Händler waren geschockt
Bedienungsfehler sorgt fur Kurssturz an den Märkten

Ein Sturz des Dax-Futures um rund 16 Prozent innerhalb von Sekunden hat am Dienstag am deutschen Aktienmarkt für erhebliche Verwirrung unter den Finanzmarktteilnehmern geführt.

Reuters FRANKFURT. Der Dezember-Kontrakt des Futures auf den Deutschen Aktienindex (Dax) war kurz nach Beginn des Aktienhandels um rund 800 Stellen auf 4348 Punkten gefallen. Daraufhin wurde auch der Dax um mehr als 100 Punkte auf 5016 Zähler gedrückt. Die internationale Terminbörse Eurex, an der der Future gehandelt wird, teilte später mit, den Mistrade- Antrag eines Kunden auf Stornierung des Future-Geschäfts zu überprüfen. Ein Marktteilnehmer sagte, der Vorgang könne im schlimmsten Fall bei allen Beteiligten insgesamt zu Kosten von bis zu 30 Millionen Euro führen.

"So allmählich erhole ich mich wieder von dem Schock", sagte ein Händler. Im ersten Moment sei nicht klar gewesen, was den Kurssturz verursacht habe. "Da denkt man gleich erst mal an das Schlimmste", sagte der Börsianer mit Blick auf die Anschläge in den USA vom 11. September und die dadurch damals ausgelösten Kurseinbrüche an den internationalen Finanzmärkten.

Von Terminmarkt Eurex wurde zunächst keine offizielle Begründung für den Kurssturz genannt. Marktteilnehmer sagten aber, es gebe Gerüchte, wonach ein Händler das Simulationsprogramm für den Eurex-Computerhandel mit dem richtigen Handelsprogramm verwechselt und Futures unlimitiert verkauft haben soll. "Wir haben gehört, dass es ein Händler in der Ausbildung gewesen sein soll", sagte ein Börsianer. "Man hat wohl ein Testprogramm laufen lassen und es hat sich als Realität herausgestellt."

Ein Händer stellte Mistrade-Antrag

Eine Sprecherin der Eurex bestätigte auf Anfrage den Eingang eines Mistrade-Antrages eines Handelsteilnehmers. Derzeit werde der Antrag überprüft, hieß es. Bei wem es sich um den Antragsteller handelte, wollte die Sprecherin nicht sagen. "Ein Kunde hat bei unserer Handelsüberwachung einen Mistrade-Antrag gestellt", sagte die Sprecherin. "Wir werden überprüfen, ob nach unserem Regelwerk dem Antrag statt gegeben werden kann." Sollte es sich herausstellen, dass es sich um einen Mistrade handeln sollte, werde der Markt darüber informiert werden.

Marktteilnehmer äußerten jedoch ihre Zweifel, dass es einfach wäre, die Geschäfte, die es unmittelbar nach dem möglichen groben Handelsfehler gegeben habe, rückgängig zu machen. Sollte dem Mistrade-Antrag statt gegeben werden, müssten alle Geschäfte, die in Folge des Kursrutsches beim Dax-Future getätigt worden waren, ebenfalls rückgängig gemacht werden, sagte Tobias Voigt, Derivate-Händler bei der DZ-Bank. "Viele Leute haben nach dem Fall des Futures Arbitrage gespielt, das heißt, den billigen Future gekauft und die Kasse (Aktien) dagegen gegeben." Diese Verkäufe am Aktienmarkt müssten dann ebenfalls rückgängig gemacht werden.

Über die ungefähre Anzahl der verkauften Future-Kontrakte herrschte nach wie vor Unklarheit am Markt. Einige Händler sprachen von einer Größenordnung von 1000 Kontrakten, andere sagten, in Anbetracht der starken Bewegung um 800 Punkte sei eine Anzahl von 5000 Kontrakten eher wahrscheinlich. Ein Londoner Händler sprach von einer sehr geringen Anzahl von gehandelten Kontrakten und führte den Kursrutsch auf wenig Geldkurse (Nachfrage) im Orderbuch zurück.

Bei einer Kontraktanzahl von 1000 Futures auf den Dax und einem Kurssturz von 800 Punkten würde sich das Volumen eines solchen Geschäfts auf rund 20 Millionen Euro belaufen, bei einer Anzahl von 5000 Kontrakten demzufolge auf 100 Millionen Euro. "Es ist recht unwahrscheinlich, dass die Börse diesen Trade rückgängig machen wird", sagte ein Aktienderivatehändler eines US-Geldhauses in London.

Der Dax hatte sich am Dienstamorgen kurz nach dem plötzlichen Kursverfall in etwa wieder auf dem Niveau eingependelt, auf dem er vor dem Future-Sturz notiert worden war.

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