Hälfte der Firmen MDax und Neuen Markt betroffen
Bilanzexperten drängen zu Eile bei IAS-Umstellung

Bilanzexperten drängen die börsennotierten Unternehmen in Deutschland, möglichst bald mit der Umstellung auf die künftige Konzernrechnungslegung nach den International Accounting Standards (IAS) zu beginnen.

Reuters FRANKFURT. Die von 2005 an vorgeschriebenen Änderungen verlangten enorme Vorbereitungen, mahnen die Fachleute. Zudem müsse zumindest das komplette Jahr 2004 nach IAS bilanziert werden.

"Wir befürchten, dass eine ganze Reihe von Unternehmen den Aufwand unterschätzt, der mit der Umstellung verbunden ist", sagt Markus Zeimes vom Deutschen Rechnungslegungs-Standards Committee (DRSC). "Dann kann es leicht passieren, dass diese Unternehmen zu spät mit der Umstellung auf IAS beginnen." Auch Peter Wiesner, Justiziar und Bilanzexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt davor, zu spät auf IAS umzustellen. "Die Unternehmen müssen sich der Dringlichkeit bewusst sein und die Vorbereitungen bald in Angriff nehmen."

Hälfte der Firmen MDax und Neuen Markt betroffen

Laut einer Anfang Juni vom EU-Ministerrat verabschiedeten Verordnung müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen bei ihrer Konzernrechnungslegung ab dem Jahr 2005 die IAS-Regeln anwenden. In Deutschland sind davon vor allem die börsennotierten Unternehmen betroffen, die derzeit im Konzern noch nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) oder nach den in den USA gültigen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) bilanzieren. Das sind jeweils rund die Hälfte der Unternehmen im MDax und im bisherigen Neuen Markt.

Eine Ausnahme gilt für diejenigen Unternehmen, die nach US-GAAP bilanzieren und gleichzeitig an einer US-Börse gelistet sind, zum Beispiel DaimlerChrysler. Diese Unternehmen müssen erst 2007 ihren Konzernabschluss auf IAS umgestellt haben. In Hinblick auf die europaweite Verpflichtung zur Einführung der IAS-Regeln hat das International Accounting Standards Board (IASB) einen Entwurf vorgelegt, der Regelungen für die erstmalige Anwendung der IAS vorsieht.

Bereits 2004 muss mit IAS gestartet werden

"Wenn die Unternehmen das Risiko fehlerhafter Abschlüsse vermeiden wollen, müssen sie bald mit den Vorbereitungen beginnen", sagt auch Manfred Hannich, der bei dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG zuständig für die Umstellung auf IAS ist. Schließlich verlange der neue IAS-Standard mindestens ein Vergleichsjahr. Also müsse bereits das Jahr 2004 komplett nach IAS bilanziert werden, wobei natürlich eine Doppelbilanzierung HGB/IAS gestattet sei. Hannich und andere empfehlen den Unternehmen aber dringend, bereits für das Jahr 2003 einen Probeabschluss nach IAS zu erstellen. Denn einerseits sei der Aufwand der Umstellung enorm. Und andererseits könnten die Unternehmen auf diese Weise rechtzeitig Schwächen in den betrieblichen Abläufen beseitigen.

Die Vorbereitungen seien unter anderem deshalb so groß, weil der Entwurf des IASB die so genannte retrospektive Anwendung vorsieht. Dass heisst, die Eröffnungsbilanz nach IAS muss so erstellt werden, als sei schon immer nach IAS bilanziert worden. "Bei einem Großteil der Bilanzposten muss also die Bewertung über Jahre zurückverfolgt und rückwirkend geändert werden", sagt DRSC-Experte Zeimes. "Und nun stellen Sie sich einen mittelgroßen Konzern vor, der 50 Tochterfirmen in seinen Abschluss einbezieht. Der Aufwand ist enorm."

IAS-Bilanzierung kann Ergebnisse steigern

Den ersten Ergebnissen einer Feldstudie zufolge, die das DRSC derzeit vornimmt und für die es noch interessierte Unternehmen sucht, wirken die Bewertungsänderungen tendenziell ergebnissteigernd. Allerdings sehen die IAS-Regelungen vor, dass die Buchgewinne aus den Umstellungen nicht in die Gewinn- und Verlustrechnungen der Unternehmen einfließen, sondern ergebnisneutral mit dem Eigenkapital verrechnet werden.

Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers, die im Juni veröffentlicht wurde, gehen fast alle befragten deutschen Unternehmen davon aus, bei der Umstellung den Termin 2005 einhalten zu können. Allerdings kam die Studie auch zu dem Ergebnis, dass "Zeitprobleme und das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter die Haupthindernisse bei der Umstellung" seien.

Viele der betroffenen MDax-Unternehmen haben die Umstellung indes schon abgeschlossen oder sind mit den Vorbereitungen bereits weit fortgeschritten - so etwa Gildemeister, die Norddeutsche Affinerie oder Drägerwerk. Sixt, Fielmann oder Gehe hingegen lassen sich Zeit. Ein Gehe-Sprecher sprach von einem "sehr entspannten Prozess, bei dem wir nicht unter Zugzwang stehen".

DRSC-Experte Zeimes sieht das anders: "Wenn die Unternehmen sich nicht beeilen, entstehen Abschlüsse nach dem Motto: Dieses Jahr steht IAS schon drauf, nächstes Jahr ist es auch drin.

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