Händler sind frustiert
Patient Neuer Markt krankt weiter an Fallsucht

Der Neue Markt hat am Dienstag seine Talfahrt fortgesetzt und unmittelbar nach Handelsbeginn neue Tiefststände markiert. Händler begründeten die Entwicklung mit anhaltend schlechten Unternehmensnachrichten wie der Gewinnwarnung des schwedischen Mobilfunkherstellers Ericsson und den weiter fallenden Kursen an den US-Börsen.

Reuters/dpa FRANKFURT. Die im Nemax 50 zusammengefassten Blue Chips verloren 3,8 % auf 1 775 Zähler und markierten damit ein neues Allzeittief seit der Einführung des Index im Juli 1999.

Der alle Werte umfassende Nemax-All-Share-Index gab 4,02 % auf 1 850 Punkte ab. Im weiteren Verlauf der Sitzung konnten die beiden Indizes ihre Auftaktverluste jedoch leicht verringern. Bereits am Vortag hatten die Indizes rund fünf Prozent nachgegeben.

Die Aktien von Thiel Logistik gaben in den ersten Handelsminuten über sechs Prozent auf 109,80 Euro nach, obwohl das Unternehmen am Morgen seine Gewinnaussichten für das laufende und das kommende Jahr angehoben hatte.

Ebenfalls deutlich leichter starteten die Titel von Mobilcom in den Handel. Das "Handelblatt" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, das Telekommunikationsunternehmen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) einen vielfach höheren Verlust verbucht als bislang nach dem internationalen Bilanzstandard IAS ausgewiesen wurde. Mobilcom gaben rund vier Prozent auf 23,55 Euro nach.

Mobilcom weist Fehlbetrag in Milliardenhöhe aus

T-Online verloren 3,7 Prozent auf 11,25 Euro. Mit Spannung warten Anleger und Analysten auf den Auftritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Thomas Holtrop, der am Vormittag die Strategie des Unternehmens vorstellen wird.

IM Internationalmedia AG verloren 1,95 % auf 20,60 Euro. Das Unternehmen hat mit dem Kauf der Largo Entertainment Filmbibliothek die internationalen Zweitverwertungsrechte für 25 Filme erworben. Den Kaufpreis bezifferte das im Nemax 50 notierte Unternehmen mit unter 20 Mill. USD.

Ein Händler beurteilte die Situation am Neuen Markt mit den Worten: "Wer soll uns da rausholen? Es ist unheimlich frustrierend". Solange die Vorgaben aus den USA nicht deutlich besser würden, sei keine tiefgreifende Änderung am Neuen Markt in Sicht. Doch selbst auf den derzeit positiven Stand des Nasdaq-Futures, reagiere der Neue Markt in Frankfurt nicht: "Bisher sind wir dem Future wie die Lemminge hinterhergerannt", heute helfe aber auch der nicht aus der Misere.

Düstere Vorzeichen aus den USA und Tokio

Düstere Vorzeichen aus den USA und Tokio stellten den Börsentag am Frankfurter Neuen Markt von Beginn an unter einen schlechten Stern. Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte die Woche mit starken Verlusten begonnen. Am Montag war der Composite-Index kurz nach Handelsbeginn unter die psychologisch wichtige Marke von 2 000 Punkten gerutscht und hatte sich im Tagesverlauf nicht erholen können. Es war das erste Mal seit Dezember 1998, dass der Nasdaq Composite-Index unterhalb dieses Niveaus notierte. Er schloss mit minus 6,25 % auf 1 924,15 Punkten.

Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte den Handelstag mit einem Minus von 6,3 % auf 1 923 Punkte beendet und damit erstmals seit Dezember 1998 unter der psychologisch wichtigen Marke von 2 000 Zählern gelegen.

"Der Verkaufsdruck wird immer erdrückender", sagte ein Händler. Es gebe derzeit keine Gegenreaktionen mehr, der Markt entwickele sich nur noch in eine Richtung, hieß es. Der Telekomausrüster Ericsson hatte am Montagnachmittag eine Gewinn- und Umsatzwarnung für das laufende erste Quartal bekannt gegeben. Daraufhin brachen die Ericsson-Aktien an der Wall Street um rund 25 % ein.

Im Sog der schwachen Wall Street-Vorgaben verzeichnete auch die asiatische Leitbörse in Tokio am Dienstag weitere schwere Verluste. Der Nikkei-Index für 225 führender Werte stürzte im frühen Geschäft erstmals seit Februar 1985 unter die Marke von 12 000 Punkten (mehr dazu).

"Es wird zurzeit alles verkauft", sagte Gregor Görtz, Aktienhändler beim Bankhaus Lang & Schwarz. "Eine Gegenreaktion wird es voraussichtlich nicht geben". Der Verkaufsdruck werde immer erdrückender, bestätigten auch andere Händler.

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