Gute Unternehmenszahlen
Ryanair fliegt in einer eigenen Klasse

Der prominenteste Fluggast von Ryanair heißt Tony Blair. Der britische Premier nutzt dieses Jahr die Dienste des irischen Billigfliegers, um gemeinsam mit seiner Familie von London zu seinem Urlaubsdomizil in Frankreich zu kommen. Die Konjunkturflaute macht?s möglich: Billigfliegen wird auch in Europa hoffähig.

LONDON. Als sich in der vergangenen Woche die schlechten Meldungen in der Luftfahrt-Branche häuften - Sabena und Lufthansa kündigten Streckenstreichungen an, British Airways meldete einen Gewinneinbruch im ersten Quartal - wartete Ryanair mit guten Zahlen auf.

Ryanair-Chef und Großaktionär Michael O?Leary sieht seine Airline als Gewinner in der Krise. Und Analysten stimmen ihm zu: "Ja, das kann man so sehen", bestätigt Chris Avery von JP Morgan. O?Leary ist sich sicher, dass "die schleppende Konjunktur in Europa das Passagieraufkommen für Billigflieger erhöhen" werde.

Die nackten Zahlen bestätigen, dass Ryanair derzeit in einer eigenen Klasse fliegt. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Gewinn nach Steuern um 28 % auf 23,2 Mill. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 31% auf 151 Mill. Euro und die Zahl der Passagiere wuchs durch die Inbetriebnahme neuer Routen um 42 % auf 2,4 Millionen. "Sehr gesund" sieht das aus, urteilt Jonathan Wober von der Deutschen Bank.

Generell würde die schwächere Konjunktur natürlich auch an Ryanair nicht spurlos vorübergehen. Doch die Airline habe gezeigt, dass sie durch die Aufnahme neuer Kurzstrecken immer wieder Wachstum generieren könne, so Chris Tarry von der Commerzbank. In konjunkturell labilen Zeiten sei es ein Vorteil, wenn man nicht so sehr vom Verkehr auf bestehenden Routen abhänge. Derzeit bietet Ryanair von seinen drei Stützpunkten Dublin, London-Stanstead und Charleroi 55 Strecken in zwölf Ländern an. "Solange Ryanair seinen Fokus als Billiganbieter beibehält, geht es ihnen gut", glaubt Tarry.

Dass sich Ryanair der kollektiven Misere nicht anschließt, liegt vor allem am strikten Kostenmanagement - für den 40-Jährigen jugendlich aussehenden O?Leary stets eine Passion. Sie ist Grundlage für den Anspruch, auf den von Ryanair angebotenen Strecken die jeweils niedrigsten Flugpreise anzubieten.

O?Leary drückt die Kosten, wo er nur kann. Während des Fluges gibt es Snacks und Kaffee nur gegen Cash. Im Vertrieb hilft das Internet, die Kosten niedrig zu halten. Mittlerweile werden drei von vier Flügen online gebucht. Statt Tickets erhalten Ryanair-Fluggäste lediglich eine Reservierungsnummer.

Preiswerte Flughäfen sind ein weiterer Erfolgsfaktor für Ryanair. Statt Frankfurt wird Hahn angeflogen, statt Hamburg fliegt man nach Lübeck. "Hier ist es möglich, innerhalb von 25 Minuten zu landen und zu starten, was über den Tag zusätzliche Flüge ermöglicht", so O?Leary. Werden Flughäfen zu teuer, wird die Flugfrequenz reduziert. Der Flughafen Dublin hat das bereits spüren müssen.

Kostenbewusst wurde auch die 36-Maschinen-Flotte ausschließlich aus Boeing-737-Modellen zusammengestellt, was die Kosten für Wartung und Schulung des Personals niedrig hält. Und für die geplante Expansion sucht Ryanair derzeit nicht etwa neue Flugzeuge, sondern 50 gebrauchte 737-Maschinen. Durch die Konjunkturschwäche sind die Preise für Flugzeuge ins Rutschen gekommen - jetzt will Ryanair diese preiswert einsammeln. Die Kaufoptionen für neue Boeing 737 wurden storniert.

Keine Probleme bereitet die Finanzierung. "Mit liquiden Mitteln in Höhe von 670 Mill. Euro verfügt Ryanair über eine der gesündesten Bilanzen der europäischen Airlines", urteilt Stephen Furlong von Davy Stockbrokers.

Für John Mattimoe von Merrion-Capital bleibt die Wachstumsgeschichte von Ryanair intakt. Das Unternehmen habe in den letzten fünf Jahren den Umsatz um durchschnittlich 29 % jährlich gesteigert, das Passagieraufkommen um je 25 %. Und dennoch würden Billigairlines in Europa erst auf einen Marktanteil von 5 % kommen. In den USA sind es dreimal mehr.

O?Leary ist optimistisch: "Wir verdoppeln die Passagierzahlen alle drei bis vier Jahre. 2010 werden wir rund 30 Millionen Menschen befördern." Dann, so O?Leary mit einem süffisanten Unterton, würde er British Airways überflügeln.

Bei einem Aktienkurs von gut 11 Euro haben Aktionäre, die dem Unternehmen seit dem 1997 erfolgten Börsengang treu geblieben sind, ihren Einsatz mehr als verfünffacht. Ob die Aktie sich kurzfristig besser als die Branche entwickeln kann, hält Furlong von Davy Stockbrokers für fraglich. Gleichwohl hält er es wie sein Kollege Tarry von der Commerzbank und stuft die Aktie als "Kauf" ein. Richtig "bullish", so Furlong, "sind wir hinsichtlich der langfristigen Aussichten". Nicht ganz teilen kann WestLB Panmure den Optimismus. Mit Blick auf die hohe Bewertung und die Konjunkturschwäche stuft die Bank Ryanair als "Underperformer" ein.

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