Gute Beziehungen zum Weißen Haus helfen
USA teilen Irak-Kuchen auf

Mit der Vergabe des ersten großen Auftrags zum Wiederaufbau des Irak an den kalifornischen Bauriesen Bechtel hat die Regierung von Präsident George W. Bush ein Signal gesetzt: Am Wiederaufbau sollen vor allem amerikanische Firmen verdienen - und gute Kontakte zum Weißen Haus sind dabei hilfreich.

HB/dpa WASHINGTON. Ein Kommentator der Washington Post fasste die Entscheidung mit den Worten zusammen: "Die Einstellung scheint zu sein: Hey, wir haben für die Zerstörung gezahlt (...), deshalb sollten wir es auch sein, die daran Geld verdienen."

Allerdings ist selbst in den USA die Art umstritten, wie die Aufträge an amerikanische Firmen vergeben wurden. So kritisierten die Demokraten, dass bei dem Schnellverfahren nur ein paar auserwählte Firmen zugelassen waren. Neben Bechtel durften sich nur fünf andere große Konzerne an dem auf insgesamt knapp 700 Millionen Dollar geschätzten Großauftrag beteiligen. Gemeinsam ist allen sechs Bewerbern, dass sie zu den großen Parteispendern gehören. So gab allein Bechtel in den vergangenen vier Jahren 1,3 Millionen Dollar, wobei der Großteil an die regierenden Republikaner floss.

Bechtel hat beste Kontakte zum Weißen Haus

Daneben kann Bechtel seit Jahren auf beste Kontakte zum Weißen Haus verweisen. Zu den Beratern oder Direktoren gehörten etwa Ronald Reagans Außenminister George Shultz und dessen Ex-Pentagon-Kollege Caspar Weinberger. Auch der jetzige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld versuchte sich bereits 1983 um Bechtel verdient zu machen. Als Nahost-Gesandter setzte er sich damals bei einem persönlichen Treffen mit Saddam Hussein nebenbei für den Bau einer Ölpipeline zu dem jordanischen Hafen Akaba durch Bechtel ein.

Die "New York Times" kritisierte, die Schnellauswahl, bei der nur amerikanische Firmen zugelassen wurden, und die Vergabe des Auftrags an eine derart mit dem Weißen Haus verbandelte Firma, mache im Ausland einen schlechten Eindruck. Dadurch würden die Kritiker bestätigt, die immer erklärt hatten, die USA führten den Krieg nur wegen des Öls und aus Geschäftsgründen.

Proteste des Auslands, dass die USA den Kuchen nur unter amerikanischen Firmen aufteilen, lassen das Weiße Haus bisher kalt. Mitarbeiter der Regierung verweisen darauf, dass es wichtig sei, die im Endeffekt auf mindestens 25 Milliarden Dollar geschätzten Aufträge an US-Firmen zu vergeben, um dem irakischen Volk zu veranschaulichen, dass die amerikanischen Befreier dem Land Wohlstand bringen. Allerdings bleibe es den US-Konzernen überlassen, Unteraufträge an ausländische Firmen zu vergeben.

Für das Ausland und die Vereinten Nationen bleiben aus der Sicht von Präsident Bush genügend andere Aufgaben übrig. So könnten UN - Organisationen die Nahrungsmittel- und Medikamentenverteilung übernehmen. Mehr würde die Regierung in Washington der UN am liebsten auch nicht überlassen. "Wir sehen eigentlich keinen Grund für eine UN-Operation", zitierte die Presse einen Mitarbeiter des Weißen Hauses. Der "New York Times" sagte ein Regierungsvertreter klar: "Wir sind vor Ort, und wir schaffen vor Ort die Fakten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%