Händeschütteln über der Türschwellegilt als ein schlechtes Omen
Knigge für den Umgang mit Polen

Polnischkenntnisse sind unerlässlich für diejenigen, die in Polen längerfristig Erfolg im Beruf haben wollen. Zwar haben viele Polen in der Schule Englisch oder auch Deutsch gelernt, aber häufig beherrschen sie Fremdsprachen nur passiv: Sie verstehen sie, trauen sich aber nicht, sie zu sprechen.

job WARSCHAU. In jüngster Zeit pauken jüngere Leute verstärkt in Abendschulen vor allem englische Konversation. Oft handelt es sich dabei um Mitarbeiter größerer Unternehmen. Bei Behördengängen benötigen Deutsche in jedem Fall sehr gute Polnischkenntnisse oder einen Dolmetscher.

Polen legen großen Wert auf Pünktlichkeit und Höflichkeit. Auf kurze, laute Sätze und strenge Blicke reagieren Polen mit schlechter Laune. Vor allem ausländische Manager müssen in Polen noch mehr soziale Kompetenz haben als in Deutschland. Bei der Anrede ist die Variante Pani (Frau) oder Pan (Herr) plus Vornamen üblich. Der Nachname bleibt unerwähnt. Bei leitenden Persönlichkeiten nennt man statt des Vornamens den Titel, zum Beispiel Prezes (Vorstand) oder Dyrektor (Direktor). Soziale Hierarchien werden respektiert. So setzen ältere Herren aus der Provinz noch häufig zum Handkuss an.

Händeschütteln über der Türschwelle gilt in Polen als schlechtes Omen. Deshalb zuerst den Raum betreten und dann, wenn überhaupt, die Hand zur Begrüßung reichen. Von Polen als osteuropäischem Land zu sprechen, wird als Beleidigung aufgefasst. Denn Polen sehen sich als Mitteleuropäer. Kritik an ihrem Land und an sich vertragen die Polen nicht. Sie sind sehr stolz und selbstbewusst. Außerdem nehmen sie den Katholizismus, ihr Brauchtum und ihre Traditionen sehr ernst.

Kompromissbereitschaft gehört bislang nicht zu den Stärken der Polen. Sie verhandeln gut vorbereitet, knallhart und in der Regel länger, als es in Deutschland üblich ist. Um den allerniedrigsten Preis zu erzielen, laden polnische Geschäftspartner auch gerne zu Nachverhandlungen ein. Für einwandfreie Verträge sollten Deutsche landeskundige Rechtsanwälte zu Rate ziehen. So ist zum Beispiel ein Vertrag in Fremdwährung in Polen ungültig.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Dieser Spruch gilt in Polen uneingeschränkt. Das Spektrum der Erwartungen reicht vom edlen Kugelschreiber über Einladungen zu Konzerten bis hin zu Auslandsreisen, etwa nach Mallorca. Hingegen sind Einladungen nach Hause zumindest in Warschau aus der Mode gekommen. Noch vor zwölf Jahren, als es kaum Restaurants in Polen gab, galten solche Einladungen als Auszeichnung.

Die polnische Bürokratie gilt als sehr unorganisiert - fast jeder Vorgang ist zeitaufwändig und mit viel Warterei verbunden. Außerdem verhalten sich Beamte noch ungewohnt autoritär, polnische Bürger lassen sich wie Bittsteller behandeln. Bei Verhandlungen mit Behörden gilt es, Hierarchien zu beachten. Die polnischen Gerichte sind völlig überlastet, weshalb die Rechtsdurchsetzung sehr lange dauert. Es empfiehlt sich also, von Anfang an alle Details eines Vertrages genau zu klären.

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