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Gute Nachricht für die Telekom

Schlechte Nachrichten kann die Deutsche Telekom derzeit nicht gebrauchen. Die Ankündigung des Bonner Riesen vom Montag, für rund 12 Mrd. DM den US-Mobilfunkbetreiber Powertel zu kaufen und auf dem weltgrößten Telekommunikationsmarkt sein Mobilfunknetz enger zu knüpfen, ist eine gute Nachricht.

dpa BONN. Anders als bei ähnlichen Anlässen zuvor, reagierten Börsianer mit Zustimmung: "Wenn der Zukauf von Powertel klappt, ist das eine interessante Sache", sagt Telekom-Analyst Marcus Schmitz von der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Holger Grawe von der WestLB Panmure spricht von einem logischen Schritt der Telekom: "Powertel und Voicestream ergänzen sich von der geographischen Lage hervorragend." Auch der Kaufpreis liege im Rahmen. Powertel mit gut 720 000 Kunden und 425 Mill. DM Umsatz ist im Südosten des Landes (West Point/Georgia) angesiedelt, wo Voicestream bislang nicht aktiv war. An der Börse notierte die T- Aktie am Montag mit einem Plus.

In den vergangenen Wochen hatte Telekom-Chef Sommer wegen seiner Internationalisierungspolitik immer wieder Prügel bezogen. Vor allem die enormen Summen für den Erwerb der UMTS-Mobilfunklizenzen und die sündhaft teure Akquisition des Mobilfunkbetreibers Voicestream hatten die T-Aktie zum Absturz gebracht. Der Kurs verlor seit dem Jahreshoch von 103 Euro im Frühjahr binnen weniger Monate mehr als 60 %.

Mit Powertel (West Point/Georgia) untermauert die Telekom nach Einschätzung von Experten ihre Entschlossenheit, in den USA nicht nur ein Schattendasein zu fristen. Übernommen wird das Unternehmen von Voicestream, dem künftigen Partner der Telekom in den USA. Durch Powertel schließt Voicestream im Südosten des Landes einen weißen Flecken im Netz. 24 der 25 wichtigsten Gebiete könne das Unternehmen jetzt bedienen. Kalifornien ist der letzte Markt, der der Telekom im US-Mobilfunk noch fehlt.

Doch in trockenen Tüchern ist der Kaufvertrag mit Powertel noch lange nicht. Alles hängt davon ab, ob der Erwerb von Voicestream erfolgreich abgeschlossen werden kann. Und nur für diesen Fall sieht das Vertragswerk eine Beteiligung der Powertel-Aktionäre an der Telekom vor. Auf mehr als drei bis vier Prozent am Grundkapital (147 Mill. Aktien) werden die Powertel-Aktionäre aber nicht kommen.

Über den Voicestream-Kauf für umgerechnet mehr als 100 Mrd. DM müssen in den kommenden Monaten erst einmal die Aktionäre des US- Mobilfunkkonzerns entscheiden. Sie sollen in den nächsten Wochen ein förmliches Übernahmegebot der Telekom erhalten. Ein Fragezeichen steht ferner hinter den Aufsichtsbehörden, die dem Kauf noch zustimmen müssen.

Unklar ist derzeit auch, ob die politischen Widerstände gegen die Übernahmen der Telekom in den USA wieder entfacht werden. Knapp ein Drittel der US-Senatoren hatte vor einigen Wochen angekündigt, den Voicestream-Kauf zu verhindern. Sie stören sich daran, dass ein mehrheitlich in Staatsbesitz befindliches Unternehmen in den USA auf Einkaufstour geht.

Pro Kunden zahlt die Telekom für Powertel rund 8 000 $, gegenüber 20 000 $ bei Voicestream - ein Schnäppchenpreis. Doch auf dem US-Markt sei, anders als in Europa, nicht diese Kennziffer entscheidend, sondern die Zahl der potenziellen Kunden. Über die Netze von Voicestream und Powerline sollen bereits 120 Mill. Kunden in den USA erreichbar sein.

"Da ist noch einiges an Potenzial, die USA sind noch relativ rückständig im Mobilfunk", meint auch Telekom-Analyst Schmitz. Doch vor dem Geldverdienen warten in den USA auf die Telekom noch einige dürre Jahre. Beide Unternehmen und besonders Voicestream schreiben noch tiefrote Zahlen.

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