Gute Stimmung vor dem EM-Qualifikationsspiel
Schlanker Jancker als Galionsfigur

Die deutsche Nationalelf ist nach der WM wieder hungrig auf neue Aufgaben. Vor allem Carsten Jancker scheint nach seinem Wechsel nach Italien Teamchef Rudi Völler zu begeistern.

NEU-ISENBURG. Die neue Lust der deutschen Nationalspieler auf große Taten hat eine Galionsfigur: Carsten Jancker verkörpert das Streben nach neuen Erfolgen am deutlichsten. Beim ersten EM-Qualifikationsspiel des Vize-Weltmeisters am Samstag (19.30 Uhr) in Kaunas gegen Litauen wird der lange Mecklenburger wieder zur ersten Wahl von Rudi Völler gehören.

"Ich habe schon bei unserem Testspiel in Bulgarien gemerkt, dass er wie befreit ist. Das ist ein völlig anderer Carsten Jancker als in den früheren Jahren", sagte Teamchef Völler gestern. Er begründet den Wandel des Stürmers mit dessen Wechsel vom FC Bayern München zum italienischen Erstligisten Udinese Calcio. Der Druck auf Jancker sei in München viel zu hoch gewesen - vor allem, nachdem die schon lange geäußerten Wechselwünsche des Angriffsspielers immer wieder zurückgewiesen worden waren.

Auch äußerlich hat sich der 30-malige Nationalspieler verändert. Die Glatze ist braun gebrannt, ein schlanker Jancker hat ein paar Pfunde abgespeckt. "Er ist einer, der wie ein Besessener trainiert", sagte Völler, der ihn neben Miroslav Klose stürmen lässt.

Jancker bestätigte gestern, dass er sich viel wohler fühlt als in der letzten Saison seiner sechs Jahre in München. "Ich bin ein bisschen befreiter, weil der Wechsel geklappt hat. Ich wusste, ein weiteres Jahr beim FC Bayern geht nicht mehr." Dort hatte er nach dem Champions-League-Triumph 2001 seinen ohnehin unsicheren Stammplatz verloren. Doch Jancker bestritt Völlers Aussage, der Stress in München wäre für ihn zu groß gewesen. "Es war nur ein gewisser Druck da zu wechseln."

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub war Jancker dann heilfroh, dass der Transfer nach Udine, wo auch Oliver Bierhoff einmal gespielt hat, schnell perfekt gemacht wurde. "Es ging wirklich Hoppla-Hopp", meinte er. Zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern zog Jancker über die Alpen.

Mit einer guten Leistung gegen Litauen hofft sich der Norddeutsche eine Woche vor dem Beginn der italienischen Saison für einen Stammplatz im Verein empfehlen zu können. Die Eingewöhnung fiel ihm leicht, das Training ist hart und dauert länger als in München. Mit einer Lehrerin büffelt er italienisch. Ratschläge von Bierhoff, was ihn in Udine erwartet, hat sich Jancker nicht geholt. "Ich habe schon immer auf zwei eigenen Füßen gestanden. Tipps brauche ich nicht."

Nun erhält er eine neue Chance bei Völler und soll wie in den WM-Gruppenspielen, ehe er seinen Platz an den Leverkusener Oliver Neuville verlor, Klose optimal ins Spiel bringen. Der Mittelstürmer des 1. FC Kaiserslautern sei derzeit gehemmt wegen der Turbulenzen in seinem Klub und seiner "weichen Leiste", hieß es in den letzten Wochen. "Das stimmt doch gar nicht. Ich habe nur dem Vorstand gesagt, dass schnell ein neuer Trainer verpflichtet werden sollte", widersprach Klose. Vorgestern telefonierte er schon mit dem neuen FCK-Coach Eric Gerets. "Er macht einen sehr guten Eindruck. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit", erklärte er. Das DFB-Team bedeutet Klose viel. "Es ist immer ein schönes Gefühl zur Nationalmannschaft zu kommen und den eingeschworenen Haufen zu sehen." Der Haufen, der bei der WM zusammenwuchs, soll die ersten drei Punkte auf dem Weg zur EM 2004 in Portugal erkämpfen. Bis auf Christian Ziege wird Völler im 8 500 Zuschauer fassenden Stadion wohl mit der WM-Startelf spielen. Für Ziege erhält Jörg Böhme eine neue Chance.

Der Gegner hat bereits auf Völlers Aussage, es handele sich für die Deutschen um "das Spiel des Jahres", reagiert. Die Litauer sprechen vom "Spiel des Lebens".

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