Gute Noten für die südafrikanischen Werte Angloplat und Implats – Steigende Edelmetallnachfrage erwartet
Platinhäuser stehen bei Analysten hoch im Kurs

Der jüngste Anstieg des Goldpreises hat das Interesse vieler Anleger auf Gold und Goldaktien gelenkt. Verstärkt rücken nun aber auch Platin und damit die Aktien der Produzenten in den Vordergrund. Der Preis des Edelmetalls hat den höchsten Stand seit Mitte Juli 2001 erreicht.

KAPSTADT. Analysten zufolge sind die Aktien einiger Platinproduzenten unterbewertet. Dazu zählen sowohl Angloplat als auch Implats. UBS Warburg hat gestern beide Titel höher bewertet. Implats (ISIN ZAE000003554) wurde von halten auf kaufen heraufgestuft; das Kursziel lautet nun auf 685 Rand je Aktie (akt. Kurs: 661 Rand). Bei Angloplat (ZAE000013181) wurde die Bewertung bestätigt, das Kursziel allerdings von 480 auf 520 Rand erhöht (akt. Kurs: 498 Rand).

Nach Einschätzung von Experten sollten Platinaktien von dem anziehenden Edelmetallpreis profitieren. Gestern notierte Platin bei 525 $ je Feinunze. Das Edelmetall blieb damit nur knapp unter dem höchsten Stand seit neun Monaten. Ihm wird zudem eine glänzende Zukunft bescheinigt. Denn im Gegensatz zu Gold, das fast nur in der Schmuckindustrie gebraucht wird, hat Platin einen industriellen Nutzen.

"Platin ist wegen seiner Vielseitigkeit einzigartig", sagt Steve Shepherd vom Johannesburger Brokerhaus JP Morgan. "Wegen seiner breiten Verwendbarkeit wird die Nachfrage kurz-, mittel- und langfristig hoch bleiben". Kein Wunder, dass die Platinproduzenten am Kap in den nächsten fünf Jahre rund 20 Mrd. Rand (2 Mrd. Euro) in den Ausbau der Bergwerke stecken wollen. Ca. 75 % der Weltproduktion stammen aus dem südlichen Afrika.

Angloplat, der weltweit mit Abstand größte Produzent, will seinen Ausstoß bis 2006 um 75 % auf 3,5 Mill. Unzen steigern und dafür rund 13 Mrd. Rand investieren. Sein Erzrivale Impala Platinum (Implats) plant über die nächsten vier Jahre für 5 Mrd. Rand einen Produktionsanstieg um 50 % auf 1,5 Mill. Unzen. Und Lonrho Mining (Lonmin), die Nummer drei am Markt, will die Produktion bis 2003 auf 870 000 Unzen und anschließend durch Zukäufe auf über 1 Mill. Unzen ausbauen.

Allerdings schürt der starke Ausbau der Produktionskapazitäten Sorgen vor einem möglichen Überangebot. Stephen Briggs vom Brokerhaus SG Securities befürchtet, dass vor allem die US-Autoindustrie wegen der Wirtschaftsflaute weniger Platin als erwartet verbraucht. Ein großer Teil des industriell verwendeten Platins geht in die Herstellung von Autokatalysatoren. Zudem sei unklar, wie hoch die russischen Platinlieferungen 2002 sein werden und wie viel Platin recycelt werden kann. Daneben machen Skeptiker geltend, dass die Kurse der Produzenten in Erwartung eines Aufschwungs der Weltwirtschaft zu früh und zu stark gestiegen seien.

Optimisten wie Rene Hochreiter vom Johannesburger Brokerhaus Barnard Jacobs Mellet und Johann Odendaal von Merrill Lynch halten Sorgen vor einer Überproduktion für übertrieben. Eine leichte Abkühlung, wie sie die Branche zuletzt erlebt habe, sei völlig normal. Ihre Zuversicht gründet darauf, dass die Autobauer wegen der enormen Preisschwankungen bei Palladium auf sein Schwestermetall Platin umsteigen. Auch würden immer mehr Autos mit Katalysatoren ausgestattet.

Die jüngsten Zahlen deuten in der Tat darauf hin, dass die Nachfrage der Industrie gestiegen ist und vor allem Autofirmen verstärkt Platin einkaufen. Nach Projektionen des Forschungsteams einer Londoner Investmentbank wird sich die Nachfrage nach Platin für Autokatalysatoren von 2,34 Mill. (2001) auf 3,6 Mill. Unzen 2004 erhöhen. Auch der Londoner Edelmetallhändler Johnson Matthey erwartet eine steigende Nachfrage nach Platin. Allerdings soll diese zunächst leicht unter der Produktion liegen.

Noch wichtiger für die Industrie ist die starke Nachfrage der Schmuckindustrie, die derzeit rund die Hälfte des Metalls abnimmt. Zwar ist es 2001 zu einem Einbruch in Japan gekommen, doch hat China diesen Rückschlag fast völlig kompensiert. Mit 1,3 Mill. Unzen verbraucht das Land nun über 50 % der weltweit im Schmuckgewerbe verarbeiteten 2,52 Mill. Unzen.

Etwa 35 % des weltweit geförderten Platins gehen auf das Konto von Angloplat, einer Tochter des Bergbaukonzerns Anglo American (60 %). Obwohl Angloplat fast völlig auf Südafrika beschränkt ist, dominiert der Konzern sein Marktsegment und steht deshalb hoch in der Gunst der Anleger. Die hohen Einkünfte, verbunden mit dem Produktionsausbau und einer verbesserten Effizienz haben den Cash-flow zuletzt um über 25 % auf 10 Mrd. Rand (1 Mrd. Euro) erhöht. Hochreiter schätzt den tatsächlichen Wert des Konzerns deshalb auf mindestens 800 Rand pro Aktie.

Als ebenso stark unterbewertet gilt der Konkurrent Implats. Er ist vor allem wegen seiner schwerfälligen Struktur in die Kritik geraten. Offen ist noch, wie sich Gencor als größter Einzelaktionär verhalten wird. Die südafrikanische Investmentgesellschaft hat jedoch bereits den Verkauf ihres Anteils von 46 % bis Ende 2002 in Aussicht gestellt.

Zur Vorsicht raten Analysten hingegen bei Lonmin. Zwar habe das Unternehmen den Umbau vom weit verzweigten Mischkonzern zu einer Platinfirma erfolgreich abgeschlossen und den Aktienkurs mehr als verdoppeln können. Doch erwarten einige Experten nun eine längere Phase der Konsolidierung und raten zu Gewinnmitnahmen. Auch SG Securities hat den Wert als Unterperformer (schlechter als der Markt) eingestuft.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%