Händler und Analysten verlieren das Vertrauen
Metabox mit Umsatz- und Gewinnwarnung

Die Aktie des Hildesheimers Set-Top-Boxen-Herstellers gab am Vormittag mehr als 43 % ab. Das Unternehmen erwartet statt 14 Mill. DM Gewinn 15 Mill. Verlust. Gründe sind Lieferengpässe und Abstimmungsprobleme bei der Software.

Reuters FRANKFURT. Die am Neuen Markt notierte Metabox AG hat ihre Umsatz- und Gewinnprognose für das Jahr 2000 zurückgestuft. Wie die Gesellschaft am Donnerstag in einer Pflichtveröffentlichung mitteilte, erwartet sie jetzt einen Umsatz von 70 Mill. DM gegenüber einer im April auf 198 Mill. DM angehobenen Umsatzprognose und einen Verlust von 15 Mill. DM nach zunächst erwarteten 14 Mill. DM Gewinn. Grund sei eine Verzögerung bei der Konfiguration der neuen Generation von Set-Top-Boxen, hieß es. Die Aktien des Unternehmens sind in Folge der Gewinnwarnung am Donnerstagvormittag über 43 % eingebrochen. Analysten und Händlern zufolge hat die Nachricht einen großen Vertrauensverlust gegenüber dem Unternehmen verursacht.

Metabox hatte am Morgen weiter mitgeteilt, der bereits für das laufende Geschäftsjahr geplante Lieferbeginn für einen auf zwei Jahre angelegten Auftrag von über 500 000 Met@boxen erst Anfang 2001 erfolgen. Dies sei auf Engpässe in der Softwareentwicklung sowie auf Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Zulieferer der Entschlüsselungs-Software, die auf ausdrücklichen Kundenwunsch zu implementieren sei, zurückzuführen. Die von Seiten des Zulieferers noch fehlenden Daten werde Metabox nunmehr bis Ende Oktober erhalten, hieß es.

Umsatzerwartung für 2001 beibehalten

Auf Grund der inzwischen wesentlich vergrösserten Personalressourcen im Softwarebereich des Unternehmens wird den Angaben zufolge die technische Abnahme des Gesamtsystems zeitnah erfolgen. Die Serienproduktion sei bereits vorbereitet und werde im Dezember, sofort nach der Abnahme, beginnen. Weiter hieß es, die Entscheidung über die Terminvereinbarung sei in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber getroffen worden. Für das Jahr 2001 erwarte Metabox daher unverändert einen Umsatz von 600 Mill. DM.

Erhebliche Zweifel an künftigen Planungen

M.M. Warburg Analyst Achim Fehrenbacher sagte, er habe sich erst vor zwei Wochen mit dem Unternehmen unterhalten und die Auskunft erhalten, dass das Geschäft nach Plan verlaufe. Die Nachricht vom Morgen zeige aber, dass diese Darstellungen nicht ganz der Wahrheit entsprochen haben könnten. Fehrenbacher sagt, es sei nicht nachvollziehbar, dass eine solche Entwicklung in zwei Wochen passieren könne, so dass das Unternehmen schon vorher davon gewusst haben müsste. Wenn Metabox nichts gewusst habe, müsste das Unternehmen hingegen einen Fehler in seinem Unternehmensablauf haben. "Solche gravierenden Fehlentwicklungen muss man relativ zeitnah erkennen", betonte der Analyst der Betreuerbank von Metabox. Die Gesellschaft habe ihre Informationspolitik mangelhaft gefahren. Das Vertrauen in das Unternehmen sieht der Analyst durch diese Entwicklung langfristig belastet, so dass auch an den künftigen Planungen erhebliche Zweifel bestünden.

Schaden für das Unternehmens-Image

Ein Händler sagte, die Verunsicherung am Markt sei durch die Meldung sehr groß. Sie schade dem Image des Unternehmens und des Neuen Marktes. Ein anderer Händler sagte, die Börse sollte bei solchen Meldungen schneller reagieren und solche unseriösen Unternehmen von Handel ausschließen. Noch am 13. September hatte Metabox-Vorstandschef Stefan Domeyer in einem Interview im Fernsehsender N-TV an dem Umsatzziel von rund 200 Mill. DM festgehalten. Zudem war Domeyer Zweifeln über die Verwirklichung bereits gemeldeter Auftragseingänge entgegen getreten.

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