Händler sehen nur technische Reaktion
Duisenberg-Rede lässt Euro kurzfristig hochschnellen

Der Euro hat im Verlauf kurzfristig ein Tageshoch bei 0,8689 Dollar erklommen. Am Morgen hatte er ein Allzeittief bei 0,8553 Dollar markiert. Analyse: Interventionen kurieren nur Symptome

Reuters BRÜSSEL. Der Euro hat am Dienstag im Verlauf einer Rede des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, kurzfristig ein Tageshoch bei 0,8689 Dollar erklommen. Im Anschluss an die Rede, während der der EZB-Präsident zur Unterbewertung der europäischen Gemeinschaftswährung Stellung nahm, notierte der Euro wie zuvor bei Kursen knapp über 0,86 Dollar.



Am Morgen hatte er wiederum ein Allzeittief bei 0,8553 Dollar markiert. Händler sagten, dass kurze Ansteigen des Wechselkurses sei "eine technische Reaktion" gewesen, keinesfalls aber eine Trendumkehr.



Verbale Interventionen von EU-Währungskommissar Pedro Solbes, Kommissionspräsident Romano Prodi, sowie dem Chef der bayerischen Landeszentralbank, Franz-Christoph Zeitler, hatten im Tagesverlauf den Euro-Trend nicht wesentlich beeinflusst. Sowohl EZB-Präsident Wim Duisenberg als auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke unterstrichen am Dienstag ihr Interesse an einem starken Euro. Duisenberg sagte vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments, ein starker Euro sei im Interesse der Euro-Zone und werde Realität werden.



Das Wachstum werde in der Euro-Zone im laufenden sowie in den beiden kommenden Jahren bei deutlich über drei Prozent liegen, sagte Duisenberg. Welteke sagte, am Rande einer Bankenveranstaltung in Frankfurt, der Euro-Kurs spiegele die Wachstumsaussichten der Euro-Zone nicht wieder. Die Gemeinschaftswährung zeigte während der beiden Reden starke Kursausschläge.



Zu einer möglichen Intervention der Europäischen Zentralbank zugunsten des Euro sagte Duisenberg, er werde die Finanzmärkte nicht vorab über ein Eingreifen der EZB informieren. Auch die Gründe, die für und gegen eine Intervention sprächen, werde er nicht öffentlich erörtern. Sowohl Duisenberg als auch Welteke betonten, eine Intervention sei ein Instrument, das der EZB zur Verfügung stehe.



Duisenberg verteidigte zudem die jüngste Zinserhöhung der EZB und kündigte an, dass die EZB weiter gegenüber Preisrisiken aufmerksam bleiben werde. Zinserhöhungen seien aber kein Mittel, um gegen kurzfristigen Preisdruck etwa durch die hohen Ölpreise oder dem "hoffentlich kurzfristigen" Kursrückgang des Euro vorzugehen, fügte Duisenberg hinzu. Die EZB hatte am 31. August die Leitzinsen für die Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben.



Der Euro sei ein Erfolg, sagte Duisenberg weiter. Seit seiner Einführung sei ein Klima der Preisstabilität sowie ein Markt mit mehr als 300 Millionen Menschen geschaffen worden. Die Euro-Zone könne ein Wachstum von über drei Prozent im laufenden sowie in den kommenden zwei Jahren erwarten.



Auch Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bekräftigte den Willen der Bundesregierung, mit ihrer Wirtschafts- und Steuerpolitik auch zu einer Stärkung des Euro beizutragen. Eichel sagte: "Wir wollen ganz nachdrücklich einen höheren Außenwert des Euro." Das Beste, was man dafür tun könne, sei, nicht dauernd über den Euro zu reden, sondern "ganz schlicht unsere Wirtschaft nach vorne zu bringen". Der Euro stieg zu Beginn der Duisenberg-Rede bis auf ein Tageshoch von 0,8689 Cent, gab im Anschluss aber wieder auf Kurse um 0,86 Cent nach. Gegen 19.15 Uhr MESZ notierte er bei 0,8601/03 Dollar. Händler deutscher Banken sagten, die kurze Aufwärtsbewegung des Euro sei erwartet worden. "Ich hatte sogar erwartet, dass der Euro während der Duisenberg-Rede auf bis zu 87 Cent steigen würde - einfach nur weil Duisenberg sich dazu geäußert hat", sagte ein Händler. Dies sei aber mehr als eine technische Reaktion und keinesfalls als Kurskorrektur anzusehen. Vor den Reden in Brüssel und Frankfurt hatte sich der Euro meist um 86 Cent gezeigt. Am Morgen sagte EU-Währungskommissar Pedro Solbes vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments, niemand in der Euro- Zone habe ein Interesse an einem schwachen Euro. Der Euro werde wieder zu einem "natürlichen Kurs" finden. Der Chef der bayerischen Landeszentralbank, Franz-Christoph Zeitler, nannte die anhaltende Euroschwäche eine Gefahr für die Preisstabilität in Europa. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte, eine Intervention der EZB und der Notenbanken in den USA und Japan liege auch im US-Interesse. Niemand könne ewig mit einem solch hohen Leistungsbilanzdefizit wie dem der USA leben, sagte Prodi.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%