Gute Zeiten für Fondssparer
Strategien im Umgang mit der Chaos-Börse

Gut Lachen haben derzeit nur wenige Anleger. Das "Gesundschrumpfen" der Kurse kann aber auch eine Chance für mögliche Neuengagement sein. Anleger sollten jedoch ihre Beträge gut aufsplitten.

ap MÜNCHEN. Immer noch ein Stück weiter sacken die Weltbörsen abwärts. Analysten trauen sich kaum noch, von Bodenbildung der Kurse zu sprechen. Unter den gebeutelten Börsianern macht sich inzwischen Galgenhumor breit. Kostprobe: "Wie kommt man zu einer Million Mark? Indem man zehn Millionen an der Börse investiert." Gut Lachen haben derzeit tatsächlich nur wenige Anleger.

Aller Weltuntergangsstimmung zum Trotz rät Petra Krüll, Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, zu Besonnenheit. Das "Gesundschrumpfen" der Kurse biete eine gute Zukunftschance. Selbst der Neue Markt sei noch lange nicht tot.

Ihre Ratschläge, mit dem Schlamassel an den Aktienmärkten und im eigenen Depot umzugehen: Wer zum sehr hohen Niveau eingestiegen ist und jetzt tief in der Patsche sitzt, sollte seine Lage gründlich überdenken. Patentrezepte gibt es nicht, auch keinen Königsweg. Liegen solide Aktien oder Fonds mit "gesunden" Unternehmen im Depot, kommt die Durchhalteparole `Aussitzen" in Frage. Die darniederliegenden `Patienten" brauchen aber vermutlich eine längere Zeit zur Erholung. `Bloß nicht ständig auf die täglichen Ausschläge und Wellenbewegungen der verunsicherten Börsen schielen", empfiehlt Expertin Krüll.

Stapeln sich risikoreiche Neue-Markt- und etwa hochspekulative Japan-Fonds im Depot sowie Titel von Unternehmen, die tief in den roten Zahlen stecken, dann ist sorgfältiges Abwägen angebracht. Die Strategie `Aussitzen" kann in der momentanen Weltwirtschaftslage viele Jahre bedeuten. Ob die alten Höchststände jemals wieder erreicht werden, kann auch niemand garantieren. Ein Umschichten, also ein Ende mit Schrecken, wäre in solchen Fällen womöglich der bessere Weg.

Wer den Mut hat, verlustreiche Papiere vor Ablauf eines Jahres seit Kauf abzustoßen, der kann seine Miesen zumindest steuerlich mit Spekulationsgewinnen verrechnen. Auch mit künftigen Gewinnen. Und es gibt ihm die Chance, das übrig gebliebene Geld auf aussichtsreichere Papiere zu setzen und eventuell schneller wieder in die Gewinnzone zu kommen. "Ein Verkauf ist aber immer vom Nervenkostüm des Anlegers abhängig, eine Überlegung ist es allemal wert", meint Petra Krüll.

Keine großen Sorgen müssen sich Sparer machen, die ihr Geld in Monatsraten in Aktienfonds einzahlen. Ihnen dürfte das derzeitige Jammertal sogar gelegen kommen - wenn sie nicht gerade Geld brauchen und das Angesparte auflösen müssen. Denn sie kriegen für ihr Geld jetzt deutlich mehr Anteile als in guten Börsenzeiten mit teuren Kursen. "Wir empfehlen gern, Monat für Monat anzusparen, das ist relativ stressfrei", betont Krüll.

Das richtige Timing gibt es nicht

Sehr aussichtsreich sind die Zeiten nach Einschätzung aller Experten auch für Mutige, die zurzeit Kapital übrig haben. Wer jetzt Aktien oder Fonds kaufe, der müsse jedoch damit rechnen, dass die Kurse noch einmal weiter nach unten gehen könnten, betont die Wertpapierspezialistin. Daher rät sie auch dazu, nicht mit großen Beträgen einzusteigen, sondern diese in mehrere kleine aufzusplitten. Wer dann nach und nach in Titel oder Fonds investiere, minimiere sein Risiko, zu teuer einzukaufen. Auch wenn bei diesem Scheibchensystem immer wieder Bankgebühren und Ausgabeaufschläge fällig werden.

Und noch ein Rat sollte bei Neuengagements unbedingt beherzigt werden: Kapital muss gestreut werden, und zwar auf Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen oder Ländern. Wer nur in einem Markt investiert ist, hat kein ausgleichendes Standbein bei Einbrüchen. Dies gilt auch für Fonds. So könnte das Depot beispielsweise aus drei Fonds bestehen, einem europäischen, einem nordamerikanischen und einem asiatischen. Ein Drittel- oder gar Viertelmix bringt nach Auffassung von Stiftung Warentest mehr Sicherheit.

"Den goldrichtigen Zeitpunkt zum Kauf erwischt man so gut wie nie", ermutigt Krüll. Erst hinterher ist man klüger. Das Timing wird nach Ansicht von Stiftung Warentest umso schwieriger, je stärker der Markt schwankt und je kürzer man das Geld anlegen will. Da ist die Kunst, auf die richtige Aktien oder den richtigen Fonds zu setzen, schon etwas einfacher. Krülls Tipps: Nur Werte kaufen, die ordentlich Gewinn machen, solide Zukunftsprognosen stellen und Dividenden ausschütten. Unternehmen meiden, die Verluste schreiben und von Prognosen leben. Jetzt beginne die Saison der Hauptversammlungen, auf denen über Dividenden beschlossen werde. Das sei ein guter Zeitpunkt, sich zu informieren und sich dann vielleicht zu engagieren, meint Krüll.

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