Hälfte der deutschen Top-Manager erwartet für 2001 schrumpfende Gewinne – Nur ein Viertel rechnet mit Ertragssteigerungen
Beschäftigungsklima ist so schlecht wie noch nie

Die Stimmung unter den deutschen Top-Managern entspricht dem allgemeinen Konjunkturklima: Sie ist denkbar schlecht. Noch nie seit dem Start des Handelsblatt Business-Monitors 1999 haben die Führungskräfte die Entwicklung von Investitionen und Beschäftigung so negativ beurteilt wie derzeit.

DÜSSELDORF. Die November-Umfrage des Handelsblatt Business-Monitors liefert ein rundum trübes Stimmungsbild. Die 828 Top-Manager, die im Rahmen der repräsentativen Erhebung zu ihren Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage und der Konjunkturperspektiven befragt worden sind, fürchten mehrheitlich eine Verschlechterung der Standortbedingungen, sind mit Blick auf Investitionen und Beschäftigung pessimistisch wie nie zuvor und erwarten zur Hälfte schrumpfende Gewinne.

Das Standortklima hat sich gegenüber der Oktober-Umfrage verschlechtert und sich wieder dem absoluten Stimmungstief vom Juni genähert. Wie vor fünf Monaten erwartet eine Mehrheit der Befragten (52 %) eine Verschlechterung der Standortbedingungen in den kommenden zwölf Monaten (untere Grafik rechts). Im Oktober waren es 40 % gewesen. 16 % (Vormonat: 24 %) rechnen mit "gleich schlechten" Bedingungen. Nur ein knappes Drittel ist positiv gestimmt: 15 % (Oktober: 14 %) erwarten verbesserte Standortbedingungen, 17 % (23 %) "gleich gute".

Damit konnte sich der leichte Aufwärtstrend von September und Oktober nicht fortsetzen, der auf eine Konjunkturerholung etwa im ersten Quartal 2002 hoffen ließ. Die neuerliche Stimmungsverschlechterung könnte darauf hindeuten, dass die Top-Manager erst jetzt die Auswirkungen der Terroranschläge in den USA auf ihr Unternehmen in vollem Umfang einschätzen konnten.

Politik nicht Schuld an Talfahrt des Standortklimas

Die Talfahrt des Standortklimas scheint jedenfalls in erster Linie auf die Konjunktur und nicht auf die Politik zurückzuführen zu sein. Die aktuellen Bewertungen einzelner wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen - sie werden einmal pro Jahr zusätzlich abgefragt - sind nämlich in diesem Jahr ganz ähnlich ausgefallen wie bei der letzten Umfrage im Dezember 2000 - mit einer Ausnahme: Die steuerlichen Rahmenbedingungen werden mit der Durchschnittsnote 3,7 (auf einer Skala von 1: sehr gut/sehr günstig bis 5: sehr schlecht/ sehr ungünstig) spürbar schlechter benotet als vor einem Jahr, als die Note 3,3 vergeben wurde. Offenbar hat die Unternehmensteuerreform die in sie gesetzten Erwartungen bislang enttäuscht.

Ansonsten aber werden die politisch beeinflussbaren Standortparameter fast gleich wie vor einem Jahr bewertet. Unverändert beurteilen die Manager die Höhe der Arbeitskosten sehr negativ (Note 4,1 gegenüber 3,9 im Vorjahr). Dagegen erhalten die Qualifikation der Arbeitskräfte (2,4) und die Qualität der Infrastruktur (2,3) exakt dieselben Noten wie 2000. Insgesamt kommt der Investitions- und Produktionsstandort Deutschland mit der Note 3,1 nur etwas schlechter weg als im Vorjahr (2,9).

Der Klimaeinbruch hat sich freilich voll auf die aktuellen Investitions- und Beschäftigungspläne der Führungskräfte niedergeschlagen. Investitions- und Beschäftigungsklima haben einen neuen Tiefpunkt seit dem Start des Business-Monitors Anfang 1999 erreicht. Nur mehr 17 % der Top-Manager (Oktober: 21 %) wollen die Investitionen in den kommenden zwölf Monaten erhöhen, 36 % planen weniger Investitionen, zwei Prozentpunkte mehr als im Oktober. 47 % wollen das Investitionsvolumen konstant halten.

Trübe Aussichten für das Wahljahr 2002

Auch die Beschäftigungsperspektiven für das Wahljahr 2002 sind ganz und gar nicht ermutigend. 43 % der Führungskräfte, so viele wie noch nie seit Beginn der Befragungen, wollen die Zahl der Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen verringern, das sind nochmals vier Prozentpunkte mehr als im Oktober. Als bevorzugte Instrumente zum Abbau der Mitarbeiterzahl nannten sie zu 66 % Fluktuation, zu 59 % Vorruhestand oder Teilzeitmodelle und zu 47 % betriebsbedingte Kündigungen (hier waren Mehrfachantworten möglich). 17 % (Oktober: 18 %) wollen die Mitarbeiterzahl erhöhen, 41 % wollen sie nicht ändern.

Eine wesentliche Ursache für die zunehmende Zurückhaltung der Unternehmensführer dürften ihre rückläufigen Ertragserwartungen sein (Grafik links). Nur noch ein gutes Viertel (26 %) rechnet für 2001 mit höheren Gewinnen als im Vorjahr. Im April, als diese Frage zuletzt gestellt worden war, waren es noch 31 %. 22 % (April: 37 %) erwarten gleich bleibende Gewinne, während mittlerweile fast die Hälfte (49 %) einen Gewinnrückgang befürchtet. Im April waren es erst 32 %. Die schlechte Ertragslage wird aber laut Umfrageergebnis nur in 18 % der Unternehmen zu Einschränkungen oder Kürzungen bei Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder Prämien führen. 77 % der Top-Manager planen solche Einschränkungen nicht, in 4 % der Unternehmen sind Kürzungen bereits umgesetzt.

Ertragserwartungen lassen ein wenig hoffen

Die Ertragserwartungen für 2002 lassen ein wenig hoffen. 31 % erwarten da steigende Gewinne, ebenso viele fürchten ein weiteres Schrumpfen, 33 % rechnen mit gleich bleibenden Erträgen. Das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten ist für das kommende Jahr damit günstiger als für das laufende. Dies deutet darauf hin, dass die konjunkturelle Talsohle demnächst erreicht sein dürfte.

Wie der Sachverständigenrat halten auch die Top-Manager angesichts der derzeitigen konjunkturellen Situation Lohnzurückhaltung für geboten. 42 % wollen nur einen Inflationsausgleich gewähren, während weitere 41 % einen Lohnabschluss von etwa 2 % für geboten halten. Dieses Ergebnis legt den Schluss nahe, dass die Top-Manager einen Rückgang der Inflation für wahrscheinlich halten - derzeit liegt die Teuerungsrate nämlich ohnehin schon bei 2 %. 16 % wollen beim Lohnabschluss über die Zweiprozent-Marke hinausgehen.

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