Gute Startbedingungen und konstante Westausrichtung zeichnen das Land aus: Slowenien: Musterknabe mit Glück

Gute Startbedingungen und konstante Westausrichtung zeichnen das Land aus
Slowenien: Musterknabe mit Glück

Slowenien gilt als Musterknabe unter den neuen EU- Mitgliedern. Die Brüssler Kommission, Ratingagenturen und Analysten loben die robuste Marktwirtschaft des Landes. Mühelos werde Slowenien die Maastricht-Kriterien erfüllen, urteilt stellvertretend die Bank Austria Creditanstalt.

rev WARSCHAU. Die Daten sprechen für sich: 59 % der Exporte und 68 % der Importe werden mit der EU abgewickelt. Bei der Wirtschaftskraft pro Kopf (siehe Grafik oben) wie bei den Durchschnittslöhnen von rund 1 000 Euro liegen die Slowenen weit vor allen anderen Osteuropäern.

Wie erreichte das kleine Land mit gerade einmal zwei Millionen Einwohnern diesen Spitzenplatz? Zunächst hatte es das Glück günstiger Startbedingungen. Dank enger Beziehungen zu Österreich und Italien war Slowenien bereits im früheren Jugoslawien die fortgeschrittenste Republik des Landes. Die intellektuelle und politische Elite orientiert sich seit langem eher an Westeuropa als am Balkan. Zweitens kommt Slowenien auf dem Weg in den Westen zugute, dass es nicht die gewaltigen Strukturprobleme überwinden muss, die etwa Polen oder die Slowakei belasten.

Hinzu kam eine stetige Reformpolitik. Während andere Länder auf dem Weg zur Marktwirtschaft Umwege einschlugen, hält in Slowenien seit Beginn der 90er Jahre der Konsens aller wichtigen Parteien: Der Beitritt zu EU und Nato hat Vorrang. Im Ergebnis erzielt das Land weitgehend positive makroökonomische Daten. Zwar wachsen derzeit andere Länder stärker, doch liegt Sloweniens Wirtschaftswachstum seit Jahren konstant zwischen 2,5 und 3,5 %. Die Leistungsbilanz ist seit 2003 ausgeglichen. Das Etatdefizit betrug zuletzt nur noch 1,5 % des BIP und soll weiter sinken. Lediglich die Inflationsrate bleibt mit knapp 5 % Besorgnis erregend. Dennoch wollen Regierung und Nationalbank Slowenien schon Ende 2004 in die Vorbereitungsrunde EWS II der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion führen. Die Übernahme des Euros sollte in 2007 möglich sein.

Nachholbedarf gibt es vor allem bei Strukturreformen, so kommt die Privatisierung nur schleppend voran. Bei ausländischen Direktinvestitionen ist die Bilanz seit 2003 sogar negativ: Der Kapitalexport slowenischer Unternehmen insbesondere auf den Balkan war größer als der Zufluss ausländischen Investitionskapitals - aber auch das ist eher ein Beleg, wie weit der Transformationsprozess bereits vorangekommen ist.

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