Gute Nachrichten sind eingepreist – Neue Umsatzquellen entwickeln sich langfristig
T-Online-Aktien erreichen den Boden der Realität

Was für ein Unterschied zwei Jahre doch ausmachen. Im Jahr 2000 brachte die Deutsche Telekom ihre Internettochter T-Online an die Börse: 114 Mill. Aktien zu einem Preis von 27 Euro. Der Erlös: rund 3 Mrd. Euro, für knapp 10 % eines Unternehmens, das tiefrote Zahlen schrieb. Das Ziel: Finanzierung weiterer Expansion.

FRANKFURT/M. Am Montag nun öffnete die Telekom erneut die Schatzkammer und verkaufte dieses Mal 120 Mill. T-Online-Aktien zu einem Preis: 6,10 Euro. Der Erlös: 732 Mill. Euro für knapp 10 % eines Unternehmens, das schwarze Zahlen schreibt. Das Ziel: Schuldenabbau.

Für Erstzeichner eine bittere Pille. Denn auch wenn die Aktie langfristig Potenzial nach oben hat, die beim ersten Börsengang gezahlten 27 Euro wird die Aktie wohl sehr lange Zeit nicht wieder sehen.

Warum? Zum Zeitpunkt des ersten Börsengangs zählte T-Online rund 5,5 Millionen Kunden. Bei einer Gesamtzahl von knapp 1,2 Mrd. T-Online Aktien bewertete die Börse einen einzigen Kunden mit einem rechnerischen Wert von nahezu 6 000 Euro - was für ein Irrsinn. Heute hat das Unternehmen mehr als doppelt so viele Kunden, deren Wert die Börse pro Kopf auf rund 600 Euro festlegt - das scheint angesichts des Umsatzes pro Kunde und Monat realistischer.

Doch die Kursentwicklung hängt ohnehin nur langfristig am betriebswirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend sind vielmehr die Wachstumsphantasien. Und dort steht bei T-Online - der Erfolg des Managements auf der Kostenseite unbenommen - ein Fragezeichen. T-Online hat eine überragende Stellung beim Internetzugang im Heimatmarkt Deutschland. Doch wird auch dieser Markt nicht auf alle Zeiten in dem Tempo der Vergangenheit weiterwachsen. Zumal vieles darauf hindeutet, das sowohl die nationale Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation als auch die EU die marktbeherrschende Stellung der Deutschen Telekom und ihrer Internettochter T-Online in dem zukunftsträchtigen DSL-Breitbandinternetgeschäft 2003 aufs Korn nehmen wird.

Also müssen langfristig neue Umsatzquellen her: Online-Werbung, E-Commerce und Bezahlinhalte sind die Säulen, die Vorstandschef Thomas Holtrop deshalb stärken will. Auf einen Anteil von 30 % am Gesamtumsatz sollen diese Portalumsätze bis 2004 steigen. Vielleicht wird das Management diese Marke sogar schaffen. Trotzdem ist jede der neuen Umsatzsäulen im Vergleich zum Zugangsgeschäft bislang noch ein zartes Pflänzchen. Besonders Bezahlinhalte sind ein Experimentierfeld, in dem Erfahrungen fehlen.

Dass nun institutionelle Anleger bei 6,10 Euro eingestiegen sind, lässt auf zweierlei schließen: Die Profis rechnen langfristig mit Potenzial nach oben. Und zweitens zeigt das große Interesse an der Platzierung (dreifach überzeichnet), dass Internetaktien ihre Pariaphase, als niemand etwas mit dem Sektor zu tun haben wollte, endgültig hinter sich haben. Doch eilig muss es deshalb niemand haben, denn die guten Nachrichten sind eingepreist.

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