Gute Kurszuwächse
Degussa gewinnt Vertrauen zurück

Der frisch fusionierte Chemiekonzern Degussa kommt mit seiner Neuausrichtung voran - das hat der Aktienmarkt bereits durch gute Kurszuwächse honoriert. Hält Degussa den Kurs, sehen Analysten auf mittelfristige Sicht noch weiteres Aufwärtspotenzial für den Dax-Wert.

DÜSSELDORF. Skeptische Blicke war Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht gewöhnt, wenn er Analysten und Investoren das ambitionierte Umbauprogramm des neuen Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns erläuterte. Schließlich muss der 54-Jährige nach der Fusion von Degussa-Hüls und SKW Trostberg drei schwierige Jobs zugleich erledigen: Große Unternehmensteile verkaufen, ein zugekauftes Unternehmen integrieren und die Geschäftsbreiche auf Rendite trimmen.

Die anfängliche Skepsis der Börse gegenüber der neuen Degussa AG scheint sich gelegt zu haben. Die Aktie gehörte in den vergangenen Tagen im Deutschen Aktienindex (Dax) zu den Werten mit den stärksten Zuwächsen. "Die Börse honoriert, dass Degussa ein gutes Stück vorangekommen ist", sagt Ludger Mues, Chemieanalyst bei der Bank Sal. Oppenheim. Zwar halten sich einige Analysten bei Degussa zurück, doch die meisten sehen in dem Wert auf mittelfristige Sicht noch weiteres Kurspotenzial nach oben.

Trennung von Pharmatochter Asta Medica

Seit dem diesjährigen Tiefststand bei knapp unter 32 ? ist die Degussa-Aktie bis gestern wieder auf einen Wert von annähernd 36 ? geklettert. Hauptgrund dürfte sein, dass Felcht die wichtigsten der geplanten Verkäufe von Firmenteilen abgearbeitet hat - und dabei "sehr gute Preise erzielt hat", wie die Hypovereinsbank kommentiert. Nun steht bei Degussa als größerer Brocken noch die Trennung von der Pharmatochter Asta Medica an. Diese wurde in drei Teile zerlegt, der Biotechnik-Bereich geht als Zentaris AG an die Börse. Degussa nimmt dadurch 150 Mill. ? ein - auch das beflügelte gestern den Kurs. Wenn Degussa bis Jahresende die Trennung der restlichen Anteile von Asta Medica gelingt, könnte dies der Aktie weiteren Aufschwung geben.

Die Kursziele der Analysten liegen meist über dem derzeitigen Wert: So hat Ludger Mues für Degussa ein Kursziel von 40 ?, bei der Hypovereinbank liegt das Ziel bei 43 ?. Die Credit Suisse First Boston hält die Degussa-Aktie im Vergleich zu anderen führenden Spezialchemieunternehmen noch für deutlich unterbewertet.

Wie sich bei der Entwicklung in diesem Jahr zeigte, schaffte es die Degussa-Aktie zweimal bis auf 38 ?, konnte diese Marke aber nicht halten. Kurzfristig sind auch keine großen Sprünge bei der Aktie zu erwarten, denn der Wert wird wie Chemietitel allgemein vom unsicheren Konjunkturklima gebremst. Analysten rechnen erst 2002 wieder mit einem Erstarken der Chemiekonjunktur. Zudem ist die Ertragslage Degussas im ersten Halbjahr 2001 durch den hohen Ölpreis belastet, weil der Konzern teure, aus Rohöl hergestellte Vorprodukte einkaufen muss.

Degussa soll bis spätestens 2007 eigenständig sein

Die Aufstellung der Degussa AG mit Produkten wie Plexiglas, Pharmawirkstoffen und Nahrungsmittelzusätzen schätzt Mues positiv ein, denn das Unternehmen gehört mit diesen Bereichen zu den drei führenden Anbietern weltweit. Felcht will aus dem Konzern das global umsatzstärkste Spezialchemieunternehmen machen. Gemessen wird er von der Börse aber daran, ob es ihm gelingt, Degussa binnen drei Jahren auf eine Rendite von 20 % zu trimmen - gemessen am Gewinn vor Steuern, Finanzergebnis und Abschreibungen.

Bewegung nach oben könnte in die Aktie kommen, wenn sich der Energiekonzern Eon von seiner 64,5 %igen Mehrheitsbeteiligung an Degussa trennt. Spätestens bis 2007 soll Degussa eigenständig sein. Dann dürften sich auch vermehrt US-Investoren für die Aktie interessieren. Denn US-Fonds meiden oft Aktien von Unternehmen, die mehrheitlich in der Hand eines Großkonzerns sind. Weil Degussa als Dax-Wert erhalten bleiben soll, könnte sich Eon schon in diesem oder nächsten Jahr von Aktienpakten trennen.

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