Gutes Weihnachtsgeschäft
Finanzinvestor Permira steigt bei Premiere ein

Die Investmentgesellschaft Permira übernimmt die Mehrheit bei Premiere und will das Bezahlfernsehen nach einer Sanierung an die Börse bringen. "Ab 2005 wird es einen Börsengang geben", sagte Premiere-Chef Georg Kofler dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Der frühere Pro-Sieben-Chef sieht das Pay-TV nach dem Erreichen schwarzer Zahlen 2004 als "erstklassigen Kandidaten" für einen Börsengang. Diese Strategie sei zwischen Permira, den Gläubigerbanken und ihm abgesprochen. Die Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, Hypo-Vereinsbank und die österreichische Bawag stützen das Projekt mit einer Minderheitsbeteiligung von "weniger als 25 %", bestätigten Bankenkreise am Donnerstag.

Nach einer langen Phase der Unsicherheit steht damit der angeschlagene Abosender wieder auf einer stabilen Grundlage. "Ich bin sehr glücklich über das Ergebnis. Mit Permira verfügen wir über ein erstklassiges Finanz-Know-How", freute sich Kofler. Permira bringt nun offenbar 150 bis 200 Mill. Euro an frischem Kapital mit, um Premiere bis zum geplanten Erreichen der Gewinnschwelle im ersten Quartal 2004 zu finanzieren. "Es ist schon klar, dass der Investor gewährleistet, dass Premiere bis zum angepeilten Break-Even durchfinanziert ist", sagte Kofler. Den Finanzierungsbedarf bis zu diesem Zeitpunkt bezifferte er mit 150 bis 200 Mill. Euro. Doch noch sind die Verträge nicht unterschrieben, nach Klärung juristischer Details sollen die Verträge im Laufe des ersten Quartals 2003 unter Dach und Fach sein.

Die Permira Beteiligungs GmbH ist aus der früheren Schroder Ventures hervor gegangen und betreut seit 1985 ein Fondsvolumen von fast 6 Mrd. Euro. Ein Einstieg bei Premiere wäre für die angesehene Investmentgesellschaft das erste Engagement in der risikoreichen Medienbranche.

Premiere hat am Donnerstag auch den Abschluss zweier Verträge mit Hollywoodstudios bekannt gegeben. Mit Paramount wurde ein Deal über fünf Jahre getroffen. Außerdem kaufte der Sender von Sony Pictures ein großes Filmpaket. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Premiere hat nun mit sieben amerikanischen Studios Neuverträge geschlossen. Nur noch Disney fehlt. Für Hollywood ist Deutschland nach den USA der wichtigste Markt.

Premiere-Chef Kofler arbeitet seit elf Monaten daran, die Tochter der insolventen Kirch Pay TV mit einem harten Sparkurs, billigeren Gebühren und mehr Abonnenten in die schwarzen Zahlen bringen. Laut Kofler ist das Weihnachtsgeschäft "sehr erfreulich" gelaufen. Bis zum Jahresende werde die Grenze von knapp 2,6 Mill. Abonnenten erreicht. Möglicherweise wäre die Zahl der zahlenden Kunden schon höher, hätte Premiere das Problem der Schwarzseher im Griff. Ihre Zahl wird auf 500 000 bis 1 Million geschätzt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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