau und dem Umland der Hauptstadt liege bei gut 50 %. Im ersten Quartal 2001 habe MTS seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60% gesteigert. Zusätzlich verfüge das Unternehmen über genügend Cash und Cash-flow für eine extrem aggressive Expansion. Mit einem Anteil von mehr als 7% rangiere die ebenfalls russische Norilsk Nickel an zweiter Stelle unter Kirschs größten Positionen. "Der weltweit größte Nickelproduzent hat deutlich von der Rubelabwertung und den hohen Rohstoffpreisen profitiert", begründet Kirsch. Der Raiffeisen-Osteuropa-Aktien hält sich mit einem Verlust von 17,67 % bzw. einem siebten Platz im Konkurrenzvergleich ebenfalls gut. Laut Fondsmanager Martin Hrdina von der Raiffeisen KAG Austria sind knapp 30 % des Vermögens in Russland investiert, 27 % in Polen, 17 % in Ungarn sowie 15 % in der tschechischen Republik.

Als Gründe für die kürzliche weitere Aufstockung der Russland-Position nennt auch Hrdina starke Signale für eine Genesung der Wirtschaft. So legten sich ertragsstarke russische Unternehmen wie die Ölkonzerne Surgutneftegaz oder Lukoil in erheblichem Umfang Vermögen im Ausland zu. Ganz oben auf der Einkaufsliste stünden osteuropäische Firmen aus der chemischen und petrochemischen Industrie. Dazu kämen die extrem niedrigen Bewertungen russischer Aktien: "Ölwerte kann ich zu einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von zwei bekommen." Surgutneftegaz sei mit über 7 % Anteil am Fondsvolumen die Top-Position im Portfolio.

Komercni Banka zählt zu den Favoriten

Aktuell gefallen Hrdina, der auch den UniEM Osteuropa Fonds der Frankfurter Union Investment verantwortet (Platz zehn), tschechische Finanzwerte besonders. Hier sei er aktuell mit über 10% engagiert. Momentaner Favorit ist dabei die zur Privatisierung anstehende Komercni Banka, aktuell drittstärkste Position im Portfolio. "Um die Bank bemühen sich mit Unicredito, der HypoVereinsbank, der Société Générale und BNP vier seriöse Bieter", weiß Hrdina. Nach gezielt gestreuten Gerüchten liege das bislang höchste Gebot für die derzeit mit rund 1 100 tschechischen Kronen pro Aktie gehandelte Bank bei immerhin 1 750 tschechischen Kronen pro Anteilsschein.



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