Händler sprechen von nervösem Geschäft
Deutsche Standardwerte drehen am Abend ins Plus

Am zweiten Tag nach den Terror-Angriffen auf die USA schwankten deutsche Aktien erneut stark. Händler sprachen von anhaltender Orientierungslosigkeit, da die amerikanischen Leitbörsen geschlossen blieben. Gefragt waren Münchener Rück und Henkel, Autos und Technologiewerte verloren.

- Versicherungen stabilisieren Dax

HB FRANKFURT/M. Ohne das gewohnte richtungweisende Licht von den US-Aktienmärkten stocherten die deutschen Börsianer am Donnerstag einen weiteren Tag im Nebel. Grauer Staub und Schutt, der den Leuten in New York nach dem Einsturz des World Trade Centers den Atem nahm, lastete im übertragenen Sinn auch auf den Gemütern der Aktienhändler hier zu Lande.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte am Nachmittag wie bereits zu Handelsbeginn ins Minus, schloss aber bei 4 392,4 Punkten (+1,32 %). Die Umsätze wurden als normal, aber unter dem Niveau des Vortags liegend beschrieben. "Da sind momentan vorwiegend kurzfristige Zocker und der Eigenhandel aktiv", bemerkte ein Händler.

Wie nervös die Stimmung derzeit ist, zeigte sich am Mittag: Nach einer irakischen Meldung über angebliche Luftangriffe der USA und Großbritanniens auf den Irak fiel das Börsenbarometer zeitweise um mehr als ein Prozent. Allerdings fingen sich die Kurse bereits vor dem Dementi dieser Meldung wieder. "Short-Eindeckungen treiben den Markt nach oben, gleichzeitig drückt die Angst vor schlechten Meldungen", bemerkte ein Händler. Insgesamt sprachen Marktbeobachter von Orientierungslosigkeit.

Diese Situation allerdings dürfte sich nach Angaben der Wall Street heute oder spätestens ab Montag ändern, denn dann sollen die US-Börsen wieder geöffnet werden. Womit dann allerdings zu rechnen ist, weiß niemand so genau. Einige Marktteilnehmer gehen von einem weiteren Minus von 100 bis 200 Punkten aus, größere Verluste halten sie aber für eher unwahrscheinlich. Ein Einbruch der US-Börsen bei der Wiederaufnahme des Handels sei inzwischen in den deutschen Aktienkursen schon berücksichtigt, glaubt Volker Borghoff von HSBC. Analysten von Sal. Oppenheim weisen auf Belastungen durch Versicherungen hin, die möglicherweise Aktien verkaufen, um sich an die neue Risikosituation anzupassen.

So viel scheint aber jetzt schon klar zu sein: die Terror-Angriffe dürften die US-Verbraucher zunehmend verunsichern, außerdem befürchten die Analysten von Morgan Stanley einen negativen Einfluss der Ereignisse auf die Erholung des amerikanischen Wirtschaftswachstums. Komme es zu keinem oder nur zu einem begrenzten militärischen Einsatz der USA und ihrer Verbündeten, ändere sich an den Öl- und Rohstoffpreisen und den Wachstumsperspektiven wenig, glauben die Experten von Kant Vermögensmanagement & Research. Größere Vergeltungsschläge dagegen dürften die Märkte erneut aus dem Gleichgewicht bringen, heißt es im Handel.

Im Mittelpunkt standen Versicherungsaktien, die sich nach den als übertriebenen bezeichneten Abschlägen am Dienstag weiterhin auf Erholungskurs befanden. Allianz stiegen trotz einer Gewinnwarnung am Vorabend. Münchener Rück waren von Morgan Stanley auf "Outperform" von "Neutral" mit Kursziel 300 hochgestuft worden. Henkel -Aktien half der Verkauf der Spezialchemie-Sparte Cognis. Der Preis von 2,6 Mrd. sei gut, urteilten Analysten. Zu den Verlierern gehörten erneut Automobil- und Technologie-Aktien, Preussag und die .

Der MDax stieg auf 4 085,61 Punkte (+0,1 %). München und Düsseldorf schlossen zur Kasse im Plus. Stuttgart tendierte knapp behauptet, der Rest uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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