Gute Performance in einem krisengeschüttelten Markt
Bilfinger Berger auf solidem Gerüst

Die deutsche Bauwirtschaft steckt seit Jahren in der Krise. Zwar konnte der Bausektor unter den Branchenindizes des europäischen Euro-Stoxx als einziger Wirtschaftszweig zulegen. Die Aktionäre deutscher Bauunternehmen profitierten davon jedoch kaum. Mit einer Ausnahme: die Mannheimer Bilfinger Berger AG.

MANNHEIM. Um 100 % legte das Papier binnen Jahresfrist zu. Zwar dürfte ein ähnliches Plus im laufenden Jahr kaum möglich sein, doch einiges spricht dafür, dass der Aufwärtstrend anhält. Für weitere Kursphantasie dürfte vor allem die 28,5prozentige Beteiligung am Wetzlarer Heizungsbauer Buderus AG sorgen. Seit längerem wird über einen Verkauf des Pakets spekuliert. Die Bosch-Gruppe hat bereits Interesse bekundet. Das Stiftungs-Unternehmen will damit die eigene Heizungssparte (Junkers) stärken.

Zwar wollte auch Bilfinger-Chef Herbert Bodner mit den Wetzlarern strategisch zusammenarbeiten. Doch die Gespräche mit dem Buderus-Management sind offensichtlich kurz vor Weihnachten ohne Ergebnis beendet worden. Darauf deuten Äußerungen von Buderus-Chef Uwe Lüders hin.

Damit verdichten sich die Hinweise, dass Bilfinger das Wetzlarer Unternehmen in den Status einer reinen Finanzbeteiligung heben wird, deren Verkauf eine Option ist. Würde Buderus tatsächlich verkauft, hätte das nach Ansicht von Christiane Nestroy von der Hypo-Vereinsbank positive Effekte für die Bilfinger-Aktie. In die gleiche Richtung argumentieren auch die Experten von ABN Amro. Im Mittelpunkt steht dabei der ansehnliche Verkaufserlös. Gemessen am aktuellen Buderus-Kurs besitzt das Paket von Bilfinger einen Wert von rund 550 Mill. Euro.

Bilfinger muss schnell wieder investieren

Der Geldsegen bereitet dem Baukonzern allerdings auch Probleme. Durch den Verkauf einer Beteiligung an der Dresdner Bank fließen dem Konzern in diesem Monat bereits 262 Mill. Euro zu. Addiert mit den Buderus-Erlösen sowie vorhandenen liquiden Mitteln würde Bilfinger mehr Geld in den Kassen haben, als das Unternehmen auf dem Börsenparkett wert ist. Die Gefahr einer Übernahme würde sich massiv verschärfen. Bilfinger-Chef Bodner wird deshalb alles daran setzen, das Geld zügig wieder zu investieren. Dabei denkt er offensichtlich vor allem an das relativ junge Geschäftsfeld Entwickeln und Betreiben (BOT oder Build - Transfer - Operate). Dabei baut und finanziert das Unternehmen ein Projekt nicht nur für einen Auftraggeber. Sondern es betreibt das Objekt auch für eine gewisse Zeit, bevor es an den Auftraggeber übergeben wird.

Sollte Bilfinger-Chef Bodner die Verkaufserlöse tatsächlich in diese Sparte investieren, würde auch das dem Kurs der Bilfinger-Aktie gut tun. Schließlich sind die Margen in diesem Segment nach Ansicht von Bauexperten höher als im klassischen Bau. Zudem gilt Bilfinger unter den deutschen Baukonzernen als führend im BOT-Bereich. So bezeichnet Achim Henke von UBS Warburg die Aussichten in der BOT-Sparte als "sehr gut".

Erfolgreich im klassischen Baugeschäft

Gleichzeitig kann Bilfinger nach einem straffen Umbau des Konzerns in den zurückliegenden drei Jahren auf ein erfolgreiches klassisches Baugeschäft blicken. Die Mannheimer zählen zu den wenigen deutschen Bauunternehmen, die auch im chronisch schwachen Inlandsgeschäft 2001 ein voraussichtlich positives Ergebnis erreichen konnten. Bilfinger-Chef Bodner setzt konsequent auf ausgesuchte Projekte. Hinzu kommt ein erfolgreiches Auslandsgeschäft etwa in Asien oder Nigeria.

Treibstoff für die Bilfinger-Aktie ist somit ausreichend vorhanden, zumal das Unternehmen an der Börse nur knapp über dem Buchwert gehandelt wird. Die Frage ist, wann der Treibstoff gezündet wird.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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