Archiv
Händler erwarten bei Börsenfusion frische Impulse für Aktienmarkt

Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch die Deutsche Börse würde nach Auffassung deutscher Händler mehr Vor- als Nachteile bringen.

dpa-afx FRANKFURT. Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch die Deutsche Börse würde nach Auffassung deutscher Händler mehr Vor- als Nachteile bringen. Steigende Handelsvolumina und in der Folge sinkende Preise könnten ihrer Meinung nach wieder neuen Schwung in den träge dahin plätschernden Aktienhandel bringen, ergab eine Umfrage der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Deutsche Börse will die LSE für 1,35 Mrd. Pfund übernehmen. Die LSE hält das Gebot für zu niedrig. Als möglicher Gegenspieler der Deutschen Böre gilt der pan-europäische Börsenbetreiber Euronext .

Keiner der von dpa-AFX Befragten geht davon aus, dass die Deutsche Börse ihren beinahe begangenen Fehler von vor rund vier Jahren - als sie die LSE schon einmal übernehmen wollte - wiederholen wird und Segmente nach London auslagern könnte. Dass eine mögliche Übernahme Händler-Arbeitsplätze gefährden könnte, wird ebenfalls nahezu ausgeschlossen. "Da müsste Vorstandschef Werner Seifert vorhaben, den Standort Deutschland zu kippen und das ist sehr unwahrscheinlich", sagte ein Händler.

Hoffnung AUF Gebührensenkung

"Ich rechne im Fall einer Großbörse Frankfurt/London eher mit frischen Impulse für den Markt, denn dann dürfte es nicht mehr lange dauern, dass britische Aktien auf Xetra gehandelt werden können", sagte ein Händler der Baden Bank-Württembergischen in Stuttgart. "Das könnte letztlich die Gebühren senken und auch die Abwicklung beschleunigen und günstiger machen."

Ähnlich sieht das der Chefhändler einer Frankfurter Bank. "Wenn wir neben Siemens und Bayer auch eine Vodafone - oder BP-Aktie handeln könnten, würde sich das sicher positiv auswirken", sagte er. Der Markt würde insgesamt größer werden, durch die britischen Aktien neue Segmente hinzukommen und die Umsatztätigkeit würde steigen. So würden zu guter Letzt auch die Transaktionskosten sinken, vermutet er. "Immerhin ist der britische Markt ein sehr großer und bedeutsamer. Aber wahrscheinlich ist das derzeit die größte Sorge der britischen Banken, dass man dann künftig nicht mehr über sie handeln muss, sondern dies direkt auf Xetra an der LSE könnte", gibt er zu Bedenken.

Einen Kassamarkt, der allein von London aus gesteuert wird, kann sich keiner der Händler vorstellen. Vor allem, weil dank des elektronischen Xetra-Systems von überall aus gehandelt werden kann. "Ich sehe da keine Abwanderungsgefahr für den Kassamarkt. Und die Präsenzbörse ist hierzulande sowieso kaum noch vorhanden", sagte der Chefhändler.

Unterschiedliche Vorschriften

Auch dass sich im Fall der Entstehung einer Großbörse zudem zahlreiche deutsche Unternehmen an der Londoner Börse listen lassen könnten und umgekehrt, hält der Händler für unrealistisch. Diese Zeiten seien erst einmal vorbei und die Richtlinien in den beiden Ländern zu unterschiedlich, sagte er. Dabei verwies er auf deutsche Unternehmen, die an der New York Stock Exchange notiert sind und dies nun gern wieder rückgängig machen würden.

Die Aufteilung von Marktsegmenten, wie sie im Jahr 2000 während der ersten konkreten und dann gescheiterten Fusionsgespräche zwischen den Frankfurtern und den Londonern geplant war, dürfte nach Ansicht der Börsianer ebenfalls kein zweites Mal in Betracht gezogen werden. "Ich hoffe, dass die Deutsche Börse dazugelernt hat", sagte ein weiterer Händler. Damals war geplant gewesen, dass die Unternehmenszentrale der Deutschen Börse nach London zieht und die deutschen Standardwerte dorthin ausgelagert werden. Nur der Neue Markt, der sich längst als Seifenblase erwiesen hat und seit rund einem Jahr eingestellt wurde, sollte in Frankfurt bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%