Händler sehen EZB unter Zugzwang
Dax legt beachtlichen Schlusspurt hin

Einen Tag nach dem US-Zinsschritt erwarteten Anleger auch fallende Zinsen in Euroland und zeigten sich in Kauflaune. Gefragt waren neben Lufthansa auch Thyssen-Krupp, Adidas und BMW. Technologietitel hielten sich eher unauffällig im Mittelfeld auf. Zu den größten Verlierern gehörten die Post und Schering.

FRANKFURT/M. Nachdem der Leitzins in den USA gesenkt worden ist, befindet sich die Europäische Zentralbank nach Ansicht vieler Frankfurter Börsianer im Zugzwang, ebenfalls die Zinsschraube zu lockern. Das verbilligt Kredite, erleichtert Investitionen und dürfte zu steigenden Aktienkursen beitragen.

Zu Handelsbeginn wirkten der Zinsschritt in Übersee und die darauf folgende Kursrally an der New Yorker Börse sich auch am Frankfurter Markt positiv aus. Am Nachmittag begründeten Händler die Pluszeichen dann mit der Erwartung fallender Zinsen in Euroland am Donnerstag. Am Abend beendete der Deutsche Aktienindex (Dax) den Handel bei 4 860,66 Punkten mit 3,25 % fester.

"Die meisten Investoren scheinen in dieser Woche vor möglichen Zinsentscheidungen zu kaufen. Sind die Zinsen dann aber gesenkt, ist meiner Meinung nach eher mit Gewinnmitnahmen zu rechnen", sagte ein in London ansässiger Händler eines angelsächsischen Investmenthauses. Schließlich seien die Zinsschritte bereits in der vergangenen Woche erwartet worden und dürften inzwischen weitestgehend in den Kursen eingepreist sein, lautete seine Begründung.

Grundsätzlich habe sich der Markt auf weiter steigende Kurse eingestellt, bemerkte ein weiterer Marktteilnehmer. "Auf der Handelsseite der Banken ist in der letzten Woche das Vertrauen in die Märkte zurückgekehrt", hat er beobachtet. Seitdem der Dax nach einer kräftigen Erholungsphase in die Seitwärtsbewegung übergegangen sei, fehle es aber an Umsätzen. "Der Großteil der Anleger dürfte positioniert sein. Wer jetzt noch aktiv handelt, realisiert auch schnell mal kleinere Gewinne, um dann bei günstigeren Kursen wieder nachzukaufen", erklärte ein Händler. Trotz einer positiven Gesamtstimmung seien daher zeitweilige Kursrückschläge nicht auszuschließen.

BMW nach guten Zahlen gefragt

Im Mittelpunkt des Marktinteresses standen unter anderem die Aktien von BMW. Der Automobilhersteller hatte vor Börsenbeginn überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank stuften die Aktien daraufhin herauf und glauben nun, dass sich der Wert besser als der Marktdurchschnitt entwickelt. Die Kosten für neue Produkte seien geringer als zuvor erwartet und der Ausblick sei positiv, hieß es. Lufthansa profitierten laut Händlern von dem Zusammenbruch der belgischen Sabena. In den nächsten Tagen will Lufthansa die Lücken im Flugverkehr zwischen Deutschland und Belgien schließen und den Flugplan dauerhaft überarbeiten. Bei Adidas wirkten die besser als erwarteten Quartalszahlen vom Vortag fort. Zudem hatten Analysten von Lehman Brothers das Kursziel von 67 auf 77 erhöht. Gefragt waren auch Thyssen-Krupp, die ebenfalls von positiven Analystenkommentaren gestützt wurden. Trotz eines möglichen Verlustes seien die Aktien inzwischen fair bewertet, hieß es etwa bei HSBC in London. Die Experten von Goldman Sachs schlossen sich an und bestätigten die Aktie als "Outperformer".

Die Technologiewerte bewegten sich eher unauffällig im Mittelfeld. Zu den Kursverlierern gehörten Deutsche Post und Schering. Beide Unternehmen legen heute Quartalszahlen vor. Zur Post erklärte ein Händler, die Logistikunternehmen müssten wegen der Milzbrand-Gefahr ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Dadurch entstünden höhere Kosten. Schering hatten sich in dem bisher schwachen Börsenjahr bis Oktober bereits besser als die übrigen Dax-Werte entwickelt.

In der zweiten Reihe legten Schwarz Pharma nach guten Neunmonatszahlen zu. Der M-Dax selbst stieg um 0,7 % auf 4 206,01 Punkte. Auch an den Regionalbörsen war ein positiver Grundton festzustellen. München, Düsseldorf und Berlin schlossen im Plus, Bremen tendierte wenig verändert und der Rest uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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