Gute Chancen für Reality-Sendungen
Endemol setzt weiter auf Quizshows

Die Terroranschläge in den USA haben aus Sicht von Endemol die TV-Unterhaltungswelt kaum verändert. John de Mol, Chef der Produktionsgesellschaft, sieht keine Konsequenzen für Quiz-, Spiel- und Reality-Shows. Das neue deutsche Urheberrecht bezeichnet er aber als Katastrophe für den TV-Produktionsmarkt.

HB HILVERSUM. Beim Unterhaltungsfernsehproduzenten Endemol stehen auch nach den Terroranschlägen in den USA Quiz- und Reality-Shows ganz oben auf der Erfolgsliste. Von Nachdenklichkeit keine Spur: "Die Menschen wollen sich zerstreuen", beteuert der Erfinder der Container-Show "Big Brother", John de Mol, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der Chef einer der größten europäischen Fernsehproduktionsgesellschaften mit 27 Tochterfirmen, der Endemol BV im niederländischen Hilversum, die zum spanischen Telekommunikationskonzern Telefonica gehört, hat lediglich mit einer einzigen Action-Show in den USA Probleme bekommen: Dort können Teile der Show "Fear Factor" aus Pietätsgründen bei NBC nicht mehr gesendet werden. Sein "Bauchgefühl" für den europäischen Fernsehmarkt sagt de Mol unverändert gute Chancen für Quiz-Shows à la "Wer wird Millionär?" und weiterentwickelte "Big Brother"-Formate voraus. "Ich glaube, dass die Vermischung Realität und Fiktion besonders gut ankommen kann", sagt der 46-Jährige. Auf der vor wenigen Tagen beendeten Fernsehmesse Mipcom in Cannes war Endemol daher auch mit der neuen Show "Blind Faith" - blindes Vertrauen - vertreten: Liebespaare sollen über Wochen in einem Hotel an der portugiesischen Algarve mit zum Teil erfundenen Handlungen auf ihr gegenseitiges Vertrauen geprüft werden. In Europa läuft die Show jetzt in den Niederlanden, Spanien und Portugal an. Holland sei ein idealer Testmarkt für neue Ideen, denn "hier ist man sehr international und offen eingestellt", schwärmt der Niederländer.

Bauchlandung mit "Big Diet"

In Deutschland hatte Endemol zuletzt mit der Abspeck-Show "Big Diet" auf RTL 2 eine Bauchlandung hingelegt: "Das hat in erster Linie etwas mit zu viel Reality in zu wenig Zeit zu tun", gibt de Mol zu. Drei Staffeln von "Big Brother" wurden in Deutschland binnen nur eines Jahres gesendet: "Wenn man zurückschaut, wäre es besser gewesen, wenn wir nur eine Staffel pro Jahr gebracht hätten." Obwohl de Mol fürchtet, dann durch nachgeahmte Shows aus dem Markt gedrängt zu werden. "In Deutschland wird schneller und mehr kopiert als in allen anderen Ländern", klagt der Endemol-Chef.

Ohnehin könnte sich der deutsche Markt für die Produktionsfirma in ein kostspieliges Abenteuer verwandeln, wenn das geplante neue Urheberrecht in Kraft treten sollte. Demnach sollen dann auch Kreative, die an der Produktion einer erfolgreichen Fernsehshow beteiligt waren, später Zweitvergütungen fordern können. "Ich denke, dass man damit (mit dem neuen Urheberrecht) die Industrie endgültig umbringt", mahnt de Mol. Firmen wie Endemol seien dann nicht mehr in der Lage, so viel zu produzieren wie bisher, wenn deutsche Kreative an der Entwicklung beteiligt seien. Auch würden dann Grafiken und Musik für eine neue Show, die in Deutschland gesendet werden soll, nicht mehr in Deutschland entwickelt. Noch erwirtschaftet Endemol rund ein Zehntel seines Umsatzes mit der deutschen Tochtergesellschaft.

Im ersten Halbjahr diesen Jahres setzte die Endemol-Gruppe nach Angaben von Telefònica 450,3 Mill. Euro um - das ist ein Plus im Vergleich zum ersten Halbjahr 2000 von 73,4 %. Obwohl Endemol Deutschland neben Spanien und Italien als stärkster Ertragsbringer gilt, soll der deutsche Umsatz-Anteil nach Ansicht des Geschäftsführers sinken, wenn die Endemol-Holding in den kommenden zwei Jahren ihre Beteiligungen von 27 auf 30 Länder ausweiten kann.

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