Haas rät Stich zu anderem Job
Waldenfels: „Kein Chaos beim DTB"

Dem geräuschvollen Abgang von Michael Stich soll im krisengeschüttelten deutschen Daviscupteam endlich Harmonie folgen. Dazu hat der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Georg von Waldenfels, in einem eindringlichen Appell aufgerufen. "Was wir brauchen, ist Ruhe. Wir müssen uns als Einheit begreifen und die Eitelkeiten hinten anstellen", sagte Waldenfels am Dienstag im "Morgenmagazin" der ARD.

HB BERLIN. "Es gibt kein Chaos beim DTB", betonte der frühere bayerische Finanzminister, obwohl beim Abstiegsspiel gegen Venezuela in Patrick Kühnen bereits der vierte Teamchef seit der Trennung von Niki Pilic 1997 auf der Bank sitzen wird. "Mit Kühnen haben wir einen Teamchef, der die Kontinuität wahrt", so Waldenfels.

Der ehemalige Daviscup-Spieler und jetzige DTB-Trainer ließ in der Zeitung "Die Welt" (Dienstag-Ausgabe) offen, ob er für eine längerfristige Zusammenarbeit zur Verfügung steht. Es müssten noch Gespräche geführt werden. Mit Blick auf das Abstiegsspiel vom 20. bis 22. September in Karlsruhe fügte Kühnen hinzu: "Mit dem Sieg kann die Basis geschaffen werden, dass das Ganze wieder nach vorne geht."

Waldenfels erklärte, er habe noch am Samstag telefonisch versucht, Stich von der Absicht seines Rückzuges nach nur elfmonatiger Amtszeit abzubringen. Auf die heftige Kritik des Wimbledonsiegers an der Mannschaft hatte der DTB-Präsident am Montag dann mit der Entlassung reagiert. In der ARD lobte er Stich jedoch für dessen Arbeit und kündigte an, viele Ansätze aus dem sportlichen Konzept des 33-Jährigen zu übernehmen. Über dessen Umsetzung hätte nach der Partie gegen die international zweitklassigen Venezolaner diskutiert werden sollen. Dort wollte Stich Boris Becker für das Doppel reaktivieren, stieß damit aber auf den Widerstand der Spitzenkräfte Thomas Haas und Rainer Schüttler. Schon beim World Team Cup im Mai soll es erste Störungen in der internen Kommunikation gegeben haben.

Haas übte in der "Welt" massive Kritik an Stich, dem er wegen eines Streites mit dem DTB für die verlorene Erstrundenpartie in Kroatien abgesagt hatte. "Wer als Daviscup-Kapitän nur so kurz zu den US Open kommt, mit mir nur zehn Worte spricht oder, wenn Alex Popp spielt, lieber zum Shopping geht anstatt sich das Match anzusehen, der sollte vielleicht einen anderen Job machen. Das hat mich wirklich enttäuscht", meinte Haas und lobte den vor einem Jahr abgetretenen Kapitän Carl-Uwe Steeb. Dieser sei stets für die Spieler da gewesen. Stich hatte dagegen bemängelt, kein Spieler habe mit ihm das Gespräch gesucht, Haas habe weder auf E-Mails noch auf die Bitte um Rückruf reagiert.

Nicolas Kiefer bedauerte dagegen Stichs Abgang und lobte dessen großes Engagement in Kroatien. Der Holzmindener, Haas sowie Rainer Schüttler und David Prinosil stehen im Aufgebot für die Partie gegen Venezuela. Kiefer musste beim ATP-Turnier in Taschkent während seines Auftaktspieles am Montag allerdings wegen einer Schienbeinverletzung aufgeben. Über die Schwere der Blessur lagen am Dienstag zunächst weder dem DTB noch Kühnen nähere Informationen vor.

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