Händler bleibt skeptisch: "Cash Burner hat lediglich etwas Zeit gewonnen"
Analyst: Kurzfristige Insolvenzgefahr bei Brokat gemildert

Als einen wichtigen Beitrag zur Bereinigung des Liquiditätsproblems und damit eine Milderung der kurzfristigen Insolvenzgefahr bei der Brokat AG, Stuttgart, bezeichnet Analyst Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer Schnelleinschätzung die neuerlichen Verkäufe von Geschäftsbereichen und Unternehmensteilen in den USA.

vwd/dpa-afx STUTTGART. Kritisch sieht Maier allerdings die von Brokat dafür erzielten Preise. Gegenüber den damaligen relativ hohen Übernahmepreisen dürfte nach Einschätzung des Analysten "nicht mehr viel übrig geblieben" sein.

Generell sieht Maier einen "Neuanfang" für Brokat. Das Kostenniveau dürfte sich durch den erheblichen Mitarbeiterabgang stark verbessern. Das Ausscheiden von Vorstandsprecher Stefan Röver sieht Maier als "nicht sehr erfreulich" an.

Brokat Anstieg um 25 % könnte ein Strohfeuer bleiben

Die Brokat Aktien haben am Freitag kräftig zugelegt. Im frühen Handel gewann das Papier um 22,93 % auf 1,92 ?, während der Nemax 50 um 9.40 Uhr zeitgleich bei 1 086,81 Stellen um 1,76 % im Plus stand.

Zuvor hatte das Unternehmen den Verkauf zweier Unternehmensteile und das Ausscheiden des Vorstandssprechers Stefan Röver mitgeteilt. "Die gehen ein wenig hoch, aber das wird wieder verpuffen", schätzte ein Händler einer Großbank ein. Das Grundproblem von Brokat sei mit den Verkäufen noch nicht gelöst. "Brokat hat durch den Verkauf der 'Cash Burner' lediglich wieder etwas Zeit gewonnen", sagte der Börsianer. Ein Investor sei nach wie vor nicht in Sicht.

Was nach den Verkäufen der letzten Zeit verbleiben würde, sei auf Dauer zu wenig um für strategische Investoren attraktiv zu sein. "Es ist schwerer einen Investor für solch einen Torso zu finden, als für ein weltweit agierendes Unternehmen", sagte der Händler.

Auch der Weggang des Vorstandssprechers Stefan Röver würde kaum ins Gewicht fallen. "Das ist ziemlich egal. Eine Glanzleistung hat Röver wahrlich nicht vollbracht", hieß es.

BW-Bank-Analystt: M-Commerce-Verkauf macht wenig Sinn

"Operativ wenig Sinn" macht nach Ansicht von Helmut Bartsch, Analyst bei der Baden Bank AG-Württembergischen (BW-Bank), Stuttgart, der Verkauf der wichtigen M-Commerce-Aktivitäten durch Brokat. Als zumindest mit entscheidend für die neuerlichen Verkäufe von Geschäftsbereichen und Unternehmensteilen durch Brokat sieht Bartsch, wie er auf Anfrage in einer Schnelleinschätzung sagte, die Rolle der Bondholder der hochverzinslichen 125-Millionen-Euro-Anleihe, die Brokat im März 2000 begeben hatte. Brokat habe somit möglicherweise nicht mehr viel Spielraum mehr bei seinen Entscheidungen gehabt.

Das Ausscheiden von Vorstandssprecher Stefan Röver bei Brokat sei "ein bisschen irritierend" meinte der Analyst. Andererseits sei es konsequent, weil Röver dem Geschäftszweig folge, der Zukunft habe.

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