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Gutes Weihnachtsgeschäft lässt den Handel hoffen

Der Einzelhandel hat seine Prognosen für das kommende Jahr nach oben revidiert. Von einer Trendwende könne aber noch nicht geredet werden, hieß es weiter.

Reuters BERLIN. Das unerwartet lebhafte Weihnachtsgeschäft hat den Pessimismus im deutschen Einzelhandel leicht gebremst. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erklärte am Donnerstag in Berlin, er rechne für das kommende Jahr nun mit einem nominalen Umsatzzuwachs von 0,5 %, was preisbereinigt ein Umsatzminus von 0,25 % bedeute. Ende Oktober, einige Wochen nach den Anschlägen in den USA, hatte der HDE noch die Befürchtung geäußert, dass die Einzelhandelsumsätze 2002 preisbereinigt um 1,5 % und damit noch um rund einen Prozentpunkt stärker sinken könnten als für 2001 erwartet. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr sagte auf Anfrage jedoch, es wäre falsch, aus der neuen Umsatzprognose auf eine Trendwende oder einen Stimmungsumschwung zu schließen.

"Das Weihnachtsgeschäft ist für den Einzelhandel gut verlaufen", erklärte der HDE. "Unter dem Strich ist es besser als im letzten Jahr gelaufen", ergänzte Pellengahr. Auch nach Weihnachten und bis in die ersten Januartage hinein erwarte die Branche hohe Umsätze. Der Verband hatte wiederholt betont, das Weihnachtsgeschäft solle Aufschluss über die künftige Umsatzentwicklung geben. Der HDE-Sprecher dämpfte aber zu großen Optimismus. "Im Februar wird wieder der graue Alltag eingekehrt sein, Deutschland steckt mitten in einer Rezession", sagte er.

HDE-Chefvolkswirt Robert Weitz betonte, trotz des guten Weihnachtsgeschäfts und der etwas besseren Aussichten werde das Einzelhandelsgeschäft schwierig bleiben. So dürfte 2002 die Zahl der Einzelhandelsbetriebe im Saldo um 4000 bis 5000 sinken. Dass die Zahl der Beschäftigten in der Branche dennoch nur um knapp 11 000 zurückgehen werde, sei vor allem auf die steigende Zahl der Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen. Derzeit beschäftigt die Branche rund 2,8 Mill. Menschen. Ein wesentlicher Faktor für die verbesserte Umsatzprognose 2002 sei die günstige Preisentwicklung, sagte Pellengahr. Rückläufige Benzin-, Energie- und Lebensmittelpreise würden die Haushaltsbudgets stärken. Die Preissteigerung im Einzelhandel werde für 2002 mit durchschnittlich 0,75 % nun deutlich positiver eingeschätzt als noch vor einigen Monaten. Zudem seien die Oktober-Prognosen noch stark von den Unsicherheiten nach den Anschlägen vom 11. September geprägt gewesen, sagte Pellengahr.

Die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel bleiben nach den Worten des HDE-Konjunkturexperten Weitz aber schwierig. Die hohe Arbeitslosigkeit werde bis weit in das nächste Jahr hinein andauern und die Kaufbereitschaft der Konsumenten dämpfen. Hinzu komme, dass die Einkommensentwicklung für die breite Masse der Bürger ungünstiger als 2001 ausfallen dürfte. Vermögens- und Unternehmereinkünfte dürften nur wenig zunehmen, die Einkommen der Arbeitnehmer netto kaum mehr als die Preise steigen. Es bestehe deshalb nur wenig Spielraum für eine Ausdehnung des privaten Konsums. Insgesamt rechneten die meisten Experten mit einem realen Zuwachs der privaten Konsumausgaben um ein bis 1,5 %.

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