Gutes Geschäft im Telekom- und Film-Bereich
Vivendi überrascht positiv

Ein unerwartet gutes Quartalsergebnis der Mediensparte hat dem umstrittenen Chef des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, am Tag der Hauptversammlung etwas Luft verschafft. Der Medien-Mogul könnte nun mit der Unterstützung des Aufsichtsrates rechnen, erklärten Analysten.

Reuters PARIS. Vor allem die guten Geschäften im Telekom - und Film-Bereich hätten zu dem bessern Ergebnis geführt, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Vivendi bekräftigte zudem seine Ziele für 2002. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) der Medien-Sparte sei im ersten Vierteljahr 2002 um 16 Prozent auf 1,171 Milliarden Euro deutlicher als von Analysten im Mittel mit 1,07 Milliarden Euro erwartet gestiegen. Das operative Ergebnis habe sich um 27 Prozent auf 436 Millionen Euro erhöht. Der Umsatz der Sparte kletterte um zwölf Prozent auf 7,109 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten von im Schnitt 6,48 Milliarden Euro.

Vivendi rechne nunmehr damit, dass seine Schulden bis zum Jahresende sinken werden und zwar auf weniger als das Dreifache seines Jahres-Ebitda. Im März hatte der Konzern noch angekündigt, die Schulden würden nicht mehr als das Dreifache des Ebitda betragen. Die Vivendi Universal-Aktien, die allein seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent an Wert verloren haben, fielen am Mittwoch trotz der positiven Reaktion der Analysten in der Spitze um 2,4 Prozent auf ein Tagestief von 38,10 Euro und waren damit schwächer als der Gesamtmarkt.

Analysten gehen davon aus, dass Messier bei der Hauptversammlung auf die Unterstützung des Aufsichtsrates zählen kann. Die Vorlage der besser als erwarteten Quartalszahlen für die Mediensparte habe im Vorfeld der Hauptversammlung etwas Druck von Messier nehmen können, sagten sie. Viele Aktionäre dürften ihrem Ärger über die Strategie des Konzerns und dem Kursverfall der Aktien Luft machen. Messier werde zumindest bis Ende des Jahres an der Spitze von Vivendi Universal bleiben, erwarten derweil Analysten.

Messier, ein früherer Banker, steckt Analysten zufolge derzeit in der schlimmsten Krise seiner Karriere. Noch vor rund einem Jahr hatte das noch ganz anders ausgesehen. Messier, den das Magazin "Fortune" einst als Rockstar der Unternehmenswelt titulierte, hatte das ehemalige Wasser- und Entsorgungsunternehmen Vivendi zum zweitgrößten Medienkonzern der Welt nach AOL Time Warner umgebaut.

In der vergangenen Woche hatte Messier inmitten von Spekulationen über seine eigene Person überraschend das Ausscheiden des populären Chefs des zum Konzern gehörenden Bezahlsenders Canal Plus, Pierre Lescure, bekannt gegeben. Beschäftigte von Canal Plus hatten daraufhin zeitweise den Sender besetzt.

Der Firmenchef steht seit Dezember vorigen Jahres in der Kritik. Besonders unbeliebt machte Messier sich, als er im vergangenen Jahr das Protektionssystem zur Wahrung der französischen Kultur für tot erklärte und den Konzern stärker auf das US-Geschäft ausrichtete. Er selbst zog mit seiner Familie von Paris nach New York.

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