Händleraufstand in Berlin
Vodafone verliert D2-Shops an T-Mobile

Berliner Handyhändler kennen Klaus Schlubach nur als "Mister D2". Wann immer die Düsseldorfer D2-Zentrale in den vergangenen vier Jahren Vertriebserfolge auf dem Handymarkt feierte, Schlubach war an vorderster Front dabei.
  • 0

DÜSSELDORF. Mit tollen Verkaufszahlen räumte er alle ausgesetzten Prämien und Incentives ab. Die Berliner D2-Niederlassung kürte ihn sogar zum Vorzeigeunternehmer. "Es gab Zeiten, da wurden fast alle Neulinge, die einen D2-Shop eröffnen wollten, zu mir geschickt," erinnert sich Schlubach. "Ich habe D2 gelebt."

Seit April probt Schlubach den Aufstand. Nach wochenlangem Streit mit dem neuen Leiter der Berliner Vodafone-Niederlassung, Matthias Schulnick, liefen Schlubach und zwei weitere Händlerkollegen, Frank Fuckel und Alexander Wegmann, zur Konkurrenz über. Elf Shops, die meisten in den Topeinkaufslagen im Ostteil der Hauptstadt, wechselten an einem einzigen Wochenende die Farben. Anstelle des knalligen Vodafone-Rots mit dem neuen Sponsorpartner Ferrari ziert jetzt das Magenta-T des Hauptkonkurrenten T-Mobile die Schaufenster. Zusätzlich werden jetzt noch Handypakete von E-Plus, O2 (ehemals Viag Interkom) und Quam verkauft. Händler, die den Umbau beobachteten, sprechen von einer "logistischen Meisterleistung".

50 Prozent weniger Vertragsverlängerungen

Vodafone, der weltgrößte Mobilfunker, zieht sich immer öfter den Zorn seiner rund 400 selbstständigen Partneragenturen in Deutschland zu. Jahrelang konnten sich die Shopinhaber darauf verlassen, dass ihnen D2 mit Rekordzahlen ein einträgliches Geschäft bescherte. Jetzt, nach dem jähen Ende des Handybooms, müssen die Händler die Einnahmeausfälle der ausbleibenden Neukunden durch Vertragsverlängerungen kompensieren. Ein mühsames Geschäft, denn auch das hauseigene D2-Call-Center und konkurrierende Fachhändler stürzen sich auf die Stammkunden und bieten ihnen stark subventionierte Neugeräte an. "Unsere Vertragsverlängerungen sind seit Anfang des Jahres um 50 Prozent zurückgegangen," schimpft Schlubach.

Der Konflikt mit den D2-Händlern eskaliert zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. D2, bis zur Vodafone-Übernahme das Vorzeigeunternehmen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, verliert erstmals Kunden. Seit Anfang des Jahres ist die Zahl der D2-Nutzer um 400000 auf jetzt 21,4 Millionen Kunden gesunken. Schlimmer noch: Auch der Umsatz pro Kunde, der mit neuen mobilen Datendiensten längst ansteigen sollte, blieb in den ersten drei Monaten hinten den Vorjahreswerten zurück. Statt 26 Euro kommen nur noch gut 24 Euro pro Monat und Kunde in die Kasse. An der Börse rutschte der Kurs der Vodafone-Aktie innerhalb einer Woche um zwölf Prozent - auf den neuen Tiefstand von 98 Pence.

Die gerade von Vodafone-Chef Chris Gent vorgelegte Prognose erweist sich mehr und mehr als Wunschtraum. Bereits in den kommenden vier Geschäftsjahren soll die Kundenzahl in Deutschland um 25 Prozent und der Pro-Kopf-Umsatz um 40 Prozent auf über 34 Euro pro Monat steigen.

Vorgaben zielen auf Verkauf von Partnerkarten

Den Druck geben die Niederlassungsleiter jetzt direkt an die D2-Partner weiter - wie in Berlin. Immer höhere Vorgaben zielen jetzt auf den Verkauf von so genannten Partnerkarten, die allen Stammkunden bei Verlängerung ihres Zweijahresvertrages angeboten werden. Die Idee dahinter: Da jede Vertragsverlängerung mit einem stark subventionierten Neugerät belohnt wird, können Familienmitglieder das Altgerät mit einer Zweitkarte über dieselbe Rechnung weiternutzen. Der Haken für die Händler: Als Provision bekommen sie noch 21 Euro - statt 66 Euro für den Neuabschluss.

Endgültig zu Ende war die Geduld der drei abtrünnigen D2-Händler, als sich die Provisionszahlung für neue Twinstar-Kunden, die ihr D2-Handy mit dem Festnetzanschluss von Arcor im Kombipaket nutzen, um Monate verzögerte. Händler Schlubach: "Mir fehlt die Fantasie, wie man mit dem exklusiven Verkauf von Vodafone-Produkten künftig überleben soll."

Dem Ausstieg über Nacht kann jedoch noch ein Nachspiel vor Gericht folgen. Vodafones Juristen prüfen bereits, ob sie die abtrünnigen Händler verklagen sollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%