Habitus ist entscheidend
Von klein auf überlegen

Sie glauben, beinhart arbeiten und gut qualifiziert sein genügt, um Karriere zu machen? Mitnichten, sagt Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der Universität Darmstadt. Nur in 25 Prozent der Fälle sind Arbeitseinsatz und Kompetenz ausschlaggebend für die Beförderung.

Wirklich wichtig ist dagegen Souveränität: Stets angemessenes Auftreten, keine Unkontrolliertheiten, breites Allgemeinwissen und Mut. Der einzige Haken daran: Souveränität lässt sich nicht lernen. Entweder man hat sie in die Wiege gelegt bekommen - oder man wird nie souverän. Diese Erkenntnis gewann Hartmann, der auf Managementsoziologie und Eliteforschung spezialisiert ist, nach der Auswertung von 6 500 Lebensläufen promovierter Ingenieure, Juristen und Wirtschaftswissenschaftler aus vier Jahrzehnten.

Das Ergebnis: Weder Examensnote noch Promotion sind entscheidend für den Aufstieg, sondern der Habitus. Ob sich jemand zu bewegen weiß, wie er daherkommt und wie er auf andere wirkt. Dazu gehört zum Beispiel auch der Mut, Inhalte und Instanzen in Frage zu stellen. Hartmann befragte nach der Auswertung der Spitzenkarrieren auch Top-Manager. Heraus kam: Kinder von Vorstandschefs, Professoren oder anderen Entscheidern bleiben im Top-Management oft unter sich.

Das Resümee: Je größer das Unternehmen, umso größer die soziale Selektion. Böse Absicht, Aufsteiger aus einfachen Verhältnisse nicht nach oben zu lassen, wittert Hartmann nicht. Vielmehr spiele das Unbewusste eine Rolle. "Man sucht seinesgleichen - ohne dass man es merkt." So aufzutreten wie andere an der Spitze kann man kaum lernen. Gutes Benehmen, Kleidung oder welcher Wein zu welchem Essen passt, sei auch für Aufsteiger erlernbar, sagt Hartmann. "Wichtiger ist aber: Da stimmt die Chemie, die Souveränität, man füllt den Raum."

Männer an der Spitze stellen Männer ein, die sind wie sie: solche, die zur richtigen Zeit das richtige Thema ansprechen und souverän mit Benimmregeln umgehen. Spätestens dann verraten sich Nichtkenner mit schwitzenden Händen oder überkorrektem Auftreten. Dass Hartmann richtig liegt, ist für Hans-Helmut Böhler von der Böhler+Busch Personalberatung in Hamburg keine Frage: "Weiche Faktoren spielen eine Rolle. Und die Persönlichkeit wird durch das Elternhaus geprägt. Wo Großkopferte regelmäßig zu Besuch kommen, haben die Leute kein Problem, diesen Menschen gegenüber natürlich aufzutreten."

Und später aufzutreten als jemand, der bestimmt. Durch das Elternhaus in eine Führungsrolle wachsen zu können, ist ein Vorteil, bestätigt Friedrich von Bohlen. Der Spross der Krupp-Familie leitet nicht nur die Lion Bioscience AG, sondern engagierte sich auch bei der Initiative "Chancen für alle". "Meine Eltern kannten viele Entscheidungsträger", sagt er. "Deshalb habe ich keine Angst, solche Leute anzusprechen." Berater Böhler urteilt: Dieses natürliche Führungsverhalten ist wichtig. "Ausstrahlung und Selbstsicherheit sind die Hälfte des Erfolges."

Auch Alexander Rittweger, Chef des Kundenkarten-Unternehmens Loyalty Partner in München, ist so ein Typ. Er bestätigt: "Wenn man von klein auf mit Leuten verkehrt, die man aus der Zeitung kennt, ist das normal." Sein Vater leitete den Flughafen München, die Mutter war Oberärztin an der Uniklinik, alle vier Söhne landeten in ordentlichen Positionen. Mit der Lufthansa und Unternehmensberater Roland Berger gründete Rittweger nach einer steilen Beraterkarriere vor vier Jahren Loyalty Partner.

Deren Produkt, die blau-weißen Payback-Karten, tragen heute 20 Millionen Konsumenten im Portemonnaie. Auch für ihn selbst ist die richtige Mischung aus Respekt und selbstbewusstem Auftreten ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie half ihm, bei Beratungsprojekten sogar an der Seite von Altmeister Roland Berger selbstbewusst den Mund aufzumachen. "Gegen so starke Persönlichkeiten muss man sich erst mal durchsetzen." Aber das wird dann auch anerkannt.

Quelle: Handelsblatt

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