Hälfte der Pädagogen mit 60 Jahren nicht mehr im Beruf
Lehrer sind Schulanforderungen nicht mehr gewachsen

dpa BIELEFELD. Die Situation an deutschen Schulen macht nach Erkenntnissen von Experten die Lehrer krank. "Aus gesundheitlichen Gründen ist bundesweit die Hälfte aller Pädagogen mit 60 Jahren nicht mehr im Beruf", sagte der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmanm . Bis zur Pensionsgrenze von 65 Jahren sei kaum noch ein Lehrer im Amt.

Vor allem der Lärm, der in den Pausen mit bis zu 90 Dezibel weit über den Lärmschutzbestimmungen liege, mache den Lehrern zu schaffen. Auch der Dauerkontakt mit einzelnen, an Infektionen erkrankten Kindern verursache gesundheitliche Probleme. Als besonders alarmierend bezeichnete Hurrelmann die psychischen Belastungen, denen die Pädagogen ausgesetzt seien. "Die Lehrer stehen ständig unter hohem Zeitdruck, müssen sich pro Vormittag auf bis zu 150 Kinder einlassen und werden häufig mit der Aggressivität der Schüler konfrontiert", betonte der Gesundheitswissenschaftler. Hinzu komme das Fehlen von Erfolgserlebnissen und die permanente Angst, die Kontrolle über die Situation im Klassenzimmer zu verlieren.

Als Folge dieser Belastungen leiden nach den Worten Hurrelmanns immer mehr Lehrer unter Depressionen, Schuldgefühlen und Schlafstörungen. Auch der Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Drogen sei in Lehrerkreisen keine Seltenheit mehr. Hurrelmann kritisierte, dass im Unterschied zu anderen Betrieben in Schulen keine Ärzte für die Regelung von Arbeits- und Gesundheitsbedingungen zuständig seien. "Die Schule ist in Deutschland leider ein arztfreier Raum. Die Ärzte greifen erst dann ein, wenn es zu spät ist und eine Frühpensionierung wegen Depressionen, Burn-Out oder Alkoholismus nicht mehr vermeidbar ist", sagte er.

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