Händler trotz Kursgewinnen weiter skeptisch
Irak-Entscheidung lässt Börsenkurse steigen

Die Entscheidung des Irak, ohne Bedingungen die Rückkehr der Waffeninspektoren der Vereinten Nationen zu erlauben, hat am Dienstag die Kurse an den asiatischen Börsen kräftig steigen lassen.

Reuters TOKIO. Während die Aktien in Tokio um durchschnittlich mehr als drei Prozent zulegten, gab der Ölpreis rund fünf Prozent nach. Die Staatsanleihen konnten von ihrer Funktion als sichere Anlagehafen in politisch unsicheren Zeiten nicht mehr profitieren.

Auch die erste Reaktion der Futures auf die US-Aktienindizes deuteten auf eine freundliche Eröffnung der Wall Street hin, was auch in Europa laut Händlern zu höheren Aktienkursen führen dürfte. Händler äußerten sich aber angesichts einer zurückhaltenden Reaktion der US-Regierung vorsichtig. Angesichts eines drohenden US-Militärschlags stimmte der Irak am Montag zu, die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen ohne Bedingungen wieder einreisen zu lassen. Die US-Regierung sprach in einer ersten Reaktion allerdings nur von einer Taktik des Irak, mit der ein entschiedenes Vorgehen des UNO-Sicherheitsrats vermieden werden solle.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg um 3,3 Prozent auf 9543,94 Punkte und schloss erstmals seit dem 2. September wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 9500 Punkten. Besonders die Aktien von Exportunternehmen legten angesichts des niedrigeren Kurses des japanischen Yen deutlich zu. An der Seouler Börse zogen die Aktien im Schnitt ebenfalls um drei Prozent an. Etwas verhaltener war die Reaktion in Hongkong mit einem durchschnittlichen Gewinn von rund zwei Prozent. Im Mittelpunkt standen an den asiatischen Börsen neben den Exportwerten auch die Aktien der Fluggesellschaften, wie Cathay Pacific, die viertgrößte asiatische Fluglinie, die um sechs Prozent stiegen.

Händler trotz Kursgewinnen weiter skeptisch

Auch in Europa sagten Händler zunächst deutlich höhere Aktienkurse voraus. Der Futures auf den amerikanischen S&P-Index, der an der Globex rund um die Uhr - bei allerdings manchmal nicht sehr hohen Umsätzen - gehandelt wird, zog bis zum Morgen um 22 Zähler an. Dies lasse eine freundliche Eröffnung in New York erwarten, sagten Händler. Eine echte Rally wurde aber zunächst nicht erwartet.

Die Entscheidung des Irak habe zwar die unmittelbare Angst vor einem Krieg gemildert, eine nachhaltige Entwarnung sei aber nicht erkennbar, sagten Händler. "Man kann das ganz einfach nicht als das Ende aller Sorgen verbuchen", sagte ein Fondsmanager in Singapur. Es sei immer noch eine offene Frage, ob die USA zu einem späteren Zeitpunkt handelten. Langfristig stünden ohnehin die Lage der Unternehmen und die Konjunktur im Mittelpunkt, warnte James Volk von D.A. Davidson land Co in Portland im US-Bundesstaat Oregon.

An den Devisenmärkten baute der Dollar seine Gewinne zu Euro und Yen weiter aus. Der Euro fiel auf 0,9655 Dollar von Kursen knapp unter 0,97 Dollar am Vorabend in New York fiel. Die Staatsanleihe in Europa und die US-Staatsanleihen, die in Tokio gehandelt wurden, gaben dagegen deutlich nach. In den vergangenen Wochen hatte die Sorge vor einem Krieg im Irak den Festverzinslichen Gewinne beschert und die Renditen gedrückt, weil Anleihen von den Anlegern als krisensichere Investition geschätzt werden.

Der Preis der US-Ölsorte Light Crude fiel im elektronischen Handel um 1,34 Dollar auf 28,33 Dollar je Barrel (das Fass zu 159 Liter). Analysten sagten, das Angebot Iraks habe den "Kriegsaufschlag" auf den Ölpreis sinken lassen. Der Preis war wegen Sorgen um einen drohenden Militärschlag der USA gegen Irak in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen, da Analysten im Kriegsfall eine Beeinträchtigung der Ölförderung und niedrigere Ölausfuhren befürchteten. Auch die führende Nordsee-Sorte Brent hatte sich zeitweise bis auf über 29 Dollar je Barrel und damit den höchsten Stand seit rund einem Jahr verteuert.

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