Händler sprechen von nervöser Anspannung
Dax notiert nach Schrecksekunde deutlich leichter

Wie empfindlich die Börse in diesen Tagen auf Katastrophen im Zusammenhang mit Flugzeugunglücken reagiert, zeigte sich einmal mehr zum Wochenauftakt: Bis zum Nachmittag war das Geschäft bei mäßigen Umsätzen und vereinzelten Gewinnmitnahmen noch relativ ruhig verlaufen. Dann aber riss die Meldung über einen Flugzeugabsturz einer American Airlines Maschine in der Nähe des New Yorker Flughafens John F. Kennedy die Börsianer aus ihrer Lethargie.

FRANKFURT/M. Innerhalb von Sekunden sackte der ohnehin schwächer tendierende Deutsche Aktienindex (Dax) um 100 zusätzliche Punkte bis auf 4 648,68 Zähler in die Tiefe. Auch die US-Börsen gaben spürbar nach.

Noch sei nicht klar, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handele, hieß es. "Alle hängen vor dem Fernseher und warten auf weitere Meldungen, Prognosen über die Marktentwicklung sind nicht möglich", äußerte sich ein Börsianer. Die US-Flugaufsicht sperrte sofort den Luftraum über New York. Als dann allerdings ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde in den USA einräumte, es gebe keine Hinweise auf einen Anschlag, erholte sich der Dax bis zum späten Nachmittag bis auf 4 820,37 Punkte (-1,8 %).

Durch den Flugzeugabsturz gewann die leichte Abwärtsbewegung des Marktes vorübergehend an Dynamik. Händler hatten sich nach dem Plus von 7 % in der vergangenen Woche für die kommenden Tage ohnehin auf Gewinnmitnahmen und mit Blick auf die anstehenden Quartalszahlen auf negative Überraschungen eingestellt. Allerdings waren viele lediglich von einer kleinen Korrektur bis 4 800 Punkten ausgegangen, die einige Börsianer nach der jüngsten Aufwärtsbewegung sogar als gesund angesehen hatten.

Lufthansa setzten sich nach dem Unglück schlagartig an die Spitze der Dax-Verlierer und verloren in einer ersten Schockreaktion mehr als 10 %, erholten sich dann aber wieder und schlossen mit einem Minus von 3,8 %. Auch die Aktien des Tourismuskonzerns Preussag zog es in den Keller.

Ebenfalls auf der Verliererseite standen Siemens, die schon vor dem Flugzeugabsturz um etwa 5 % gefallen waren. Händler erklärten die Abschläge mit einem Magazinbericht vom Wochenende, in dem Siemens-Chef Heinrich von Pierer mit den Worten zitiert wird, ein Drittel des Konzerns habe Probleme. "Vielleicht werden die Unternehmenszahlen am Mittwoch nun doch schlechter als erwartet", befürchtete ein Marktteilnehmer.

Auch Infineon und Epcos gaben nach. Infineon veröffentlicht heute und Epcos am Donnerstag Quartalszahlen. SAP verloren, nachdem die Analysten von Lehman Brothers das Kursziel auf 145 von zuvor 150 gesenkt und die Umsatzschätzungen für das vierte Quartal leicht zurückgenommen hatten.

Der Spezialchemiehersteller Degussa notierte nach seinen Quartalszahlen zunächst leicht im Plus, konnte die geringen Aufschläge im Tagesverlauf bei dem sich verdüsternden Gesamtmarktumfeld jedoch nicht halten. Henkel gaben nach enttäuschenden Quartalszahlen nach. Die schwache Weltkonjunktur zwingt den Chemie- und Konsumgüterkonzern zu Stellenabbau, Betriebsschließungen und einer Gewinnwarnung. Zu den wenigen Gewinnern gehörten MLP und zeitweise Schering. Auch RWE waren als sicherer Hafen gesucht.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%