Gute Aussichten für Biotechwerte
Aussichten für Neuen Markt 2001 optimistisch

Nachdem das Wachstumswertesegment der Frankfurter Wertpapierbörse das sicherlich turbulenteste Jahr seiner Geschichte hinter sich gelassen hat, sollen den Experten zufolge fallende Ölpreise, sinkende Zinsen und angestautes, auf Anlagemöglichkeit wartendes Kapital die Kurse im kommenden Jahr wieder beflügeln.

Reuters FRANKFURT. Außerdem sei damit zu rechnen, dass das durch eine Reihe von Negativschlagzeilen erschütterte Vertrauen privater wie institutioneller Investoren durch das von der Börse in Aussicht gestellte erweiterte Regelwerk für den Neuen Markt wieder hergestellt werden könne, hieß es.

Angeführt von den Biotechwerten sollen steigende Aktienkurse den alle Werte des Börsensegments umfassenden Nemax-All-Share- Index 2001 auf bis zu 5 000 Punkte nahezu verdoppeln. Damit läge das Börsenbarometer noch 41 % unter seinem Höchststand vom März 2000. Am Donnerstagvormittag stand der Index bei 2 636 Punkten, nachdem die Handelstage vor Weihnachten nocheinmal Verluste in Höhe von rund 300 Indexpunkten beschert hatten.



Rückblick auf das Jahr 2000

Das Jahr 2000 war für den Neuen Markt ein Jahr der Extreme. Einer vor allem von Internetaktien getragen Euphorie mit einem Jahreshöchstand des Nemax-All-Share von 8 546 Punkten im März folgte ein sich etappenweise vollziehender Absturz um deutlich mehr als 60 % bis Dezember.

Die Begeisterung für die Internetfirmen hatte ein Ende gefunden, als der britische Designermoden-Händler Boo.com im Mai in Konkurs ging. Boo.com war mit großen Aufwand 1999 unter anderem mit Unterstützung von Goldman Sachs, J.P. Morgan, LVMH eingeführt worden. Die Internetseite hatte 18 Länder in ihren jeweiligen Landessprachen betreut und wurde von Bain & Co in die Liste der Top 25 E-commerce-Unternehmen in Großbritannien aufgenommen. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs von Boo.com sagte Merrill-Lynch-Analyst Peter Bradshaw "Die Zeiten, in denen zweifelhafte Geschäftsideen gefördert werden, sind vorbei. Es werden noch mehr dieser Unternehmen scheitern."



Liquiditätsschwierigkeiten am Neuen Markt

In der zweiten Jahreshälfte gerieten dann auch erstmals zwei Unternehmen des Neuen Marktes in Zahlungsschwierigkeiten. Zunächst leitete das von dem ehemaligen Schlagersänger Daniel David gegründete Telekom - und Internetunternehmen Gigabell AG ein Insolvenzverfahren ein. Kurz darauf vermeldete die Paderborner teamwork AG Liquiditätsprobleme.

Gegen Ende des Jahres erlitt dann der ehemalige Anlegerliebling EM.TV infolge von Engpässen bei der Liquidität und Fehlbuchungen einen deutlichen Kurseinbruch auf ein 21-stel des Jahreshochs von 120,00 Euro. Belastet wurde der Neue Markt auch durch die Verhaftung von zwei Infomatec-Managern wegen Verdachts auf Insiderhandel.



Mittelzufluss für den Neuen Markt erwartet

Nach dem Ausverkauf bei den EM.TV-Aktien ist der Neue Markt nun nach Analysteneinschätzung aus dem Gröbsten heraus. "Der Neue Markt ist nicht tot, wenngleich eine gehörige Portion Realismus Einzug gehalten hat", sagte Guiseppe Amato, Analyst bei Lang & Schwarz. Die Mutigen fingen bereits teilweise an, Bestände aufzubauen. Fondsmanager, die auch in der Korrektur immer wieder auf weitere Mittelzuflüssen für ihre Neuen Markt-Fonds verwiesen hatten, erwarten spätestens für den Jahresanfang mit einem Zufluss von Kapital am Wachstumssegment.

Vor allem im Janaur werde die Liquidität in den Markt zurückkommen, sagte Andre Köttner, Fondsmanager bei Union Investment. Sein Haus erwartet für Ende 2001 einen Indexstand des Nemax-All-Share von 5 000 Punkten. Allerdings sei es wahrscheinlich, dass im kommenden Jahr rund zwei Dutzend Neuer-Markt-Werte vom Börsenzettel verschwänden.



Gute Kursaussichten für Biotechwerte

Die besten Kursaussichten räumen weitere Analysten den Biotechwerten ein. Internet-Aktien würden bestenfalls im Trend zum Gesamtmarkt entwickeln, hieß es. Rüdiger Ginsberg, Geschäftsführer von Union Investment, geht nach eigenen Worten davon aus, dass Internet-Portale ohne Markennamen, Internet-Servider-Provider und kleine Telekomgesellschaften wegen der hoher Marketingaufwendungen in der Existenz bedroht sein werden.

Die Analysten der BHF-Bank erwarten unter anderem aufgrund sinkender Ölpreise und einer sich abzeichnenden lockeren Zinspolitik der Notenbanken steigende Aktiennotierungen. Das angeschlagene Vertrauen der Investoren werde durch die angekündigte Verschärfung des Regelwerkes am Neuen Markt wieder steigen. Die Bank erwartet bis Ende 2001 einen Indexstand von 4 000 bis 4 500 Punkte beim Nemax.



Verschärftes Regelwerk der Deutschen Börse

Die Deutsche Börse AG will das Regelwerk für den Neuen Markt erweitern. Ab dem 1. März unterliegen am Neuen Markt notierte Unternehmen sowie ihr Vorstand und Aufsichtsrat beim Kauf und Verkauf von Unternehmensanteilen einer Meldepflicht. Darüber hinaus sollen ab Januar die Quartalsberichte umfangreicher und weiter standardisiert werden.

Neue Regeln für den Neuen Markt waren überfällig

Während Analysten sich positiv über die erweiterten Regeln äußerten, forderte die Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (SdK), dass auch Großaktionäre in die Offenlegungspflicht mit einbezogen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%