Gysi weist Kritik zurück
Beratungen zur Herlitz-Sanierung

Das Schicksal des zahlungsunfähigen Berliner Papier- und Schreibwarenherstellers Herlitz steht am Montag bei einem Treffen zwischen Insolvenzverwalter und Banken auf dem Spiel. Elf Banken wurden zum Rettungsversuch geladen.

HB/ dpa/ Berlin. Während sich in der Politik der Streit um die Verantwortung für das Herlitz-Debakel fortsetzt, hat der Berliner Rechtsanwalt Peter Leonhardt als gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter die Vertreter von elf Banken nach Berlin geladen. Sie sind die mit Abstand größten Gläubiger und zugleich Mehrheitsaktionäre des Konzerns. Leonhardt wird den Banken zudem die aktuellen Geschäftszahlen präsentieren.

Ziel ist es, von den Banken einen Überbrückungskredit zu erhalten, mit dem das Unternehmen vorläufig weiter arbeiten kann. Gespräche mit Lieferanten und Personalvertretern als weitere Herlitz - Gläubiger sollen folgen. Bei Herlitz sind insgesamt 3000 Arbeitsplätze gefährdet.

Der größte deutsche Papier- und Schreibwarenhersteller hatte am vergangenen Mittwoch Insolvenz anmelden müssen, nachdem sich die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Banken nicht über weitere Kredite und eine Landesbürgschaft einigen konnten.

Während die Hauptstadt-CDU dem rot-roten Senat Versagen vorgeworfen hat, weil er nicht mit ausreichenden Bürgschaften eingesprungen sei, wandte sich Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) gegen derartige staatliche Beihilfen. "Was nichts mehr wird, sollte (...) nicht mehr künstlich subventioniert werden", sagte er dem "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe). Die DDR sei an der permanenten Verletzung von Marktgesetzen gescheitert, und auch in Berlin werde dies immer wieder versucht, beklagte Gysi: "Ich finde hier ein weit verbreitetes staatssozialistisches Denken vor."

Trotz der Krise bei Herlitz geben sich das bisherige Management sowie Leonhardt aber zuversichtlich, dass wesentliche Teile des Unternehmens sowie die meisten Arbeitsplätze erhalten werden können. Die Produktion bei Herlitz läuft nach Angaben einer Firmensprecherin derzeit noch in vollem Umfang weiter.

Das fast 100 Jahre alte Unternehmen drücken nach misslungenen Ausflügen nach Russland und ins Immobiliengeschäft rund 300 Millionen Euro Altschulden. Im vergangenen Jahr machte Herlitz 50 Millionen neue Verluste. Das Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank hält rund 70 Prozent der Herlitz-Anteile. Für Dienstag ist in der Herlitz-Zentrale in Berlin-Tegel eine Betriebsversammlung geplant.

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