Gute Gelegenheit für Daimler-Chrysler
Eiertanz um die Konsolidierung von Mitsubishi Motors

Die Krise beim künftigen Partner Mitsubishi Motors könnte sich für Daimler-Chrysler als Chance erweisen. Der Stuttgarter Konzern kann voraussichtlich - trotz des Minderheitsanteils - stärker mitreden. Die Analysten begrüßen, dass Daimler-Chrysler diese Gelegenheit nutzt.

ajo/weg STUTTGART. Der sich abzeichnende stärkere Einfluss des Stuttgarter Autokonzerns Daimler-Chrysler AG beim japanischen Hersteller Mitsubishi Motors Company (MMC) wird am Kapitalmarkt grundsätzlich als Chance gesehen. Doch der Weg zur Sanierung des japanischen Autobauers, der rote Zahlen schreibt und hochverschuldet ist, bleibt steinig. Diese Meinung vertraten bei einer Umfrage die meisten Bankanalysten gegenüber dem Handelsblatt.

Die beiden Unternehmen wollen heute über die neu ausgehandelte künftige Zusammenarbeit berichten. Mitsubishi kündigte eine Pressekonferenz für 16 Uhr Tokioter Zeit an. Nach bisher unbestätigten Informationen stockt Daimler-Chrysler seinen ursprünglich angestrebten Anteil von 34 % an MMC um einige Prozentpunkte auf und stellt den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, den sogenannten "Chief Operating Officer". Auslöser für die Neuverhandlung war der Skandal um Mängel an Mitsubishi-Fahrzeugen, die über Jahrzehnte vertuscht wurden.

Die Analysten rechnen nicht mit einer größeren Reaktion der Daimler-Chrysler-Aktie, wenn sich diese Informationen bestätigen. Als "salomonische Lösung" bezeichnete Jürgen Pieper die Aufstockung des Anteils um wenige Prozentpunkte zum Nulltarif. Damit sei die japanische Seite trotz des Kursverfalls der Mitsubishi Motors-Aktie nicht zu einem Preiszugeständnis gezwungen. Das ursprüngliche Paket von 34 % sollte 2,1 Mrd. Euro kosten. Auch Albrecht Denninghoff von der Bankgesellschaft Berlin sieht darin einen "versteckten Rabatt."

Die geringfügige Aufstockung des Anteils und die Schaffung der neuartigen Position des Chief Operating Officers nennt Hans Schollbach vom Bankhaus Sal. Oppenheim "einen Eiertanz". Daimler-Chrysler wolle zwar mehr Einfluss gewinnen, aber unter allen Umständen aus Angst um den Aktienkurs die Einbeziehung des Schuldenbergs von MMC von rund 18 Mrd. Euro in die eigene Bilanz vermeiden. Nach Einschätzung der Analysten hätte der Kapitalmarkt einen Rückzug von Daimler-Chrysler ebenfalls negativ gesehen.

Der tatsächliche Einfluss hängt unter anderem für Erik Burgold von der BHF-Bank nicht von ein paar Prozentpunkten mehr oder weniger ab. Entscheidend sei, wie die Position des Chief Operating Officers ausgestaltet werde. Ausschlaggebend ist für ihn zudem, ob es tatsächlich gelingt, MMC aus seinen bisherigen Zulieferstrukturen zu lösen, die er für "suboptimal" hält.

Die neue Konstellation ist für Hans Schollbach vom Bankhaus Sal. Oppenheim allerdings nur eine "Zwischenlösung", weil Daimler-Chrysler nicht eindeutig das Heft in die Hand nehme. Für Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank ist Daimler-Chrysler von der Entwicklung bei Mitsubishi überrascht worden. Das spreche nicht gerade für "ein glückliches Händchen" bei der Beteiligungspolitik.

An der Einschätzung der Asien-Strategie des Daimler-Chrysler-Konzerns ändert sich für die Analysten durch das stärkere Engagement bei Mitsubishi nichts. Wenn man auf allen wichtigen Automobilmärkten präsent sein wolle, müsse man ein Standbein in Asien haben, ist die einhellige Einschätzung. Asien sei der Wachstumsmarkt der Zukunft. Insofern sei das Engagement bei Mitsubishi und auch die 10 %-Beteiligung an dem koreanischen Hersteller Hyundai und dem angestrebten Joint Venture auf der Nutzfahrzeugseite konsequent. So verweist Frank Biller von der Baden Bank-Württembergischen auf die Erfahrung von MMC und Hyundai bei Kleinwagen, von der Daimler-Chrysler profitieren könne. Bereits derzeit wird unter dem Kürzel "Z-Car" an einem gemeinsamen Kleinwagen-Projekt gearbeitet.

Allerdings gilt MMC nicht als erste Wahl. "Honda wäre schöner gewesen", erklärte Denninghoff von der Bankgesellschaft Berlin. Weiterer Wermutstropfen beim MMC-Deal: Die Nutzfahrzeugsparte hat sich mit dem schwedischen Lastwagenhersteller Volvo verbandelt.

Nach Meinung von Analysten wird Daimler-Chrysler dennoch versuchen, seinen Einfluss auch auf diesen Bereich auszudehnen. Das Nutzfahrzeug-Joint-Venture mit Hyundai zielt lediglich auf den koreanischen Markt ab. Die Skepsis ist jedoch groß, dass Volvo Daimler-Chrysler das Feld überlässt. Über die angestrebte Allianz von Volvo mit Renault werden die Schweden zwar künftig auch mit deren Beteiligung Nissan Diesel verbunden sein, die aber mit sehr großen Problemen kämpft. Einige Analysten beginnen allerdings an der Vision vom globalen Automobilkonzern zu zweifeln. So lässt Breitsprecher von der Deutschen Bank Zweifel anklingen, ob es für Daimler-Benz klug war, das Premium-Segment zu verlassen und zu einem Massenhersteller zu werden. "Da muss das Unternehmen noch viel Überzeugungsarbeit leisten."

Der Vorstand von Daimler-Chrysler hat gestern das geplante Sparprogramm für seine Zentralen in Stuttgart und Auburn Hills verabschiedet. Es sieht Einsparungen von knapp einer Milliarde DM in drei Jahren vor. Es gehe hauptsächlich um Sachkosten, teilte das Unternehmen mit. Entlassungen hatte das Unternehmen von vornherein ausgeschlossen. Die Sparpläne hatten im Juli kurzzeitig für Aufregung unter den Beschäftigten gesorgt. Damals war von Einsparungen in Höhe von 4 Mrd. DM die Rede gewesen.

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