Händler fassen neue Zuversicht
Dax: Techs und Telekom legen kräftig zu

Die deutschen Aktien bauten am Mittwoch ihre Gewinne aus. Hohe Zuwächse verbuchten Tech-Titel wie Infineon und Siemens sowie die Aktien der Deutschen Telekom. "Endlich wieder Geld verdienen mit Aktien" - nach diesem Motto fassten viele Anleger neue Zuversicht, sagte HSBC-Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein.

FRANKFURT/M. Die größten Kursgewinne entstehen aus einer gesunden Portion Skepsis. Der gestrige Handelstag an der Frankfurter Börse bestätigte diese alte Börsenregel eindrucksvoll. "Vor Handelsbeginn haben viele mit stagnierenden Kursen gerechnet", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Börsenmakler Fritz Nols in Frankfurt. Als der Deutsche Aktienindex (Dax) dann überraschend stark eröffnete, sahen viele Zweifler sich gezwungen, in den steigenden Markt einzusteigen.

Das half den Kursen weiter nach oben: Am späten Abend überschritt das Kursbarometer zeitweise die magische Marke von 5 000 Punkten. Allerdings fehlten dann die Anschlusskäufe und die Nasdaq drehte zwischenzeitlich ins Minus, so dass der Dax zum Handelsschluss bei 4 960,22 Punkten (+1,3 %) notierte. Auch der gedämpfte Ton der Rede des amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan wirkte sich nach Aussagen von Marktteilnehmern positiv aus: "Der Fed-Chairman hält sich mit Euphorie zurück. Das ist sehr gut", sagte ein Händler.

Mit diesen Aussagen dürften die Notenbankzinsen in den USA auf ihrem niedrigen Niveau bleiben. Tiefe Zinsen helfen den Aktienkursen, weil sie Anleihen als Anlagealternative weniger attraktiv machen. Wäre Greenspan mit seinen Angaben positiver gewesen, hätte der Markt steigende Zinsen eingepreist.

Zu den Tagessiegern im Dax zählten die Technologie-Titel Infineon, Siemens und Telekom. "Am Morgen kursierte in Frankfurt die Meldung, Infineon erhöhe die Preise für seine Speicherchips (DRAMs) erneut um 15 %" sagte Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von HSBC. Zudem will der Münchener Halbleiter-Hersteller mit seiner Tochter Guardeonic Solutions in den nächsten drei Jahren die europäische Marktführerschaft auf dem Gebiet der Informationstechnologie-Sicherheit erreichen.

Deutsche Telekom profitierten nach Einschätzung eines anderen Händlers von den überraschend guten Jahreszahlen des spanischen Konkurrenten Telefónica. "Die Kursgewinne bei der Telekom sehe ich mit gemischten Gefühlen", sagte Händler Opgen-Rhein. Zwar habe der Bonner Ex-Monopolist offenbar mit dem britischen Finanzinvestor Compere einen neuen Interessenten für sein Fernsehkabelnetz gefunden. Der ursprünglich geplante Verkauf der restlichen Telekom-Kabelanteile an den US-Konzern Liberty Media wurde vom Kartellamt untersagt. "Aber in früheren Verhandlungen ist Compere bei vier Milliarden Euro ausgestiegen, während Liberty fünfeinhalb Milliarden zahlen wollte", merkte Opgen-Rhein an. Die Telekom müsse sich daher wohl mit niedrigeren Erlösen als zunächst eingeplant zufrieden geben.

Die starke Kursentwicklung der Technologie- und Telekomaktien wertete Kaiser von Nols als positives Zeichen für die nächsten Tage. "Zuerst kamen die Autowerte und Zykliker wie Thyssen-Krupp , und jetzt setzen die Leute auch wieder auf Hightech", sagte er. Somit haben Investoren wieder verstärkt riskante, schwankungsanfällige Aktien im Visier. HSBC-Händler Opgen-Rhein warnte aber: "Wir haben in den vergangenen Tagen viele plötzliche Stimmungswechsel erlebt. Morgen kann alles wieder ganz anders aussehen."

Der MDax kletterte bis zum späten Abend um 0,7 %. Unter den Regionalbörsen zeigten sich Stuttgart und Hannover etwas fester, Bremen freundlich sowie Hamburg und Berlin gut behauptet. Düsseldorf tendierte dagegen leichter, München schwächer.

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